Am kommenden Freitag wird feierlich Abschied vom traditionsreichen Eintracht-Shop in der Bethmannstraße in Frankfurt genommen.

Ende April 1975 eröffnete Bernd Nickel in der Bethmannstraße 15 seinen Eintracht-Shop.
Ende April 1975 eröffnete Bernd Nickel in der Bethmannstraße 15 seinen Eintracht-Shop.

Wenn am Freitag, 12. Januar, der Eintracht-Shop in der Bethmannstraße zum letzten Mal seine Türen öffnet, endet damit ein Stück Frankfurter Fußballgeschichte. Am letzten Öffnungstag gibt es für Fans ab 10 Uhr noch mal tolle Angebote: 20% Rabatt auf das Merchandising-Sortiment und letzte Tickets für das Heimspiel gegen den SC Freiburg zum halben Preis. Und ab 17 Uhr wird es dann so richtig nostalgisch.

Ende April 1975 eröffnete Bernd Nickel in der Bethmannstraße 15 seinen Eintracht-Shop. Ein Geschäft, in dem es nur Fanartikel zu kaufen gab, was damals in Deutschland einzigartig war. So entwickelte sich der Eintracht-Shop schnell zu einem Anlaufpunkt für Fans aus der ganzen Welt. Hier kaufte man seine Eintrittskarten für die Spiele ("Sitzplätze Bayern ausverkauft, gibt nur noch Stehplätze"), die neuesten Schals aus England ("von 'Admiral' aus Seide, mit farbigem Mannschaftsbild") oder einfach nur den beliebten Streifen-Aufkleber "Nicht hupen - Fahrer träumt von Eintracht Frankfurt". Gästefans staunten über das Angebot in Frankfurt und schauten vor den Spielen in der Bethmannstraße vorbei. Wenn sich auswärtige Fangruppen mal daneben benahmen, wurden diese in der Stadionzeitung der Eintracht danach streng verwarnt. Kritisch beäugt wurden auf diese Weise die Berliner "Frösche, die in dem Laden wüteten und die Regale durcheinanderschmissen" (1975) oder Nürnberger Fans, die "im Eintracht-Shop Fanartikel und Eintrittskarten plünderten" (1981). Aber eigentlich blieb es im Eintracht-Shop immer friedlich. Manchmal kamen ganze Mannschaften in den Laden, so zum Beispiel 1984, als Dundee United auf dem Rückflug vom Europapokalspiel in Wien in Frankfurt Zwischenstation machte. Die Truppe fuhr kurzerhand vom Flughafen zum Eintracht-Shop und deckte sich mit "Fanartikeln deutscher Spitzenmannschaften" (O-Ton Eintracht-Zeitung, wir vermuten Wimpel der SGE) ein.

In den 1980er Jahren konnten die Fans im Eintracht-Shop, der mittlerweile von Willi Schuster betrieben wurde, sogar ihre Lottoscheine abgeben. Mit ein wenig Glück konnte man ein "matchworn"-Trikot erstehen, das in den 1980er Jahren so noch nicht hieß, und der kleine Laden mit dem großen Angebot platzte vor wichtigen Spielen regelmäßig aus allen Nähten.

Ende 1995 übergab der unvergessene Willi Schuster den Eintracht-Shop an die neuen Besitzer Joachim Garthe und Joachim Pflug. Die beiden Eintrachtfans, die selbst als Mitglieder des EFC Nied oft genug im Shop eingekauft hatten, waren als Inhaber eines Reisebüros und Organisatoren von Europapokalreisen der 1990er Jahre längst bekannt in der Frankfurter Fanszene.

1997 zog der Shop einige Häuser weiter, im März wurde in der Bethmannstraße 19 in größeren Räumlichkeiten die Neueröffnung des Eintracht-Shops gefeiert. Warum die neuen Inhaber des Eintracht-Shops die Cheerleader der Galaxy zur Eröffnung eingeladen haben, können wir uns nicht erklären, passender war der Gewinner des Hauptpreises der Eröffnungstombola: Eintracht-Urgestein und Gelegenheits-Stripper Manfred "Adi" Adelmann, von dem man im neuen Fanshop sogar "Ole-Super-Adelmann-Schals" kaufen konnte, räumte den Reisegutschein ab.

Im neuen Eintracht-Shop erlebten die Fans das Auf- und Ab der Endneunziger bei der Eintracht, hinter der Scheibe am Ticketschalter stand nicht selten einer der Anstimmer der Frankfurter Fanszene. Und hatte man vergessen, sich ein Ticket für ein wichtiges Spiel zu sichern, musste man im Hinterzimmer beim strengen Herrn Hornung nachfragen. Kurz: Der Eintracht-Shop war ein Treffpunkt der Frankfurter Fanszene. Hier ging man glücklich raus, wenn man eines der letzten Tickets für das Saisonfinale 1999 erstanden hatte. Hier gab es aber auch bittere Enttäuschungen - etwa als bereits nach wenigen Minuten verkündet wurde, dass der Fanflieger nach Baku 2013 ausverkauft sei.

Am Freitag öffnet der Eintracht-Shop in der Bethmannstraße 19 nun zum letzten Mal. Ab 17 Uhr feiern wir mit ehemaligen Mitarbeitern, Kunden und Überraschungsgästen noch mal kräftig, bevor sich die schwere alte Tür zum letzten Mal schließt. Alle Fans sind für 17 Uhr herzlich eingeladen, mit uns in Erinnerungen zu schwelgen. Bringt doch einfach eure schönste Eintracht-Shop-Geschichte oder eure tollsten hier gekauften Fanartikel gerne mit. Für Snacks und Schobbe ist gesorgt.

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