Am Donnerstag steht für die Eintracht das nächste Europaabenteuer auf dem Plan. Anlass genug, vom jüngsten Reisekuriosum zu berichten.

Präsident Peter Fischer mit den "geretteten" Stella, Thilo und Max.
Präsident Peter Fischer mit den "geretteten" Stella, Thilo und Max.

Fußball ist ein einfaches Spiel: Ein Ball, zwei Tore, wer öfter in eines von beiden trifft, gewinnt. Mit derlei Planbarkeit kann das Leben abseits 90-minütigen Treibens auf dem grünen Rechteck selten dienen. Auf eine Konstante ist dennoch bei Wind und Wetter Verlass: auf die Eintracht-Familie, viel beschworen, vor knapp einem Monat in der fernen Ost-Ukraine wieder rührend in der Praxis zu bewundern.

Auch wenn am Donnerstag, 14. Februar, die Fußballprofis ihr Hinspiel bei Shakhtar Donetsk in Charkiw bestritten haben, ist ausnahmsweise nicht die Rede von den elektrisierenden Europapokalabenden, jedenfalls nicht in unmittelbarer Weise.

Am Tag nach dem 2:2 der Hessen im Metalist Stadium ging für Mannschaft sowie für viele der zahlreichen mitgereisten Anhängern die Reise zurück in die über 2.300 Kilometer entfernte Heimat. So auch für Stella Kovtun, ihren Freund Thilo und Bruder Max, deren Plan felsenfest stand: Europa League, Eintracht, Punktgewinn im Gepäck und am Freitagabend zur Geburtstagsfeier Thilos zuhause sein.

Mit dem Mute der Verzweiflung

Ein fast zu glattes Szenario, um pannenfrei zu bleiben, wie sich bald herausstellen sollte: Die Verbindung über Kiew nach Frankfurt verpasst, den Ersatzflieger in höchster Hektik für das falsche Datum gebucht. „Fast 600 Euro in den Sand gesetzt und immer noch keine Möglichkeit, nach Hause zu kommen“, schildert Stella das Dilemma. Mit einer Mischung aus Hoffnung und Trotz machten sich die Pechadler dennoch Richtung Flughafen von Charkiw auf. Als die Hoffnung, zeitnah zurück, geschweige denn rechtzeitig zum 30. Geburtstag Thilos zu gelangen, fast völlig geschwunden war, nahm das Schicksal eine unverhoffte Wendung. Erblickt hatten sie nämlich den Eintracht-Tross, der sich gerade beim Check-in für den eigenen Charterflug befand. Darunter auch, nicht zu übersehen, Peter Fischer. Mit dem Mute der Verzweiflung ging Max auf den Präsidenten zu und erklärte ihm die Notlage der drei glühenden Eintrachtfans. „Anstatt uns wegzuschicken, nahm er sich unser an und sagte: ‚Wir sind eine Familie. Ihr seid extra in die Ukraine gereist, um uns zu unterstützen. Wir werden zusehen, dass wir euch heute wieder nach Hause bekommen‘“, berichtet Stella noch heute mit leuchtenden Augen von jener filmreifen Szene.

Peter Fischer schritt zur Tat, besprach sich mit dem Verantwortlichen des Charterflugs und eine Stunde später befanden sich die drei gemeinsam mit den Eintracht-Profis in der Luft. „Wenn ich im Rahmen meiner Möglichkeiten anderen Menschen helfen kann, mache ich das, weil sich das einfach so gehört“, begründet Fischer rückblickend die denkwürdige Aktion und bekräftigt in diesem Zusammenhang: „Wir sind mehr als ein gewöhnlicher Verein, wir sind eine Familie.“

Was zur Folge hatte, dass am Abend auch die leibliche Familie Kovtun mit nur zehn Minuten später als geplant die Geburtstagsfeier steigen ließ. Mit einer passablen Ausgangssituation und einer Story für die Ewigkeit im Gepäck, zumal der Verein die spontane Buchung nicht in Rechnung stellte. „Diese Geste ging an jenem Freitag weit übers Sportliche hinaus und wir haben so eine unfassbare individuelle Wertschätzung als Fans erhalten, das ist kaum in Worte zu fassen“, kommt Stella aus dem Schwärmen nicht heraus. „Wir sind alle drei treue Eintrachtfans, aber dieses Erlebnis hat unser Fanverständnis nochmals fundamental verändert.“

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