Am Dienstag vor 25 Jahren verstarb Bruno Pezzey. Eine Würdigung eines allzeit und allerorts anerkannten Menschen und Fußballers.

Es war der 31. Dezember 1994, als das Unfassbare geschah. Bruno Pezzey hatte sich mit Freunden in Innsbruck zur Gaudi zu einem Eishockeyspiel getroffen. Plötzlich fuhr er mit den Worten „Ich fühle mich müde“ an die Bande, brach zusammen und starb. Einer der besten Verteidiger der Welt war nicht einmal 40 Jahre alt geworden.

Die Trauer war groß, nicht nur in Österreich, wo der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky von „einem schweren Verlust für ganz Europa“ sprach: „Bruno Pezzey war immer ein Vorbild für die Jugend gewesen.“

Pluspunkte auf und neben dem Platz

Auch in Frankfurt, wo er von 1978 bis 1983 für die Eintracht die Fußballschuhe geschnürt hatte. Der Vorarlberger, am 3. Februar 1955 in Lauterach geboren, hatte nicht nur auf dem Feld viele Pluspunkte gesammelt, auch seine bescheidene, freundliche Art hatte ihn rasch zum Liebling der Fans werden lassen. Sollte sich ein jüngerer Adleranhänger trotzdem nicht mehr an den Hünen mit den schwarzen Locken erinnern, dann muss er nur mal in Frankfurt den U-Bahnhof am Willy-Brandt-Platz besuchen. Dort sind die 2012 gewählten „Säulen der Eintracht“ zu bestaunen. Mit Karl-Heinz Körbel und Uwe Bindewald bildet Bruno Pezzey die prominente Abwehrreihe.

Dass der Profi, der im Alter von zwei Jahren von seinem Vater den ersten Fußball geschenkt bekommen hatte, den Weg an den Main fand, lag hauptsächlich an einem rabenschwarzen Tag des deutschen Fußballs, an der „Schmach von Cordoba“. Dort setzte sich Österreich während der WM 1978 gegen Deutschland sensationell mit 3:2 durch. Pezzey, der auf insgesamt 84 Länderspiele kam, war beim Gegner einer der Besten gewesen. Während nach dem Abpfiff Bernd Hölzenbein das Trikot mit dem Abwehrchef des Gegners tauschte, informierte der als Zuschauer anwesende Jürgen Grabowski seine Vereinsführung: „Das ist ein Weltklassespieler, das ist ein Abwehrästhet am Ball.“ Tatsächlich klappte der Wechsel, Pezzey verließ Innsbruck und kam ein paar Wochen später an den Main.

Opfer der Finanzlücke

Es wurden fünf gute gemeinsame Jahre, 1980 wurde der UEFA-Cup gegen Borussia Mönchengladbach gewonnen, ein Jahr später der DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern. Doch im Frühsommer 1983 hatte die Eintracht wieder mal eine finanzielle Schieflage zu bekämpfen, sie musste sich von ihrem erfolgreichen Profi trennen, der in insgesamt 181 Pflichtspielen stolze 38 Tore, meist mit dem Kopf, erzielt hatte.

Das Timing der Verantwortlichen war dabei alles andere als feinfühlig. Es war der letzte Spieltag der Bundesligasaison, die Eintracht musste bei Fortuna Düsseldorf antreten. Der strahlende Sonnenschein sollte aus Sicht der Frankfurter das einzig Positive an diesem Samstag werden. Die Partie war schon ein paar Minuten alt, als Branko Zebec, deutlich gezeichnet von seiner Alkoholkrankheit, die Trainerbank erreichte. Damit nicht genug: Atli Edvaldsson erwischte eine Sternstunde, schoss die Gäste beim 5:1 mit fünf Treffern alleine ab. Da ging das erste Bundesligator eines jungen Mannes mit dem Namen Thomas Berthold regelrecht unter.

Frankfurt verbunden

Es war ein bitterer Nachmittag für die Eintracht, besonders aber für Bruno Pezzey. Der war im Luftkampf schon nach wenigen Minuten mit dem eigenen Kollegen Karl-Heinz Körbel zusammengerasselt, hatte eine stark blutende Platzwunde am Kopf erlitten. Die musste während der Partie in der Kabine von Mannschaftsarzt Georg Degenhardt genäht werden. Als der Mediziner noch Nadel und Faden schwang, nutzte das Eintracht-Präsidium diese Zeit, um ihrem Profi zu erklären, dass sie ihn aus finanziellen Gründen verkaufen muss. Der Doc hatte derweil den letzten Knoten geknüpft und meinte: „Bruno, du kannst weiterspielen.“ Doch der hatte genug, schüttelte nur den Kopf und ließ sich auswechseln. Schließlich hatte er am Main bleiben wollen.

So kam es, dass sich Vizemeister Werder Bremen über eine deutliche Verstärkung freuen konnte. Doch auch mit Bruno Pezzey gelang es den Grün-Weißen nicht, die erhoffte Meisterschaft an die Weser zu holen. Vier Jahre später ging der Österreicher in seine Heimat zurück, wo er unter Trainer Ernst Happel 1989 mit dem FC Tirol das Double und 1990 die Meisterschaft gewann. Danach war Schluss mit der aktiven Karriere, aber nicht mit der Liebe zum Sport. So gründete er beispielsweise eine Rafting-Schule und schipperte auch mal mit den Eintracht-Profis während eines ihrer vielen Trainingslager in Seefeld im Schlauchboot über den oberen Inn bei Imst.

„Für immer im Herzen der Eintracht“

Auch der Österreichische Fußballverband (ÖFB) wollte nicht auf die große Erfahrung seines Ex-Nationalspielers verzichten, übertrug ihm die Leitung der Nachwuchsarbeit. Drei Jahre nach seinem viel zu frühen Tod rief die österreichische Vereinigung der Fußballer einen alljährlich zu vergebenden Preis aus, der noch heute den Namen „Bruno“ trägt. In verschiedenen Kategorien werden alljährlich Persönlichkeiten, Sportler, Mannschaften und besondere Aktionen geehrt. Bei der Bruno-Gala 2019 in Wien waren gleich zwei aktuelle Eintracht-Angestellte dabei. Trainer Adi Hütter erhielt den Ehrenpreis für außergewöhnliche Leistungen, Verteidiger Martin Hinteregger wurde zum „Legionär der Saison“ gekürt. Wahlberechtigt sind traditionell alle Spieler der österreichischen Profiligen sowie die Nationalspieler.

An Bruno Pezzey erinnert eben viel mehr als das schlichte Reihengrab auf dem Friedhof Innsbruck-Arzl. Dort, zehn Meter links von der Friedhofskapelle, steht auf seinem Grabstein „Geliebt und unvergessen“. Was auch für Frankfurt gilt. Karl-Heinz Körbel, der sich fünf Jahre lang auf Reisen ein Zimmer mit dem Bruno geteilt hatte, sagte mal in einem Interview: „Der Bruno wird immer im Herzen der Eintracht bleiben.“

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