Kultur, Architektur, Infrastruktur: Straßburg beweist auf vielen Feldern „europäische Weltklasse“, um es mit einem ehemaligen Eintracht-Coach zu halten. Schon Goethe hatte eine Meinung dazu.

Auch sonst liegt eine namentliche Parallele mit der Mainmetropole nahe: Das Europaviertel. In Frankfurt derzeit im Kommen, in Straßburg 1960 errichtet und mittlerweile politische und juristische Hochburg. Die siebtgrößte Stadt Frankreichs beheimatet nämlich das Europaparlament, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sowie den Europarat. Vom Stadtzentrum aus am einfachsten mit der Tram innerhalb von 15 Minuten zu erreichen.

Eine Ecke länger ist die Geschichte der zwischen der romanischen und germanischen Welt gelegenen Stadt: rund 2000 Jahre! Beispielhaft für den Erhalt alter Werte steht das 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte historische Stadtzentrum, auch unter „Grande-Île“ bekannt. Dort wimmelt es vor mittelalterlichen Kirchen, wie dem Palais Rohan, dem Fachwerkhaus Maison Kammerzell, dem historischen Museum oder vielen weiteren Renaissancebauten. Zu empfehlen seien sämtliche Besichtigungstouren zu Fuß, längere Routen auch mit dem Fahrrad. Das Radwegenetz der Eurométropole ist über 500 Kilometer lang. Leihräder sind an den zahlreichen Vélhop-Stationen zu erwerben.

Gerben und Nehmen

Wer dennoch eine Weile die Füße hochlegen und gleichzeitig nahezu alle Sehenswürdigkeiten betrachten will, dem sei eine, wenngleich touristisch angehauchte, Bootstour über die Ill empfohlen. Der Zufluss des Rheins wartet gleichzeitig mit einem fast malerischen Ufer, neckischen Fachwerkhäusern und kleinen Grünflächen auf. Ein paar herzhafte Macarons für den Weg und einem entspannten Nachmittag steht nichts im Wege!

Generell hat das La Petite France, durch das die Ill auch verläuft, einige nette Restaurants, Cafés und auch Geschäfte zu bieten. Seinen düsteren Ruf ist das einstige Gerberviertel erfolgreich losgeworden. Auf der anderen Seite lassen sich die Gastronomen in Straßburg ihre Leckereien auch verhältnismäßig viel kosten. Insbesondere das Choucroute garnie, ein Sauerkrautgericht mit Würsten und Kartoffeln, und der traditionelle Elsässer Flammkuchen zählen dennoch zum kulinarischen Pflichtprogramm.

Auf Goethes Spuren

Mit 4,20 Euro hält sich auch beim finalen Highlight das Preis-Leistungs-Verhältnis die Waage. Angefangen beim Straßburger Münster, das noch weit im Umland sichtbar ist und deshalb nicht nur als Wahrzeichen Straßburgs, sondern des kompletten Elsass. Die Kathedrale zählt zu den bedeutendsten der europäischen Architekturgeschichte. Den sprichwörtlichen Höhepunkt bildet die eingangs angeschnittene Turmplattform in 66 Metern Höhe. Dafür müssen Besucher zwar 332 Stufen überwinden und einiges an Schwindelfreiheit mitbringen, doch den Ausblick ist es wert – selbst Johann Wolfgang von Goethe hatte sich einst diesem Kraftakt gestellt und seinen Erlebnisbericht mit den Worten beschlossen: „Es ist gut!“ Nach dem Dichter und Sohn der Stadt ist es am Donnerstag an den Fußballprofis, Widerstände zu überwinden – wenn auch sportlicher Natur.

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