Thomas Doll (52) trug in den 1990er-Jahren sowohl das Trikot der Eintracht als auch das des nächsten Gegners Lazio Rom. Wir haben ihn zu beiden Klubs befragt.

Thomas Doll, wie geht’s dir?
Mir geht’s blendend. Wir sind unterwegs in Italien und machen eine Rundtour. Seit Mitte August bin ich nicht mehr Trainer in Budapest. Jetzt nutzen wir die Zeit, die wir im Sommer nicht hatten. Wir tanken auf, das Wetter war zumindest Ende September noch traumhaft in Europa.

Wenn du an deine Zeit bei der Eintracht denkst, was hast du trotz aller Widrigkeiten Positives mitgenommen?
In Frankfurt hatte ich die schwierigste Zeit meiner Spielerkarriere und als Person. Zwei Monate vor der WM 1994 ist meine Achillessehne gerissen, ich war gerade gut dabei und auf dem Weg in den Kader. Im Sommer bin ich erst wieder nach Rom zurück zu Lazio, meinem Stammverein. Die Eintracht hat mich dann verpflichtet, obwohl ich verletzt war. Das war ein immenser Vertrauensvorschuss. Ich fühlte mich wohl in Frankfurt, es passte alles.  Dann habe ich mir die Parallelsehne zur Achillessehne im Fuß gerissen. Nach fünf Monaten war ich wieder gesund, dann fingen Probleme im linken Knie an. Bei der Operation habe ich mir noch eine Knieinfektion zugezogen. Insgesamt war ich neun Monate verletzt. Das war eine harte Zeit. Wir sind abgestiegen, obwohl wir viele gute Spieler hatten. Ich habe aber kaum gespielt. Das hat mich sehr gewurmt, ich wollte etwas zurückgeben. Ich bin nie wieder richtig auf die Beine gekommen. Auch nicht in Bari oder beim Hamburger SV, wo meine Spielerkarriere zu Ende ging.

Bei Lazio hattest du die deutlich bessere Zeit.
Wenn ein Fußballer gesund ist, kann er Topleistung bringen. Bei mir war das zur Lazio-Zeit der Fall. Ich hatte eine sehr gute Zeit, war einmal bester Ausländer der Liga. Die Integration ist mir nicht schwergefallen; ich war schon immer jemand, der offen und auf die Leute zugegangen ist. Und wenn man gut Fußball spielt, hat man immer positive Rückmeldungen. Ich habe damals auf einem sehr hohen Level agiert, war Stammspieler in der Nationalmannschaft.

Wie verfolgst du Lazio und den italienischen Fußball heute?
Ehrlich gesagt schaue ich öfter Bundesliga, Primera División oder die Premier League. Nimmt man noch die deutsche Zweite Liga und die internationalen Spiele hinzu, kann man jeden Tag Fußball im TV schauen. Aber ich lese viel über den italienischen Fußball und natürlich Lazio. Sie haben eine richtig gute Mannschaft, Sergej Milinkovic-Savic ist ein überragender Mittelfeldspieler und Ciro Immobile ein sehr starker Stürmer. Die zwei Niederlagen zum Auftakt in der Liga sollte man nicht überbewerten, gegen Neapel und Juventus Turin kannst du verlieren.

Und gegen die Eintracht?
In der Commerzbank-Arena musst du die Eintracht erstmal schlagen, das wird nicht einfach. Der Kessel wird brennen. Die Eintracht und die ganze Region lechzen nach internationalem Fußball. Es ist wichtig, dass die SGE zeigt, dass mit den deutschen Teams zu rechnen ist. Denn vergangene Saison haben wir international bis auf Bayern kein schönes Bild abgegeben. Es wäre schön, wenn die Eintracht was reißt.

Wie schätzt du die Gruppe ein?
Die Eintracht ist nicht Favorit, kann aber trotzdem für Furore sorgen. Wichtig ist, den Spagat mit der Bundesliga hinzubekommen. Denn nur wenn man in der Bundesliga gut dasteht, kann man sich auch auf die internationalen Spiele freuen. Für die Spieler ist es auf jeden Fall reizvoll, sich auf diesem Niveau zu messen. Das ist eine unglaublich interessante Gruppe, mit zwei sehr starken Gegnern aus Topländern. Es ist alles drin.

Wer gewinnt am Donnerstag, die Eintracht oder Lazio?
Wie gesagt, es wird nicht einfach für Lazio. Es ist ein 50:50-Spiel. Ante Rebic kann den Unterschied für Frankfurt ausmachen, wenn er topfit ist.

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