Lajos Detari kennt sich mit K.o.-Kämpfen aus – auch wenn es im Europacup nicht zum ganz großen Wurf gereicht hat. Außerdem steht der Ungar wie wenige für gelungene Integration.

Lajos Detari war vor dem Hinspiel Gast auf der Waldtribüne – und hätte danach fast den Anpfiff verpasst.
Lajos Detari war vor dem Hinspiel Gast auf der Waldtribüne – und hätte danach fast den Anpfiff verpasst.

Lajos, du kamst am Donnerstag extra zum Heimspiel gegen Chelsea angereist. Was sagst du zum Spiel?
Das war ein sehr schönes Spiel, mit 48.000 Zuschauern und einem ausverkauften Stadion. Die Stimmung war fantastisch. Ich denke, jeder Fan ist mit dem Ergebnis zufrieden. Klar wollten wir alle, dass Eintracht Frankfurt gegen Chelsea gewinnt, aber wir wissen auch, dass Chelsea eine sehr gute Mannschaft ist, die viele erfahrene Spieler hat. Ich denke, dass das 1:1 ein gutes Resultat für Frankfurt ist. Besonders beeindruckt war ich, als auch 20 Minuten nach dem Spiel die Zuschauer noch auf ihren Plätzen waren und gesungen haben. Das war fantastisch!

Wir haben dich ein bisschen auch als Glücksbringer angesehen und uns gesagt: Beim Pokalfinale 2018 war er da und wir haben gegen die Bayern gewonnen, dann wird es gegen Chelsea auch funktionieren. Wie schätzt du die Voraussetzungen für Donnerstag ein?
Ich denke, die Eintracht hat dieses Jahr eine sehr gute Leistung erbracht und sehr gute Spieler, die überwiegend gut zusammenspielen. In der Meisterschaft hoffe ich auf zwei gute Spiele, sodass wir noch die nötigen Punkte holen und bis zum Ende der Saison auf Platz vier bleiben.

Kannst du uns sagen, wie die Eintracht in Ungarn wahrgenommen wird?
Die ungarischen Zeitschriften schreiben viel über Frankfurt. Dieses Jahr hat Frankfurt in der Europa League super gespielt, in den ungarischen Zeitungen waren viele Artikel und natürlich hat Eintracht Frankfurt auch in meiner Heimat viele Fans.

Du warst im Vorfeld des Spiels auf der Waldtribüne hast danach fast den Anpfiff verpasst, weil du so viele Fotos machen musstest. Der Kontakt nach Frankfurt ist scheinbar nie abgerissen, oder?
Das war unglaublich. Ein Mann hat gesagt, er kenne mich nach 18 Jahren immer noch und hat mich dann um ein Foto und ein Autogramm gebeten. Solche Erfahrungen freuen mich natürlich.

Hast du noch zu ehemaligen Mitspielern Kontakt?
Ja, mit Charly Körbel, Manni Binz und einigen anderen. Manchmal telefonieren wir. Mit Charly habe ich neulich gesprochen, weil ich in Ungarn eine Fußballschule unter meinem Namen eröffnen und wenn möglich auch mit Eintracht Frankfurt zusammenarbeiten möchte. Ich habe gehört, dass Charly der Vertreter der Traditionsmannschaft ist. Wir haben bei uns in Budapest auch eine Traditionsmannschaft und vielleicht lässt sich mal ein Spiel in Budapest oder in Frankfurt organisieren.

Als du 1987 zur Eintracht kamst, war einer deiner ersten Ansprechpartner kurioserweise der damalige Zeugwart Toni Hübler.
Toni konnte sehr gut Ungarisch sprechen. Aber der Präsident hat zu ihm gesagt, er soll mit mir nur Deutsch sprechen. Ich habe lange nicht gewusst, dass er Ungarisch sprechen kann. Nach drei Monaten konnte ich Deutsch und ich habe dann erfahren, dass er aus Ungarn ist.

Wie hast du so gut die Fremdsprache gelernt?
Das brauchte natürlich Zeit. Ich kann die vielen Ausländer nicht versteheh, die drei, vier Jahre im hier leben und die Sprache nicht beherrschen. Ich konnte mich dadurch mit anderen Spielern unterhalten, mit der Presse, oder mit Fans. Im Leben brauchst du die Sprache ja ohnehin.

Du kamst als ganz junger Kerl nach Frankfurt und dir wurde Heimweh nachgesagt. Ist dir die Eingewöhnung hier in Frankfurt schwergefallen?
Nein, ich hatte kein Heimweh, aber die Schwierigkeiten hier waren groß für mich. Ich konnte kein Deutsch sprechen, ich kam aus der ungarischen Liga, das ist eine ganz andere als die Bundesliga hier, die sehr schnell war. Auch konditionsmäßig war ich die erste Zeit nicht so gut, da brauchte ich vier bis fünf Monate zur Anpassung, danach hat aber alles geklappt.

Ihr wart mit der 88er Finalmannschaft vor dem Spiel im Innenraum, du hast mit Tankard „Schwarz-Weiß wie Schnee“ gespielt, das war doch bestimmt auch ein Wahnsinnserlebnis, vor dieser Fankurve zu stehen?
Ja, natürlich. Das war eine super Stimmung, vor 35.000 oder 40.000 Fans von Frankfurt. Das Spiel war auch super, wir haben wieder den Pokal gewonnen, es war eine wunderbare Stimmung. Es hat mich auch riesig gefreut, als mich die Eintracht zum Finale 30 Jahre später eingeladen hat, wofür ich mich an dieser Stelle nochmal herzlich bedanken möchte!

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