Co-Trainer Armin Reutershahn spricht über seine Rolle als Familienvater in Coronazeiten, die Bedeutung des Fußballs sowie die Auswirkungen der Krise auf sich und sein Umfeld.

Armin Reutershahn
Macht genau deutlich, wo seiner Meinung nach in der aktuellen Situation die Prioritäten zu setzen sind: Co-Trainer Armin Reutershahn.

An diesem Donnerstag hat sich Armin Reutershahn (60) den Fragen der Medienvertreter im Rahmen einer telefonischen Presserunde gestellt. Dabei machte er durchaus deutlich, welche gesellschaftliche Verantwortung der Fußball besitzt und dass er sich in diesen Zeiten sehr viel Gedanken um die Zukunft macht – nicht nur um bei der schönsten Nebensache der Welt, sondern allgemein. Der gebürtige Duisburger berichtet dabei aus seinem nächsten Umfeld, in dem er viele Beispiele kennt, bei denen es um Existenzen geht. Außerdem ist er zuhause aktuell als Lehrer gefragt.  

Armin Reutershahn über…

…seine Rolle als Vater in Coronazeiten: Einer meiner Söhne ist jetzt in der fünften Klasse und bekommt von der Schule jede Menge Aufgaben, die sie zu erledigen haben. Da geht es um die Nordseeverschmutzung, Froschfleisch und Primzahlen. Viele Fragen sind offen, die ich gerne beantworte und noch beantworten kann (lacht)

…die aktuell schwierige Situation: Der Fußball fehlt uns natürlich. Ich bin mit dem Fußball verbunden, seit ich sechs Jahre alt bin. Mitten aus der Saison gerissen zu werden, ist schwierig für den Kopf. Ich hoffe, dass alles wieder in die alten Bahnen gelenkt wird. Aber wir müssen Geduld haben.

…die Coronakrise und die Auswirkungen auf den Fußball: Vielleicht wird sich bei Gehältern, Einnahmen und Ausgaben etwas ändern. Aber das betrifft nicht nur den Fußball, sondern das ganze Leben. Ich habe viel Kontakt zu Menschen, die sich gerade im Leben neu orientiert haben. Ich sehe es an einem meiner Söhne, der gerade in der Probezeit ist. Man weiß nicht genau, wie es weitergeht. Denn darüber muss sich jeder bewusst sein: die Situation ist dramatisch. Jetzt geht es ums nackte Überleben. Kann ich meinen Job behalten, sind meine Eltern gesund? Außerdem wird sich in dieser Krise zeigen, was ich mit mir anfangen kann und wie ich mich mit meinen Kinder beschäftigen kann. Die Familien werden enger zusammenrücken. Vielleicht schärft das das Bewusstsein.

„Erstes Training am 5. April“

…die Rolle des Fußballs: Die Entwicklung des Fußballs in den vergangenen Jahren ist exorbitant. Das Interesse der Zuschauer und der Medien, die Emotionen und die Leidenschaft, der Ausbau der Stadien, der Frauenanteil bei den Fans, die Gespräche über Fußball in allen Altersklassen – all das hat zugenommen, und Letzteres beobachte ich schon, wenn ich meinen Sohn zur Schule bringe. Das ist nicht nur in Frankfurt so. Der Fußball leistet einen riesigen gesellschaftlichen Beitrag, er wird immer ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens sein.

…seinen Fußballkonsum: Ich gucke mir unsere Spiele nochmal im Scoutingtool an, lese viel und schaue in Bücher und DVDs, um mich inspirieren zu lassen. Die Zeit hast du im Tagesgeschäft gar nicht.

…Kontakt zu Cheftrainer Adi Hütter: Mit ihm und Bruno Hübner bin ich ständig im Austausch. Adi und ich telefonieren jeden Tag und sprechen über die Entscheidungen der DFL, aber natürlich auch gesellschaftliche Veränderungen und die familiäre Situation.

…den weiteren Saisonverlauf: Wir halten uns an die Fakten und die DFL-Beschlüsse. Am 5. April steigen wir wieder ins Training ein. Dann hoffen wir, dass wir Anfang Mai wieder spielen können.

„Konditionell und athletisch verlieren wir nichts“

…die Vorbereitung auf die verbleibenden Spiele: Wir hätten nach aktuellem Stand vier Wochen Zeit bis zur ersten Partie. Konditionell und athletisch verlieren wir aktuell nichts, wir können sofort im taktischen Bereich gewinnen. Vom zeitlichen Rahmen her ist es wie eine Vorbereitung auf die Rückrunde, jetzt eben nur auf eine halbe Rückrunde.

…die Spieler, die zuletzt ausgefallen waren: Lucas Torró ist schon länger wieder dabei, Bas Dost macht fast alles mit, Gelson Fernandes ist wieder gut dabei. Der einzige, auf den wir noch länger verzichten müssen, ist Marco Russ.

…ein sportliches Zwischenfazit: Wir sind noch in drei Wettbewerben dabei. Solange ich die Eintracht verfolge, war das noch nie der Fall [Anm. d. Redaktion: seit der Bundesliga-Gründung war die Eintracht noch nie im März in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in einem internationalen Wettbewerb vertreten]. Darauf können wir stolz sein. Die Niederlage gegen Basel hat wehgetan, und in der Bundesliga haben wir einige Wellen erlebt. Wir würden uns freuen, wenn wir ein bisschen weiter oben stehen würden. Insgesamt ist es eine sehr ordentliche Saison. Wir müssen aber so schnell wie möglich noch Punkte holen, man muss immer wach sein.

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