Der Cheftrainer spricht über seine Erinnerungen an Bern, die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Fußball sowie die Vorbereitungszeit.

Adi Hütter kommt durch das Marathontor ins Stadion des BSC Young Boys, geht einige Schritte in Richtung Rasen und schaut sich um. Der Cheftrainer der Eintracht genießt den Moment, in seinem alten Wohnzimmer zurück zu sein. Aus einer Ecke kommt der Greenkeeper der Young Boys. Man kennt sich, man schätzt sich. Eine herzliche Begrüßung, ein Small Talk. So geht es Hütter noch in vielen anderen Momenten bei seiner Rückkehr ins Stade de Suisse. An den Ort, wo er drei Jahre wirkte und zum krönenden Abschluss den ersten Meistertitel nach 32 Jahren wieder in Bern feiern konnte. Anlass des Besuchs im Berner Stadion sind Interviewtermine mit Schweizer Zeitungen, und EintrachtTV hat an diesem Ort mit Hütter über seine Erinnerungen, die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Fußball sowie die Vorbereitungszeit gesprochen.

Adi, am Freitag standen wir im Stadion von Young Boys Bern. Welche Gefühle verbindest du mit deiner Rückkehr?
Ich war knapp drei Jahre hier, am Ende haben wir erstmals nach 32 Jahren wieder den Meistertitel gewonnen. Wieder hier im Stadion gewesen zu sein, ist sehr schön. Das Einzige, was sich hier verändert hat, ist der Kunstrasen. Der alte war damals schon sehr abgerackert, jetzt ist wieder alles grün (Anm. d. Red.: die Verlegung des neuen Kunstrasens wurde wenige Tage vor dem Interview beendet, es ist bereits der dritte Kunstrasen im Stade de Suisse). Jetzt muss ich daran denken, wie es damals in der 89. Minute war, als Jean-Pierre Nsame gegen Luzern den Siegtreffer geschossen hat und wir als Meister feststanden. Auch an die Feierlichkeiten erinnere ich mich gut und sehr gerne. Das Stadion ist ein echtes Schmuckkästchen. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit.

Der FC Basel war die Macht im Schweizer Fußball. Dann kam Adi Hütter mit Bern und hat dies durchbrochen. Wie habt ihr das geschafft?
Wir sind 2015 hierher gekommen und haben eine Mannschaft vorgefunden mit vielen guten, aber auch älteren Spielern. Ich habe gespürt, dass wir neuen Esprit und hungrige Spieler brauchen, die hier ihren nächsten Schritt machen wollen. Wir haben versucht, sukzessive die Mannschaft zu verändern. Als „Wuschu“ Spycher (Anm. d. Red.: Christoph Spycher, ehemaliger Eintracht-Spieler) als Sportdirektor gekommen ist, sind wir einen anderen Weg gegangen, der sich als erfolgreich erweisen sollte. Es war nicht einfach, den Serienmeister FC Basel (Anm. d. Red.: acht Titel in Folge) vom Thron zu stoßen. Das Wichtigste war, dass wir die Mentalität hatten und daran geglaubt haben, das zu schaffen. In der Saison 2017/18 haben wir unser Ziel erreicht.

Im Rahmen des Trainingslagers hat die Eintracht gegen den BSC Young Boys gespielt. Du bist vor dem Spiel von den YB-Fans mit großem Applaus empfangen worden. Wie war das für dich?
Ich hatte mich auf die Rückkehr gefreut, nach knapp einem Jahr. Ich kann mich gut an die Fahrt vom Baseler Flughafen nach Thun wenige Tage zuvor erinnern, als wir an Bern vorbeigefahren sind. Da sind schon viele Erinnerungen hochgekommen. YB ist in meinem Herzen. Wenn man hier drei Jahre gearbeitet hat und auch noch sportlichen Erfolg hatte, bleibt das ewig in Erinnerung. Es war ein unglaublich toller Moment für mich, als wir in Biel gegen YB gespielt haben. Die Leute sind aufgestanden und haben geklatscht. Das tut gut und zeigt, dass wir dort gute Arbeit geleistet haben.

Du hast nun die erste Saison in Deutschland hinter dir. Du hast wie besprochen in der Schweiz, aber auch in deiner Heimat Österreich gearbeitet. Was sind die größten Unterschiede?
Zunächst einmal unterscheidet sich der Modus stark. In Österreich und in der Schweiz sind die Ligen kleiner, man spielt vier Mal gegeneinander. In Deutschland ist das Niveau höher, die Begeisterung und die Atmosphäre sind nochmal intensiver. Ich muss aber auch sagen, dass YB oder auch der FC Basel in der deutschen Bundesliga eine gute Figur abgeben würden.

Du bist nun seit 31 Jahren im Profifußball als Spieler und Trainer tätig.
So lange schon (lacht)?

Ja. Wie sehr hat sich der Fußball in dieser Zeit verändert?
Der Fußball verändert sich auch deshalb, weil es immer wieder neue Trainer mit neuen Ideen gibt. Diese versuchen, unterschiedliche taktische Ausrichtungen und Grundordnungen zu entwickeln. Die Physis hat sich verändert, dazu sind Spieler viel wissbegieriger. Es wird mehr an Details gearbeitet. Die Trainer werden immer besser. Der Staff wird größer, weil in spezifischen Fachgebieten Fachpersonal eingestellt wird. Der Fußball wird auch immer schnelllebiger. Das kann man alles mit der Zeit Ende der 1980er, als ich Profi geworden bin, nicht mehr vergleichen.

Vor dem Hintergrund, dass am 24. oder 25. Juli bereits das erste Pflichtspiel ansteht: Wie bist du die Vorbereitung angegangen beziehungsweise wie gestaltest du sie bis Mitte August?
Wir müssen uns auf eine intensive Bundesliga-Saison und hoffentlich viele Spiele in der Europa League vorbereiten. Die Qualifikationsspiele sind unglaublich wichtig. Aber wir müssen den Fokus darauf legen, die Mannschaft weiterzuentwickeln, physisch in einen guten Zustand zu bringen und sie im taktisch-technischen Bereich auf sehr hohes Niveau zu führen.


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