Für viele ist der FC Vaduz unbekannt. Doch für einen Eintrachtler ist die Partie etwas ganz Besonderes: Oliver Beck ist das einzige Mitglied im ganzen Fürstentum.

Angefangen hat alles in einem Hotelzimmer in Tunesien. Der 25. Juni 1989 bleibt ihm immer in Erinnerung. Zusammen mit seinem Vater, der damals schon Fan der SGE ist, sitzt der damals acht Jahre alte Oliver vor dem Fernseher. Die Eintracht aus Frankfurt bleibt zu dieser Zeit trotz einer Niederlage im Relegationsrückspiel gegen Saarbrücken der Bundesliga erhalten. „Dieses Spiel hat mich gefesselt. Ich war davon überzeugt, dass die Eintracht etwas Besonderes ist“, so der heute 38-Jährige. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich Stück für Stück eine Geschichte, die Oliver Beck und seine Adler verbindet.

Fanliebe

Der in Singapur geborene Oliver Beck darf sich seit 2007 Mitglied der Eintracht nennen. Er lebt zusammen mit seiner Freundin Katharina in Vaduz, dem Hauptort von Liechtenstein, und arbeitet dort als Journalist für regionale Themen. Im Zuge des Gastspiels der Eintracht in Vaduz schrieb er unter anderem auch Artikel über die Fanszene in Frankfurt und deren Unterstützung bei Auswärtsspielen.

In früheren Jahren verfolgte er die Spiele seines Klubs vom Main in einer Stammkneipe in Schaan. Er erzählt vom Spiel gegen Reutlingen in der zweiten Liga, als es um den Aufstieg in die Bundesliga ging. „Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben und wollte zehn Minuten vor Abpfiff nach Hause gehen, bis mein Kumpel zu mir sagte: ‚Hey bleib noch, hier geht noch was!‘ Er hatte Recht, die Eintracht schoss noch drei Tore und stieg auf“, erzählt Oliver. Mittlerweile schaut der Liechtensteiner die Spiele im Fernsehen oder über eine App auf dem Smartphone. Natürlich zählt auch der Gang ins Stadion für ihn dazu. „Die Atmosphäre dort ist Wahnsinn.“ Mit seinem Vater und seiner Freundin durfte er auch schon bei etlichen Heimspielen live im Stadion mitfiebern.

Ansteckungsgefahr

Seine Arbeitskollegen hat er ebenfalls mit dem Eintracht-Virus infiziert. „Ich wurde noch nie so oft auf die Eintracht und die Europa League angesprochen wie in den letzten zwei Jahren.“ Adi Hütter habe durch seine Heimat Österreich in Liechtenstein eine große Strahlkraft, erzählt er und ergänzt: „Es macht mich stolz, dass eine Person, die aus unserer Region kommt, bei meinem Verein eine so verantwortungsvolle Position innehat.“

Auch Freundin Katharina, eigentlich Anhängerin des FC St. Pauli, ist ein wenig zur Adleranhängerin geworden. „Durch mich interessierte sie sich immer mehr für den Verein. Sie drückt der Eintracht auch die Daumen, weil sie weiß, dass ich bei einer Niederlage schlecht gelaunt sein kann.“ Vom Vater der Freundin und ihren Brüdern – allesamt ebenfalls Pauli-Fans – muss er sich ab und an einen lustigen Spruch anhören. „Das stört mich nicht, ich nehme es mit Humor“, berichtet er lachend.

Pokalwunder und doppeltes Heimspiel

Auf die Frage, welcher sein schönster Moment mit seiner SGE sei, musste er nicht lange überlegen. „Das Großartigste, das ich mit der Eintracht bisher erleben durfte, war der Sieg des DFB-Pokal-Finales gegen den FC Bayern München.“ Seit Oliver Mitglied ist, hat er sich schon immer einen Titel für seine Adler gewünscht.

Nie vergessen wird er das Europa-League-Qualifikationsspiel in seiner Heimat. „Die Chance, die Eintracht in Vaduz zu sehen, war so gering. Nach der Auslosung habe ich mich riesig gefreut.“ Freuen würde er sich außerdem, wenn die SGE es in Zukunft auch mal in die UEFA Champions League schaffen und sich langfristig im oberen Drittel der Bundesliga etablieren würde. Doch nun wartet erst einmal das Rückspiel in Frankfurt – wem er die Daumen drückt ist dem Liechtensteiner Eintrachtler dabei klar: „Definitiv meiner Eintracht.“

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