Der ehemalige Eintracht-Verteidiger Christoph Spycher spricht über die Corona-Auswirkungen in der Schweiz und wie sie bei seinem jetzigen Verein BSC Young Boys damit umgehen.

Christoph Spycher
Fünf Jahre Eintracht, heute Sportchef in Bern: Christoph Spycher.

Christoph, Sie sind Sportchef bei den BSC Young Boys in Bern. Wie ist die Lage dort im Vergleich zum Rest der Schweiz?
Es gibt Gebiete in der Schweiz, die es bislang mehr erwischt hat. Richtung italienische Grenze haben wir natürlich mehr Fälle. Aber natürlich sind wir auch in Bern nicht verschont geblieben, wir liegen im Schweizer Schnitt würde ich sagen. Ansonsten gibt es Verhaltensregeln für die Bürger, an die ich mich natürlich halte. Insgesamt beobachte ich die Ausbreitung des Virus mit großer Sorge.

Wie gehen Sie mit der Situation um?
Es ist eine sehr spezielle Situation, die es in dieser Form noch nie gab. Natürlich rückt vieles in den Hintergrund, das Virus beschäftigt jede Branche und das Leben in allen Bereichen. Auch der Fußball ist zweitrangig, auch wenn es unsere größte Leidenschaft ist. Dennoch: Es ist hart für unseren Betrieb. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass wir ein Teil der Gesellschaft sind und es andere viel härter trifft.

„Zuschauereinnahmen spielen größere Rolle“

In Ihrer Mannschaft hat es bis zu unserem Telefonat offiziell noch keinen Fall gegeben. Sie haben die Verhaltensregeln angesprochen. Wie läuft also der Sportbetrieb bei YB?
Wir spielen ja schon länger nicht mehr im Ligabetrieb und hatten zunächst noch Freundschaftsspiele absolviert. Nachdem auch das Mannschaftstraining tabu war, haben wir den Spielern erstmal Zeit gegeben, um alles sacken zu lassen. Das war nötig. Wir haben in dieser Woche angefangen, Trainingspläne an die Spieler zu verteilen, die sie individuell abarbeiten sollen. Jeder hat ein Fahrrad zuhause, auch Laufen steht auf dem Programm.

Wie ist der Stand seitens der Schweizer Liga, wann der Ball wieder rollen könnte?
Die Hoffnung ist, Anfang Mai wieder spielen zu können. Aber natürlich steht die Gesundheit im Vordergrund und die Entwicklung der Infektionsraten wird genau beobachtet.

Stehen auch Spiele ohne Zuschauer im Raum?
Nachdem einige Vereine sich mit unterschiedlichen Meinungen dazu geäußert haben, haben wir entschieden, dass wir uns erstmal nicht mehr einzeln dazu positionieren und mit einer Stimme sprechen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Fakt ist, dass die Zuschauereinnahmen in der Schweiz eine größere Rolle spielen als in Deutschland. Das ist aber kein Wunschkonzert, von daher müssen wir die Entwicklung abwarten und dann gemeinsam die beste Lösung finden.

„Wir haben bereits Kurzarbeit“

Wie ist der Kontakt zu den Spielern und was haben Sie Ihnen mitgegeben?
Wir versuchen, mit ihnen viel zu kommunizieren und zu helfen, wo es nur geht. Die Anlaufstellen sind klar geregelt, wen sie bei welchen Problemen oder Fragen ansprechen. Wir sind immer für die Spieler da. Alle bleiben in der Schweiz und sind angehalten, keine öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und so wenig wie möglich zu reisen.

Wie hat sich für Sie die Arbeit in den vergangenen Wochen verändert?
Wir haben für unsere Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt, die bereits bewilligt wurde. Diese Möglichkeit ist nicht nur für uns wichtig, sondern für viele Profivereine in der Schweiz. Der Austausch in unseren Gremien findet über Telefonkonferenzen und Videoanrufe statt. Als Verein sind wir auch gefordert und versuchen, unseren Beitrag zu leisten. Die Spieler haben sich mit Videobotschaften für die Einhaltung der Verhaltensregeln stark gemacht. Für unsere jüngsten Fans haben wir die Möglichkeit geschaffen, online ein eigenes YB-Fanbuch zu gestalten und damit die Zeit ohne Kindergarten oder Schule zu überbrücken. Ansonsten ist es ein spezielles Gefühl, mit dem man in diesen Tagen jeden Morgen aufwacht.

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