…ertönte einmal zu früh. Als die fröstelnden Zuschauer dem Pausenpfiff entgegen bibbern, kommt zunächst noch die Ampelkarte zum Vorschein. Und nach dem Seitenwechsel ganz viel Courage.

Etwa 40 Autominuten vom Schwarzwald-Stadion entfernt sorgt ein international beliebter Freizeitpark seit Jahrzehnten für Spaß, Spannung und glückliche Gesichter. Anstellen, einsteigen, einmal kräftig durchrütteln lassen – Unterhaltung nach Programm. Im Gegensatz zu den Attraktionen und Variationen in Rust lässt sich der Verlauf eines Fußballspiels wie am Sonntagabend zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt trotz aller Kenntnisstände, Werte und allgegenwärtig gläsernen Spielern eben doch nicht gänzlich planen. Weil unter den Trikots noch immer keine Schaltleitungen, sondern in erster Linie Menschen stecken. Die wiederum qua Berufsausübung nicht nur an ihren fußballerischen, technischen und physischen Fähigkeiten gemessen werden, sondern auch hinsichtlich ihrer Entscheidungsfindung. Und dahingehend befand Adi Hütter: „Die Gelb-Rote Karte war unnötig, weil sie an der Außenlinie war. Aber es ist nun mal passiert, Gelson hat schon viele gute Spiele für uns gemacht und weiß selbst, dass er uns damit nicht geholfen hat.“ Der Schweizer Abräumer, grundsätzlich die Verlässlichkeit in Person, hatte nach zwei klaren taktischen Fouls binnen 20 Minuten an alter Wirkungsstätte wenige Argumente auf seiner Seite. Im Vergleich dazu hätten sich alle Eintracht-Anhänger sicher eine ähnliche Konsequenz am vergangenen Donnerstag gegen R. Standard de Liège gewünscht, wonach Cheftrainer Hütter vermutet hatte: „Mit einem Spieler mehr hätten wir uns leichter getan.“ Was aber nicht mehr zurückzudrehen ist und deshalb eine Randnotiz bleiben soll.

Box-to-box-Verteidiger Hinteregger

Dennoch sind die Auswirkungen nach dem Seitenwechsel unwiderlegbar. Wiesen beide Vereine bis zur Pause eine teilweise bis auf zehn Meter identische Laufdistanz auf, hieß es nach 90 Minuten plus zehn 116,41 zu 112,14 Kilometer für den Sport-Club. Bemerkenswert wiederum, wie die Hessen ihre Zweikampfquote sogar von 55 auf 59 Prozent hochschrauben konnten. „Mit einem Mann weniger haben wir stark verteidigt und uns viele Chancen erarbeitet“, lobte entsprechend Sportvorstand Fredi Bobic. Und Freddy Rönnow bekräftigte: „Wir hatten unsere Chancen, stehen aber am Ende mit leeren Händen da, obwohl wir bis zum Schluss alles gegeben haben. Zwar hielt der Däne seine Vorderleute ein ums andere Mal mit glänzenden Rettungsaktionen im Spiel, was jedoch auf der Gegenseite auch für Pendant Mark Flekken galt. Schreckgespenst Nils Petersen, der nun sechs Mal gegen die Eintracht einnetzte, etwa hielten die Gäste weitgehend in Schach, gestatteten ihm nur einen Torschuss – der aber entschied die Partie. Überhaupt kamen die Angreifer zu wenigen Abschlüssen, Goncalo Paciencia zu zwei, Bas Dost, im zweiten Durchgang vor allem als Turm bei gegnerischen Standards gefragt, zu einem. An der Spitze kurioserweise: Martin Hinteregger, als Abwehrchef nominell am weitesten vom gegnerischen Gehäuse entfernt, ballerte fünf Mal auf den Freiburger Kasten, einen Abpraller setzte Erik Durm auf die Latte. Es war nach dem Gastspiel in Belgien der zweite Aluminiumtreffer beim Stand von 0:0. In Wallonien hatte André Silva an den Pfosten geköpft.

Bei Betrachtung all jener Umstände meinte Hütter letztlich: „Die beiden letzten Niederlagen tun weh. Wir wären fast im Sechzehntelfinale gewesen. Nun hätte ich mir einen Punkt gewünscht.“ Trainerkollege Christian Streich pflichtete ihm dabei sogar indirekt bei: „Es ist bewundernswert, wie Frankfurt die Belastung mit sechs Spielen in 18 Tagen gemeistert hat. Wenn es unentschieden ausgegangen wäre, wäre es auch in Ordnung gewesen.“ Doch so grüßen die Badener während der Länderspielpause von Platz vier, der auch für die Eintracht bei einem Dreier herausgesprungen wäre. Aber: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir zehn Spiele mehr absolviert haben als Freiburg. Insgesamt sind wir im November gut unterwegs mit 17 Punkten in der Liga und dem Achtelfinale im DFB-Pokal.“ Letzteres bleibt den Draufgängern von der Dreisam im kommenden Frühjahr verwehrt, die internationalen Festtage sowieso. Champions-League-Ränge hin, Mottopark her.

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