Vor dem Achtelfinale beschreibt Sportdirektor Bruno Hübner die momentane Erfolgsspirale, schwärmt vom Siegeshunger des Teams und äußert sich zum Zustand von Ante Rebic.

Bruno, zuletzt gab es Unklarheiten über den Gesundheitszustand von Ante Rebic und David Abraham. Wie geht es ihnen?
Ante hat sich das rechte Knie verdreht. Es ist nichts Schlimmes, alle Bänder sind stabil, aber Ante ist ein Spieler, der für seine Bestleistung im Kopf frei sein muss. Deshalb haben wir ihm zugestanden, für fünf Tage zu seiner Vertrauensperson in Belgrad zu reisen, um sich behandeln zu lassen. Es war eine Abwägungsfrage. Natürlich haben wir gegen Inter zwei wichtige Spiele, aber auf lange Sicht gesehen auch in der Bundesliga viele Herausforderungen zu bestreiten. Deshalb ist es uns am wichtigsten, keine überhasteten Maßnahmen zu treffen und keine längerfristige Verletzung riskieren. Bei David kann es bis Donnerstag ebenso eng werden, aber bei ihm entscheiden wir von Tag zu Tag. Die beiden sind zweifelsohne ein Verlust. Aber die Mannschaft hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Ausfälle gemeinsam kompensieren kann.

Ante Rebic ist verletzt, dafür Goncalo Paciencia zurück. Wie siehst du die personelle Situation?
Genauso ist es: Der eine rückt für den anderen nach. Zumal wir ohnehin nicht jedes Mal mit drei Stürmern begonnen haben. Es ist ein großer Vorteil, für zwei Wettbewerbe breit aufgestellt zu sein und im Ernstfall über Alternativen zu verfügen. Wir können Verletzungen mittlerweile viel besser auffangen als früher. So stehen aktuell auch wieder Gelson Fernandes und Lucas Torró im Mannschaftstraining.

Wie ist die Stimmung vor dem Achtelfinale?
Ich würde es als eine Mischung aus Anspannung und Vorfreude bezeichnen. Inter stellt für mich noch eine Stufe über Donetsk dar. 18 italienische Meistertitel und sechs internationale Pokale sprechen für den Status des Klubs in Europa, der sicher als leichter Favorit zu uns reist. Die Paarung Eintracht Frankfurt gegen Inter Mailand muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen. Für uns gilt es, sich für das Rückspiel in eine gute Ausgangslage zu bringen. Wenn wir an unsere Leistungsgrenze herankommen, können wir auch mit solchen Kalibern mithalten.

Welche Bedeutung haben diese Spiele im Vergleich zu den vergangenen Jahren?
Natürlich ist der DFB-Pokalsieg durch nichts zu ersetzen und die aktuelle Entwicklung wäre ohne die Relegation nicht möglich geworden. Aber allein wenn ich sehe, welche Aufmerksamkeit und Anerkennung wir uns in Europa erarbeitet haben, wie viele Fernsehsender aus dem Ausland über uns berichten wollen, bewegt sich die Strahlkraft in einer für uns neuen Dimension. Auch die Berichterstattung in Italien ist von großem Respekt geprägt, ich habe nicht den Eindruck, dass sich Inter darüber freut, uns als Gegner zugelost bekommen zu haben.

Inter befindet sich derzeit in einem kleinen Ergebnistief. Kommen die Duelle gerade zur rechten Zeit?
Ich weiß nicht, ob es gegen eine solche Spitzenmannschaft bessere oder schlechtere Zeitpunkte gibt. Natürlich gehen außersportliche Nebengeräusche an keinem Verein spurlos vorbei. Auf der anderen Seite sind die Inter-Spieler Profi genug, um zu wissen, worauf es am Donnerstag auf internationaler Ebene ankommt.

Welche Rolle spielt es, dass das Hinspiel diesmal zuhause stattfindet?
Man hört ja immer, es sei ein Vorteil, im Rückspiel Heimrecht zu haben. Auf der anderen Seite können wir mit einem guten Ergebnis am Donnerstag den Druck auf Inter erhöhen. Dass wir auswärts bestehen können und immer für ein, zwei Tore gut sind, haben wir bereits in der Bundesliga mehrfach bewiesen.

Was bedeutet es für den Verein, als einzige deutsche Mannschaft noch im Wettbewerb vertreten zu sein?
Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass es für uns etwas Besonderes ist, europäisch zu spielen und wir den Wettbewerb ernst nehmen, was bedeutet, so weit wie möglich kommen zu wollen. Es ist in einer solchen Phase legitim, Gedanken an Baku zumindest im Hinterkopf zu haben. Dass die Aufgaben nicht einfacher werden, ist uns auch bewusst.

Was macht es aus, dass ihr in zwei Wettbewerben gut mit dabei seid?
Das würde ich sogar in Zusammenhang setzen. Denn die Erfolge beflügeln uns. Nach einem Sieg können es die Spieler gar nicht erwarten, dass der nächste Spieltag ansteht. Dadurch treten alle automatisch mit einer breiteren Brust auf. Für mich war die Szene gegen Hoffenheim sinnbildlich, als die Spieler nach dem späten Ausgleich den Ball aus dem Tor geholt und sogar noch auf den Sieg gedrängt haben.

Einer, der unter all den Torschützen oftmals etwas unter dem Radar fliegt, ist Mijat Gacinovic. Wie bewertest du seine Rolle?
Das ist unter anderem seiner Spielweise geschuldet. Mijat betreibt einen unglaublich hohen Aufwand, was oftmals vor dem Tor zulasten der letzten Konzentration geht. Außerdem ist es nicht so, dass Mijat überhaupt nicht treffen würde, wie er es etwa in Rom widerlegt hat. Er muss sich einfach öfter ein Herz nehmen und sich für seine selbst geschaffenen Abschlusssituationen belohnen. Die Qualität dazu besitzt er. Ich bin sicher, er wird schon am Donnerstag die Gelegenheit bekommen, sich in die Torschützenliste einzutragen.

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