Bei den K.o.-Duellen mit dem FC Vaduz handelt es sich um einen Klassenunterschied im eigentlichen Sinne und zugleich eine Premiere.

Situation

Der Vergleich hat zwar nur eine bedingte sportliche Aussagekraft, ist aber doch verblüffend: Mit dem FC Vaduz bekommt es Frankfurt nach Tallinn mit dem nächsten Hauptstadtklub zu tun, und das aus einem Land, dessen Einwohnerzahl nicht annähernd an das Fassungsvermögen der Commerzbank-Arena heranreicht: Liechtenstein beheimatet etwas mehr als 38.000 Menschen, während die Eintracht bis zu 51.500 Zuschauern Platz gewähren kann, von den über 75.000 Mitgliedern ganz zu schweigen. Zum Vergleich: Der FCV beheimatet aktuell rund 630 Mitglieder…

Mit der Rolle des Außenseiters David kennt sich der Underdog ebenso gut aus wie der des Riesen Goliath. Aus folgendem Grund: Auf der einen Seite mischt der Verein aus dem Fürstentum Liechtenstein munter in der zweitklassigen Schweizer Challenge League mit, weil Liechtenstein als einziger europäischer Fußballverband keine eigene Meisterschaft austrägt. Dafür aber den Liechtenstein Cup austrägt, derer Vaduz bereits 47 gewinnen konnte und sich auf diesem Wege in schöner Regelmäßigkeit für das internationale Geschäft qualifiziert.

Formkurve

Und sich nun seit vier Partien in der Qualifikationsphase hält. In der ersten Runde zog Breidablik Kópavogur aus Island mit 1:2 und 0:0 den Kürzeren, in der zweiten Runde musste sich der Fehérvár FC aus Ungarn nach einem 1:0-Vorteil in der Verlängerung des Rückspiels mit 0:2 geschlagen geben.

Der Auftakt in der Challenge League gestaltete sich ähnlich knapp. In vier Begegnungen stehen einem Sieg zwei Niederlagen und ein Unentschieden gegenüber. Damit liegt der Gastgeber auf Platz acht von zehn im unteren Mittelfeld. Generell ist saisonübergreifend auf nationaler Ebene zuletzt der Wurm drin: Von den vergangenen sieben Ligaspielen gewann Vaduz nur eines, fing sich in diesem Zeitraum 17 Gegentore.

Trainer

Trainer des FC Vaduz ist seit September 2018 der 44-jährige Mario Frick, der im schweizerischen Chur zur Welt kam, jedoch die liechtensteinische Staatsbürgerschaft besitzt. Für Frick ist Vaduz die erste Profistation als Trainer, zuvor coachte er nur diverse Jugendauswahlen seines Landes, die U18 von Vaduz sowie lange Zeit den Viertligisten FC Balzers (2012 bis 2017).  

Als Spieler entwickelte sich der Stürmer in seinem Heimatland zu einer Legende: vier Mal wurde er zu Liechtensteins Fußballer des Jahres gewählt (1994, 1999, 2002, 2007), insgesamt bestritt er 125 Länderspiele, in denen er 16 Tore erzielte und damit Rekordtorschütze Liechtensteins ist. Kurios: Von seinen 125 Länderspielen verlor er exakt 100!

Auf Vereinsebene war er nicht nur in der höchsten Schweizer Spielklasse unterwegs, sondern erzielte auch in der italienischen Serie A (Siena, Hellas Verona) seine Tore (20 in 111 Spielen). Mit dem FC Zürich nahm er zudem in den Spielzeiten 1999/2000 sowie 2000/01 am UEFA-Cup teil – in fünf Einsätzen gelang ihm ein Tor.

Sein Sohn Noah läuft seit 2018 unter seinem Vater für die Profis des FC Vaduz auf, sein anderer Sohn Mario versuchte sich wie der Papa in den vergangenen Jahren in Italien (Livorno, Perugia, Piacenza) und spielt seit Februar 2019 für Rapperswil-Jona in der dritten Schweizer Liga.

Taktiktafel

Die Taktiktafel dürfte in Vaduz vergleichsweise groß ausfallen. Frick lässt sich taktisch nicht in die Karten blicken, ließ seine Schützlinge in der Vergangenheit äußerst variabel agieren. Die Hausherren beherrschen das 4-4-2 mit Raute ebenso wie ein breites 4-1-4-1 und ein stürmisches 4-3-3. International wartete der Rekordpokalsieger wiederum mit einem 3-4-2-1 auf, das auch im Hinspiel Anwendung fang.

Spieler im Fokus: Milan Gajic

Unabhängig von der Taktik ist ein Akteur immer gesetzt: Milan Gajic. Der Torschütze beim 2:0-Heimsieg gegen Fehérvár in der zweiten Runde, spielte von 2013 bis 2017 in Bern, und ist damit Eintracht-Coach Adi Hütter aus zwei gemeinsamen Jahren bestens bekannt. Der 32-Jährige sammelte als einziger Vaduz-Spieler bereits Erfahrung in der UEFA Champions League (sechs Einsätze). In der Saison 2009/10 spielte der Linksfuß in der Königsklasse mit dem FC Zürich in der Gruppenphase gegen Real Madrid, Olympique Marseille und den AC Mailand. Seine Erfahrung fehlte vor einer Woche sichtbar, als der angeschlagene Veteran aus Gründen der Vorsicht nicht im Kader stand.

Der Serbe begann seine Karriere in seiner Geburtsstadt bei Napredak Kruševac und wechselte nach einer erfolglosen Leihe zu Boavista Porto im Sommer 2008 zum FC Luzern. In seiner ersten Saison in der Schweiz entkam er dem Abstieg nur knapp und setzte sich erst in der Barrage gegen Lugano durch. Der variable Mittelfeldakteur gilt als exzellenter Freistoßschütze.

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