Nach dem siebten Bundesligaremis liegt die Eintracht auf Platz sieben. Magische Ziffern, hinter denen aber vor allem harte Arbeit steckt.

Seit der Saison 1995/96 findet im deutschen Fußball die Drei-Punkte-Regel Anwendung, um dem (Mut zum) Sieg eine höhere Wertigkeit zu verleihen. Angesichts der jüngsten Frankfurter Unentschiedenserie wünscht sich manch ein Traditionalist sicher die alte Punktevergabe zurück. Dabei ist die Remis-Reihe im Gesamtkontext nicht hoch genug einzuordnen. Nach dem 2:2 bei Werder Bremen Ende Januar standen den Adlern in Februar nämlich ausnahmslos Mannschaften aus den Top Four gegenüber – national wie auf europäischer Ebene. Derartige Gegner sind gemeinhin als Spitzenteams bekannt.

Zur dieser Kategorie zählte am Sonntag zweifelsohne auch Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen waren als Tabellendritter und mit der Referenz von zehn Spielen ohne Gegentor in den von Sonne durchströmten Stadtwald gereist. Und nicht zuletzt im Gegensatz zur Charkiw-Reisegruppe mit einer spielfreien Woche im Rücken. „Wir haben gespürt, dass uns etwas die Frische gefehlt hat“, wusste Fredi Bobic hinterher so manche vertändelte Offensivaktion einzuordnen, wenngleich sich der Sportvorstand und Ex-Stürmer natürlich „ein dreckiges 1:0 gewünscht“ hätte. Welches Statistikfreunde aber schon zur Pause ins Reich der Fabeln verwiesen hätten.

Personalpuzzle in der Zentrale

Die zum Zeitpunkt kurz vor dem Pausenpfiff nicht unbedingt dem Spielverlauf entsprochene 1:0-Führung war nämlich bereits die 49. einer Eintracht-Elf gegen Mönchengladbach. In der Vergangenheit hatte die Adler danach noch 19 Mal Federn gelassen. Gestern kurz vor Schluss zum 20. Mal. Dass der Ausgleich ausgerechnet unmittelbar nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Gelson Fernandes fiel, kann Zufall sein. Doch einen Zusammenhang herzustellen liegt angesichts der Entstehung durchs Zentrum nahe. „Gelson Fernandes musste heute aufgrund einer muskulären Verletzung raus. Wie lange er ausfallen wird, können wir noch nicht sagen. Auch bei Sebastian Rode habe ich meine Zweifel, ob es bis Donnerstag reicht“, steht Cheftrainer Adi Hütter in der nächsten Englischen Woche vor einem kleinen Personalpuzzle. Immerhin schienen sich die beiden Pferdelungen gerade auf der Doppelsechs etabliert zu haben.

Auf der anderen Seite bewies nicht erst der Vergleich mit den Rheinländern, dass es in einem gewissen Rahmen an Backups nicht mangelt. Martin Hinteregger stopft seit Wochen fast nahtlos die hinterlassene Lücke von David Abraham und anstelle Rodes kehrte der in der Hinrunde gesetzte Jonathan de Guzman ins Zentrum zurück. Der Kanadier fungierte prompt als Antriebsfeder, hatte die meisten Ballkontakte seines Teams (68), brachte die meisten Pässe an den Mann (38) – zugegeben auch die meisten nicht (8) – und spulte mit 11,99 Kilometern die größte Laufstrecke unter seinen Kollegen ab. Nicht zuletzt servierte der 31-Jährige zum besagten 1:0 durch Danny Da Costa, das eine weitere kurzfristige Entwicklung fortsetzt. Immerhin war er mit dem Spiel bei Shakhtar Donetsk der dritte Torschütze in Folge, der nicht der lange alleinunterhaltenden Sturmreihe angehört. „So oft wie in dieser Saison habe ich noch nie getroffen, nicht mal in der Jugend. Ich bin stolz, so der Mannschaft helfen zu können“, frohlockte der Dauerbrenner nach seinem vierten Treffer in diesem Spieljahr.

Optionen im Sturm

Aus dem Angriffstrio, das zuletzt ein Duo war, könnte in absehbarer Zeit ein Quartett werden. Mittelstürmer Goncalo Paciencia, der sich nach seinem Premierentreffer im August in Ulm schwer verletzt hatte, feierte in den Schlussminuten sein Comeback und Bundesligadebüt zugleich und erweitert perspektivisch unweigerlich die Optionen für Adi Hütter. Der lenkt nach dem stabilen Auftritt gegen die Elf vom Niederrhein den Fokus auf das Rückspiel in der UEFA Europa League: „Nun konzentrieren wir uns wieder voll auf Donnerstag und unser Ziel, in der Europa League eine Runde weiterzukommen.“ Der Österreicher selbst weiß aus eigener Erfahrung mit Young Boys Bern, dass in der K.o.-Runde gar ein weiteres Unentschieden genügen kann. Darauf verlassen möchte sich aber keiner. Auch wenn die Eintracht trotz des zurückliegenden Hammerprogramms erstmals seit 15 Jahren in den ersten vier Partien einer Bundesligarückrunde ungeschlagen geblieben ist, sind vier von 21 möglichen Punkten gegen die ersten Vier doch überschaubar. Weswegen Da Costa wissen ließ: „Vier Remis in Folge gegen diese Gegner sind nicht schlecht, aber das nächste Spiel müssen wir wieder drei Zähler holen.“ Zumal die Kragenweite an Kontrahenten dann wieder etwas kleiner wird und damit nicht plötzlich aus sechs Spielen ohne Niederlage sechs ohne Sieg werden.

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