Der Weltmeister spricht über seinen explosiven Werdegang, eine überlebte Todesgruppe und den 18-fachen Higuain. Eine Zeitreise.

2013 ging alles ganz schnell. Von Jürgen Klopp seinerzeit von der zweiten Mannschaft Borussia Dortmunds zu den Profis des Vizemeisters befördert erfolgt am 10. August das Bundesligadebüt, am 1. Oktober die Champions-League-Premiere, am 13. Juli 2014 ist Erik Durm Weltmeister! Bis heute stehen 19 Europapokalpartien zu Buche.

Null gehalten, Führung vorbereitet, Einstand nach Maß

Die internationale Karriereexplosion erfolgt – vergleichbar mit der zurückliegenden Saison der Eintracht – gegen Olympique Marseille am 1. Oktober 2013. Wenige Wochen zuvor erst vom Mittelstürmer zum Außenverteidiger umgeschult bekommt es der damalige Newcomer gleich bei seiner Premiere auf der für einen Rechtsfuß ungewohnten linken Defensivseite mit dem späteren Europameister Dimitry Payet zu tun. Der Einstand verläuft mehr als glatt. Beim 3:0 wahrt Durm im Borussen-Verbund die weiße Weste, vorne liefert der damals 21-Jährige den Assist zum wichtigen Führungstreffer durch Marco Reus. „Ein schönes Gefühl, gleich zuhause als Mannschaft zu Null gewonnen zu haben“, erinnert sich der Neuzugang an die ersten drei Punkte nach dem 1:2 zum Auftakt in Neapel.

Der 18-fache Higuain

Am 18. September 2013 war Durm zwar nicht zum Einsatz gekommen, vergessen wird er das Stadio San Paolo aber dennoch nicht. Nicht weil er bald neben dem Rasen in prominenter Gesellschaft war – Mats Hummels verletzt raus, Roman Weidenfeller mit Rot bedacht – sondern vor allem wegen der hochkochenden Atmosphäre am Fuße des Vesuvs. „Higuain trifft zum 1:0 und das ganze Stadion ruft 18 Mal seinen Namen“, verlässt der Jungprofi beeindruckt die Kulisse. „Das vergisst keiner, erst recht nicht in seinem ersten Jahr!“

Herzschlagfinale in der Hafenstadt

Es folgen die knappen Kräftemessen mit dem FC Arsenal (1:2, 1:0) und die 3:1-Revanche gegen Napoli, sodass am letzten Spieltag beim abgeschlagenen Tabellenletzten Olympique Marseille zwischen Platz eins und drei alles möglich ist. Weil die Italiener die Gunners zuhause 2:1 bezwingen, steht der BVB am 11. Dezember 2013 beim Stand von 1:1 mit zehn Zählern vor dem Abstieg in die Europa League, ehe Kevin Großkreutz in der 87. Minute zum 2:1-Sieg einnetzt, wodurch die Westfalen aufgrund der besseren Tordifferenz sogar als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen. „Für mein erstes Jahr ganz schön viele Highlights“, meint der Vorlagengeber zum 1:0.

Bittersüßer Sieg gegen Real

Anschließend stürmen die Schwarz-Gelben bis ins Viertelfinale der Königklasse, wo die Königlichen von Real Madrid warten. Im Bernabeu das böse Erwachen, als der Vorjahresfinalist mit einer 0:3-Niederlage nach Dortmund zurückkehrt. „Real dachte wohl nach dem Hinspiel, sie wären durch“, kommt Durm auf das ambivalenteste  Erlebnis seiner Karriere zu sprechen. In der ersten Halbzeit des Rückspiels am 8. April 2014 führt Dortmund gegen das weiße Ballett durch zwei Treffer von Marco Reus 2:0. „Dann geht Henrikh Mkhitaryan am Torwart vorbei und trifft aus einem Meter den Pfosten“, sieht Durm die Bilder an sich vorbeiziehen, als wären sie erst gestern entstanden. Trotz des Ausscheidens gewinnt der 27-Jährige den Erfahrungen rückblickend Positives ab: „Damals in Dortmund wie zuletzt in Frankfurt hat man gesehen, zu was eine Mannschaft mit der Unterstützung der Zuschauer im Rücken imstande sein kann.“

Flitzer-Festival

In jenen Vergleichen bekommt es Durm gleich mit mehreren Raketen zu tun: „Ángel Di María, Gareth Bale war vor der Saison nach Madrid gewechselt, Cristiano Ronaldo ist kurz auf meiner Seite aufgetaucht…“ Vor allem der Argentinier hat bleibenden Eindruck hinterlassen: „Schnell, dribbelstark, geht oft ins Eins-gegen-eins, er kann am Ball fast alles!“ Wobei der Waliser dem kaum in etwas nachstünde. Dabei kam es dem Rechtsfuß auch nur bedingt entgegen, es mit invers agierenden Flügelstürmern aufnehmen zu müssen. „Die Schwierigkeit ist, wenn man darauf spekuliert, dass sie nach innen ziehen, und die Innenbahn zumacht, dass sie dann außen vorbei gehen.“ Solche Erfahrungswerte können der Eintracht nur gut zu Gesicht stehen.

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