Allein Almamy Toure flankte gegen Werder mehr als doppelt so häufig als alle Bremer zusammen. Jetzt geht es um Feinjustierungen.

Die Adler pfiffen es von den Dächern. Als am Sonntagabend die Eintracht aus Frankfurt und der SV Werder Bremen den siebten Spieltag abschlossen, standen sich die nach sechs Spieltagen nach den Bayern mit je 96 Versuchen schussfreudigsten Mannschaften gegenüber. Dessen war sich auch Florian Kohfeldt bewusst. „Wenn diese beiden Teams aufeinandertreffen, wird es nie langweilig“, sprach der Gästetrainer unter dem Eindruck der vorangegangenen Erlebnisse. Nach 90 Minuten hatte sich die Eintracht mit nun 121 Schüssen an die Spitze der imaginären Schusstabelle geballert. Auch, weil sie umgekehrt den Gästen nicht mal halb so viele Abschlüsse gestattete.

„Der Rasen war tief, aber meine Mannschaft hat gut gespielt und konnte ihren Powerfußball auf den Platz bringen. In der zweiten Halbzeit war es Einbahnstraßenfußball“, fasste Adi Hütter das Spielgeschehen hinterher ohne Übertreibung treffend zusammen. Zugegeben, so mancher Versuch segelte auch in Richtung Oberrang, dennoch wäre der Pausenrückstand vermeidbar gewesen. Umso beeindruckender war es daher wiederum, wie die Adlerträger nur drei Tage nach dem Kraftakt in Portugal nach dem Seitenwechsel sogar nochmal zulegen konnten. Gewissermaßen diente der 1:0-Sieg in Guimaraes sogar als Übung unter Wettkampfbedingungen. Wie Vitória begann auch Werder mit drei Spitzen gegen drei Innenverteidiger, weshalb sich Sebastian Rode zur Unterstützung des eigenen Aufbauspiels bei Bedarf zwischen die Abwehrkette schob, Überzahl herstellte und die Halb- gewissermaßen zu Außenverteidigern mutierten. Insbesondere der gelernte Rechtsverteidiger Almamy Toure, zum dritten Mal in Folge in der Startelf, wusste seine Hybridrolle zu einigen Vorstößen und insgesamt elf (!) Flanken zu nutzen, leitete auf diese Weise unter anderem das 2:1 von André Silva ein.

(Fast) wie jedes Jahr

Für den Ausgleich bedurfte es wiederum einmal mehr einer Ecke, was sicher kein Makel, sondern in Häufung eher Qualitätsmerkmal ist – zumal in Anbetracht des Kunstschusses von Rode, der nicht nur sein erstes Saisontor erzielte, sondern auch im Verbund mit Djibril Sow den Maschinenraum im defensiven Mittelfeld betätigte. Die im Zentrum entfachte Energie kanalisierten die Hausherren in schöner Regelmäßigkeit auf die Außenbahnen, am Ende standen 37 Hereingaben zu Buche. In Summe 143 Flanken sind vor der Länderspielpause unerreicht, an zweiter Stelle folgen die Bayern mit 92. Dass nicht mehr dieser Sorte am Ende zum Ziel führten, war teils mangelnder Zielsicherheit, teils den herausragenden Reflexen von Jirí Pavlenka im Tor der Gäste geschuldet. Und nicht zuletzt zwar immer flüssigeren, aber längst nicht optimierten Abläufen. „Die Entwicklung des Teams gefällt mir, man muss immer auch unsere Abgänge berücksichtigen“, sieht Coach Hütter seine Mannen auf dem richtigen Weg, während Sow auf andere Weise um Geduld bat: „Im Zusammenspiel im Mittelfeld ist es wie mit einer neuen Freundin: Man muss sich erst kennenlernen.“

Schneller als erwartet kehrte derweil Makoto Hasebe nach seiner Gehirnerschütterung in die Mannschaft zurück, agierte präsent, ballsicher und agil wie ein Teenager – hatte aber beim Elfmeter in der Nachspielzeit seine Beine im Spiel. Weshalb Milot Rashica wie am zweiten Spieltag 2018/19 – seinerzeit per Freistoß – spät für den zweiten Bremer Treffer sorgte. Seinerzeit gegen Kevin Trapp zum 1:2, gestern gegen den mehrmals in höchster Not rettenden und große Sicherheit ausstrahlenden, aber bei den Gegentoren machtlosen Rönnow.

Auch sonst waren die Umstände auf den ersten Blick wie jedes Jahr, auf den zweiten sogar einen Deut besser. Zum vergleichbaren Zeitpunkt 2018 wies die Eintracht zehn Zähler auf und war im DFB-Pokal ausgeschieden. „Mit elf Punkten müssen wir uns nicht verstecken“, weiß deshalb Fußballlehrer Hütter. Mit Auftritten wie am Sonntagabend noch weniger.

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