Das Büro im Big Apple ist eröffnet. Kein Zufall, dass die Eintracht in den USA ausgerechnet hier heimisch wird. Ein Blick in die umfangreiche Frankfurter New-York-Historie.

Bei der Büroeröffnung am Freitag in New York betonten die Verantwortlichen der Eintracht immer wieder die Verbindungen des Klubs zu New York. Die Geschichte der Eintracht im Big Apple reicht noch weiter zurück als die berühmte Goodwill-Tour 1951 und ist fast 100 Jahre lang. Es passt also perfekt, dass die Adlerträger in der Weltstadt an der Ostküste heimisch werden.

New York Eintracht

In den 1920er- und 1930er-Jahren waren immer wieder nach Amerika ausgewanderte Deutsche an Fußballklubgründungen in New York beteiligt. 1933 entstand ein Verein, der sogar die Eintracht im Namen trägt. Der S.C. Eintracht wurde von deutschen Einwanderern, Industriearbeitern und Handwerkern in Astoria in Queens gegründet. Seitdem spielt der Amateurverein in der Cosmopolitan Soccer League, die sich aus Klubs in und um New York zusammensetzt. Die erfolgreichste Zeit hatte New York Eintracht, unter diesem Namen bekannt, in den 1940er- und 1950er-Jahren mit fünf Liga- und sieben weiteren regionalen Titeln, unter anderem im Dr. Manning Cup. Dieser ist nach dem Mitbegründer des DFB und späteren Präsidenten des Nordamerikanischen Fußball-Verbandes Randolph G. Manning benannt.

Bei der Gründung der New Yorker Eintracht soll auch August Steuer seine Finger im Spiel gehabt haben. Unweit der hessischen Grenze im bayerischen Großheubach 1902 geboren, wanderte der leidenschaftliche Eintracht-Fan 1923 in die USA aus. In New York gründete er den FC Austria und engagierte sich unter anderem im Deutsch-Amerikanischen Fußballbund (DAFB). In dieser Funktion war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Eintracht 1951 ihre Goodwill-Tour in Angriff nahm. Dabei stand nicht allein der sportliche Aspekt im Vordergrund. Vielmehr sollte der Besuch der Völkerverständigung nach dem Krieg dienen und darüber hinaus Werbung für den in den USA noch wenig populären Soccer machen.

Noch bevor der erste deutsche Konsul nach dem Krieg in die USA reiste und kurz nachdem man es einem deutschen Künstler verboten hatte, amerikanischen Boden zu betreten, war der Hamburger SV im Mai 1950 die erste deutsche Mannschaft, die auf DAFB-Geheiß in die USA kam und sechs Spiele absolvierte. Die Eintracht folgte im Sommer 1951, drei der acht Partien fanden in New York statt. Weitere namhafte Mannschaften folgten und ließen die Goodwill-Tour zu einem vollen Erfolg werden.

Aufbauhilfe für den zerstörten Riederwald

Sie entpuppte sich auch für die Eintracht in mehreren Bereichen als äußerst positiv. Die Hessen wurden freundlich empfangen, folgten zahlreichen Einladungen und gaben ein hervorragendes Bild in den Staaten ab. New York sah noch keine Mannschaft, „die sich so wohlerzogen und bescheiden benommen hat wie die Eintracht“, schwärmte die Presse. Darüber hinaus „hat sich die Eintracht überall, wohin sie kam, nicht nur bei den Deutsch-Amerikanern, sondern auch bei den höchsten amerikanischen Stellen durch ihr Auftreten zahlreiche Freunde geschaffen“. Neben viel Lob und zahlreichen Erinnerungsgeschenken brachte die Eintracht auch einen stattlichen Scheck nach Frankfurt. Mithilfe August Steuers kamen 50.000 Dollar für den Wiederaufbau des Riederwalds zusammen. Es gibt Aussagen von Spielern der Meistermannschaft von 1959, die dies als Basis für den großen Erfolg sahen. Der Grundstein des größten nationalen Titels der Eintracht wurde also in New York gelegt! August Steuer starb 1969; Kanzler Willy Brandt, US-Präsident Richard Nixon und Eintracht-Präsident Rudolf Gramlich (über Steuer: „Unser bester Freund“) kondolierten.

In den 1960er-Jahren kehrte die Eintracht zweimal nach New York zurück. 1962 besiegten die Adlerträger eine Auswahl des Deutsch-Amerikanischen Fußball-Bundes mit 4:1. Drei Jahre später waren an der Ostküste Saloniki, Ukrainians New York und der AC Florenz Gegner.

Im Jahr 2021 soll zum Jubiläum der Goodwill-Tour die Profimannschaft der Eintracht in den Big Apple kommen. Bereits ein Jahr zuvor zeigt die Büroeröffnung in New York, dass ganz im Sinne der Eintracht-Internationalisierungsstrategie „Building Bridges“ die Verbindungsbrücke aus der Vergangenheit in die Neuzeit bereits erbaut ist und Eintracht-Aktivitäten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nun eine konkrete Anlaufstelle haben.

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