Tag drei der Spurensuche in Theresienstadt führt die Reisegruppe in die Kleine Festung.

Die 1780 bis 1790 erbaute Festungsanlage diente den Nationalsozialisten ab 1940 als Gestapo-Gefängnis. Verwaltet wurde die kleine Festung von der Gestapo-Dienststelle in Prag. Bis Kriegsende wurden hier rund 32.000 Menschen inhaftiert, von denen etwa 8000 in andere Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. Über 2500 Menschen starben im Lager durch Folter, Krankheit, Arbeitseinsätze und Mangelernährung, 250 Menschen wurden hingerichtet. Begleitet von Guide Pavel startete ein bedrückender Rundgang durch Zellen, Gefängnishöfe und Festungsanlagen. Am Nachmittag ging es weiter ins Ghetto-Museum und dem Museum Magdeburger Kaserne, in dem unter anderem von Häftlingen geschaffene Kunstwerke ausgestellt sind. Einige Teilnehmer erhaschten über Bauzäune hinweg einen Blick in die aus Sicherheitsgründen gesperrte Dresdner Kaserne. In deren Innenhof fanden ab 1943 Fußballspiele statt, die Gefangenen organisierten in der „Liga Terezin“ einen eigenen Spielbetrieb.

Zum Abschluss der Reise folgte am Montag ein Vortrag über das Vereinsleben im Nationalsozialismus und der Blick auf Eintrachtler, die nach Theresienstadt deportiert wurden. Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des Gedenkens. Im Kolumbarium wurde in Anwesenheit von Jan Roubinek, dem Leiter der Gedenkstätte Terezin, eine Erinnerungstafel der Eintracht angebracht. Vizepräsident Stefan Minden betonte in einer eindringlichen Rede, dass es der Eintracht wichtig sei, den vielen einst ausgegrenzten und ermordeten Menschen ihre Würde wiederzugeben. Im Anschluss an die bewegende kleine Zeremonie, an der auch Helmut „Sonny“ Sonneberg teilnahm, trafen sich viele Teilnehmer nochmal an der Stelle an der Eger, an der einst die Asche der tausenden Toten in den Fluss gekippt wurde.

Abends setzten sich alle im Hotel nochmal gemeinsam zusammen und blickten auf die vergangenen Tage zurück. Vier Tage an einem Ort zu verbringen, der für die Menschen einst Hoffnung, Angst, Desillusionierung, Hunger, Krankheit und Tod bedeutete, war für jeden der Teilnehmer eine große Herausforderung. Doch jeder hat seine eigenen neuen Erkenntnisse gewonnen und alle waren sich bewusst, dass wir Eintrachtler in Theresienstadt ein ganz besonderes Privileg hatten. Durch die Anwesenheit von Helmut Sonneberg, der uns immer wieder die Erinnerungen an seine Zeit im Ghetto erzählt hat, war diese Fahrt weit mehr als eine Bildungsreise. „Sonny“ als Zeitzeuge am historischen Ort hat jedem Einzelnen nochmal neue Denkanstöße gegeben. Mit seinem Humor sorgte er trotz des traurigen Themas doch immer wieder für Lacher. So war es nicht verwunderlich, dass es zu später Stunde im Parkhotel Terezin doch noch mal laut wurde: Als die gesamte Truppe gemeinsam mit Sonny „Im Herzen von Europa“ sang! Ein würdiger Abschluss einer beeindruckenden Spurensuche!

Hier geht es zum ersten Teil der Geschichte.

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