Die Eintracht-Historiker behaupten ja gerne, dass die Eintracht überall ihre Spuren hinterließe. Und dann kommt das Los FC Flora Tallinn…

Schnell war klar: In Estland hat bis zum vergangenen Donnerstag noch keine Eintracht-Mannschaft gespielt. Selbst beim Blick auf die gesamten baltischen Staaten wird es kaum besser: Ein Spiel absolvierte die Eintracht 1995 in Litauen, und zwar in der Vorrunde des UEFA-Intertoto-Cups, kurz „UI-Cup“. Am 15. Juli 1995 gewann die SGE vor 500 Zuschauern, darunter ganze 16 Frankfurter Fans, bei Panerys Vilnius mit 4:0. Die Tore erzielten Markus Schupp, Rainer Rauffmann, Michael Anicic und Zico Bindewald. Nach einem weiteren Sieg in Plovdiv (4:0) vor 3.000 Zuschauern, darunter sechs Eintracht-Fans, und einer 1:2-Niederlage gegen Vorwärts Steyr erreichte die SGE das Achtelfinale, das am 29. Juli 1995 bei Girondins Bordeaux mit 0:3 verloren ging. Das Ausscheiden in Bordeaux war sicher nicht das größte Dilemma der Saison 1995/96, aber immerhin ist ein Spiel in Vilnius in Litauen nachweisbar. In Lettland gab es bislang keinen Eintracht-Sieg. In Estland auch nicht – bis vergangenen Donnerstag. Nicht mal einen begnadeten Esten hatten die Hessen in ihrem Kader. Und doch gibt es kurze Bezugspunkte zwischen der Eintracht und Estland, und zwar in der Länderspielgeschichte. Bislang gab es erst vier Länderspiele zwischen Estland und Deutschland – und drei Mal standen Eintrachtler auf dem Platz. Das erste Länderspiel gegen Estland fand am 15. September 1935 in Stettin statt, Deutschland siegte mit 5:0. In der deutschen Mannschaft stand mit Wilhelm Tiefel auch ein Spieler der Frankfurter Eintracht. Tiefel, der 1932 von Union Niederrad zur Eintracht wechselte und am Riederwald 59 Pflichtspiele absolvierte, spielte insgesamt sieben Mal für die deutsche Nationalmannschaft.

1937 traf Deutschland in der Qualifikation zur WM 1938 in Königsberg auf Estland – und siegte 4:1. Bei dem Spiel waren sogar zwei Eintrachtler im Einsatz, auch wenn sie zu der Zeit noch nicht für die SGE spielten. Paul Janes, 71-maliger Nationalspieler, spielte in der Saison 1945/46 zwei Partien für die Eintracht. Und der viermalige Nationalspieler Erwin Schädler absolvierte zwischen 1940 und 1950 mehr als 100 Spiele für die SGE.

Erfolge abseits des Fußballs

Ein weiteres Länderspiel gegen Estland und mit Eintracht-Beteiligung fand 1939 wenige Wochen vor dem deutschen Überfall auf Polen und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs statt. Das Spiel in Tallinn endete 2:0 für Deutschland. In der Nationalmannschaft kickte mit Alfons Moog ein Spieler des VfL 99 Köln, der im Dezember 1939 zur Eintracht wechselte. Er spielte von 1939 bis 1941 für die Eintracht und absolvierte 24 Pflichtspiele, in der Nationalmannschaft brachte er es auf sieben Einsätze. 

1940 wurde Estland von der Sowjetunion annektiert und verlor die Unabhängigkeit, damit gab es auch keine Möglichkeiten mehr für Länderspiele. Erst nach Wiedergewinnung der Unabhängigkeit 1991 trat die estnische Fußballnationalmannschaft wieder auf, das erste offizielle Spiel fand am 3. Juni 1992 gegen Slowenien statt. Bis es zu einem weiteren Länderspiel gegen Deutschland kam, dauerte es bis zum Juni 2019. In Mainz siegte Deutschland in der EM-Quali mit 8:0. Diesmal war kein Eintrachtler dabei. Vielleicht ändert sich das ja bis zum Rückspiel im Oktober. Neben den Fußballern wurde eine damalige SGElerin in Tallinn schon Europameisterin: Gesa Felicitas Krause gewann 2011 bei der U20-Europameisterschaft die Goldmedaille im 3000-Meter-Hindernislauf. Und damit ist die Eintracht in Estland auch außerhalb des Fußballs erfolgreich gewesen.

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