Frankfurt und Mannheim liefern sich einen Schlagabtausch, der keinen Verlierer verdient, aber den folgerichtigen Gewinner findet.

„Auswärtssieg, Auswärtssieg“ hallte es in den Schlussminuten durch das restlos ausverkaufte Carl-Benz-Stadion in der Mannheimer Oststadt. So weit, so gewöhnlich, wenn die gastierende Mannschaft kurz vor Schluss mit 5:3 in Führung liegt. Weniger üblich aber, dass die Sprechchöre nicht ausschließlich im schwarz-roten Frankfurter Block ertönten, sondern auch im Lager des Mannheimer Publikums. Fanfreundschaft wie sie leibt und lebt, auch wenn sich die beherzt auftretenden Waldhof-Buwe davon wenig kaufen konnten.

Zumal sie sehr lange an der Sensation schnupperten, als Drittligaaufsteiger dem Europa-League-Halbfinalisten des Vorjahres ein Bein zu stellen. Entsprechend war nicht nur Adi Hütter „glücklich, kein Déjà-vu erlebt zu haben“, erinnerte sich der Eintracht-Coach zugleich an die erste Pokalrunde vor einem Jahr, als er in seiner Premierensaison beim SSV Ulm die Segel hatte streichen müssen.

Dass dieser Weg auch in der Quadratestadt kein leichter sein würde, hatte Kevin Trapp schon vorher gewusst. „Das hat man schon nach den Spielen am Freitag und Samstag gesehen“, nahm der Torhüter Bezug auf die Probleme vieler anderer Bundesligisten, die weniger im Rhythmus waren als die Eintracht nach der ersten Hälfte der europäischen Qualifikationsphase. Die Annahme glich nach zehn Minuten fast einer selbsterfüllenden Prophezeiung, als ein Doppelschlag von Valmir Sulejmani für perplexe Gesichter sorgte. Der Ansatz des robusten Außenseiters – pragmatisch, taktisch, mutig – erfüllte sich auch, weil der unveränderte Defensivverbund anfangs mit Abstimmungsproblemen zu kämpfen hatte. „Waldhof war bissiger und hat die zweiten Bälle behauptet, als wir nicht gut gestaffelt beziehungsweise die Räume geschlossen haben“, erklärte Hütter hinterher.

Doch selbst dem Schockstart konnte der Fußballlehrer etwas Gutes abgewinnen: „Immerhin hatten wir noch 80 Minuten Zeit.“ Das sah Trapp ähnlich, wenngleich sich der für sein Streben nach Perfektion, sprich: eine weiße Weste, bekannte Rückkehrer ein anderes Saisondebüt zwischen den Pfosten gewünscht hätte. „Diese Fehler müssen wir abstellen, gegen jeden Gegner, und erst recht in der Bundesliga“, mahnte die alte, neue Nummer eins.

Rebic macht das Licht aus

„Vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir guten Fußball gespielt“, ließ der ansonsten wenig beschäftigte Schlussmann ein Lob folgen, das zugleich Waldhof-Trainer Bernhard Trares als Erklärung für den Spielverlauf diente. „Wir sind fantastisch ins Spiel gekommen, haben es dann aber verpasst, mehr Ballbesitz zu haben, was uns Körner gekostet hat.“ So behielten die Hausherren zwar in puncto Zweikämpfen mit 58 Prozent gewonnenen Duellen die Oberhand, verpassten es aber, sich durch längere Ballbesitzphasen gewisse Ruhepausen zu gönnen. Sowohl hinsichtlich der Passquote, 83 zu 70 Prozent, als auch der Ballbesitzanteile, 60 zu 40 Prozent, war die Eintracht fußballerisch überlegen.

Und nicht zuletzt auch individuell. „Dass Ante Rebic unser Matchwinner ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen“, frohlockte Hütter im Nachgang über die Finisher-Qualitäten seines Stürmers, der mit seinem lupenreinen Hattrick binnen zwölf Minuten, seinem ersten Dreierpack überhaupt, den Traum aller Söhne und Töchter Mannheims wie Seifenblasen zum Platzen brachte. Ins Tal der Tränen stürzte hinterher dennoch allenfalls der während des Spiels noch sonnig-schwüle Abendhimmel.

„Am Ende hat vielleicht auch das gewisse Matchglück gefehlt“, haderte Trares mit dem postwendenden Ausgleich nach dem unverhofften 3:2 in der Schlussviertelstunde, in welcher mit den eingewechselten Mijat Gacinovic und zuvor Goncalo Paciencia in Form Doppelspitze und Doppelzehn volle Offensive auf dem trockenen und stumpfen Rasen stand. Am meisten fruchtete die erste Einwechslung des Tages, als der für da Costa gekommene Erik Durm die Vorlage zum 3:3 gab. Und damit das Herzschlagfinale unter Freunden einleitete, das keinen Verlierer verdient, aber viele Gewinner gefunden hat. Allen voran den Fußball.

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