Seit zwei Wochen Adlerträger und seit wenigen Tagen frischgebackener Vater. Für Durm ist es eine bewegte Zeit. Dennoch hat er sich schnell eingewöhnt – was auch an Adi Hütters Spielweise liege.

Erik, du hast bis gestern individuell trainiert. Wie geht es dir gesundheitlich?
Gesundheitlich ist alles gut! Ich habe nur individuell trainiert, weil ich aufgrund der Geburt meines Kindes ein paar Tage nicht da war. Um dann wieder locker reinzukommen, habe ich im Kraftraum trainiert. Also alles super.

Der Wechsel von Sébastien Haller ist nun endgültig durch. Wie nimmst du die Stimmung im Team wahr und was glaubst du, wie groß der Einschnitt sein wird?
Ich habe es nur während meines Heimaturlaubs in der Zeitung gelesen und deshalb nicht wirklich mitbekommen, wie es in der Mannschaft aufgenommen wurde. Natürlich verlieren wir einen Spieler mit herausragender Qualität, der jeder Mannschaft helfen kann. Ich denke, die Mannschaft sieht das genauso, auch wenn ich noch nicht die Möglichkeit hatte, mit meinen Mitspielern zu sprechen.

Wie findest du dich nach den ersten Trainingswochen in Adi Hütters Spielweise und System zurecht?
Es macht viel Spaß, nach diesem ballorientierten System zu spielen. Mir gefällt das hohe Pressing und das direkte Zurückerobern des Balles. So sind wir näher am Tor, können direkt wieder angreifen. Es ist durchaus sehr intensiv, gerade für mich, weil wir in Huddersfield schon anders gespielt haben. Da standen wir eher tief. Jetzt geht es vorne drauf. Das ist natürlich sehr laufintensiv und die Trainingseinheiten sind lang, aber es macht uns allen Spaß.

Ist Hütters System vergleichbar mit dem, das du in Dortmund gewöhnt warst?
Ja, definitiv! Sowohl unter Jürgen Klopp als auch unter Thomas Tuchel haben wir sehr intensiv gespielt, ebenso unter Peter Bosz. Es erinnert mich vor allem an meine Anfangszeit damals unter Klopp. Aber ich bin jetzt hier in Frankfurt, die Zeit in Dortmund liegt hinter mir. Ich freue mich auf die Aufgabe und der Fußball hier macht einfach Spaß.

Die Umgewöhnung fällt dir aber aufgrund deiner Erfahrung in Dortmund nicht schwer, oder?
Nein, überhaupt nicht. Vor allem mir als Spieler kommt die Spielweise sehr entgegen. Ich bin schnell, habe eine gute Ausdauer. Und man hat ja auch gesehen, wie die anderen Jungs vergangene Saison geackert haben, um die Spielidee umzusetzen. Deshalb glaube ich, dass uns das als Team sehr zugutekommt.

Nach der überragenden vergangenen Saison liegt die Messlatte einerseits höher, andererseits gab es auch viele Veränderungen. Welche Ziele hältst du daher für die nächste Saison für realistisch?
Dadurch, dass ich erst zwei Wochen hier bin, kann ich dazu noch nicht so viel sagen. Es ist schwierig, bei so vielen Veränderungen ein konkretes Ziel festzulegen. Aber es steht außer Frage, dass wir unser Bestes geben werden. Die Mannschaft ist gut drauf, wir haben super Charaktere und Spieler mit hoher Qualität. Wir müssen sehen, was letztendlich herauskommt. Wir werden auf jeden Fall alles geben. Europa wäre natürlich ein Traum, alles andere ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu sagen.

Wie schätzt du die Tatsache ein, dass ihr aufgrund der Europa-League-Qualifikation schon so früh in die Pflichtspiele einsteigt?
Es ist nicht einfach, aber ich kenne das schon aus Dortmund, da hatten wir das auch mal. Damals konnte ich zwar nicht jedes Spiel machen, aber die anderen Jungs fanden es eigentlich gut, so früh in die Spielzeit hereinzukommen. So waren wir zu Beginn der Bundesligasaison direkt voll da, weil wir schon sechs Pflichtspiele hinter uns hatten. Deswegen denke ich, dass uns das durchaus auch zugutekommen kann. Die Vorbereitung ist zwar verkürzt, gleichzeitig sind wir aber schon im Spielbetrieb. Deshalb bin ich in dieser Hinsicht ganz positiv gestimmt.

Siehst du eine Gefahr hinsichtlich der Regenerationszeit, wenn die ersten Pflichtspiele so früh anstehen?
Wie gesagt, einfach wird es sicherlich nicht. Aber wir freuen uns auf die Spiele, wir freuen uns auf Europa. Wir sind uns natürlich bewusst, dass wir in der Favoritenrolle sind, und wollen dieser auch gerecht werden.

Wo siehst du dich im Moment bezüglich eines Platzes in der Startelf? Die Konkurrenz auf deiner Position ist nicht zu verachten …
Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich gebe in jedem Training Gas, genau wie die anderen Jungs auch. Wer letztendlich spielt, entscheidet der Trainer. Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Wir Jungs können nur versuchen, auf dem Platz alles zu geben. Das machen wir tagtäglich. Wer dann spielt, muss auf dem Platz alles aus sich herausholen – und die anderen müssen ihrerseits von draußen bestmöglich unterstützen. Das hat die Mannschaft im vergangenen Jahr ausgemacht, das war unübersehbar.

Durch die frühen Pflichtspiele trainiert ihr auch etwas anders. Dauerläufe, Bergläufe und so weiter finden nicht statt. Ist das angenehmer, wenn direkt der Fußball im Mittelpunkt steht?
Natürlich macht es mehr Spaß, am Ball zu sein. Gerade diese Einheiten am Ball mit viel Abstoppen, Sprints, Umschaltspiel und so weiter sind trotzdem sehr intensiv. Deshalb glaube ich, dass wir eine gute Mischung aus Fußballspielen und körperlich intensiven Elementen haben. Wir sind froh, dass der Ball im Spiel ist, aber deswegen ist die Vorbereitung nicht weniger anstrengend.

Habt ihr in England denn grundsätzlich anders trainiert?
Teilweise schon, aber das liegt an der anderen Spielausrichtung von Huddersfield. Natürlich kommt hinzu, dass in England häufig alle drei, vier Tage ein Spiel stattfindet. Gerade für die Spieler, die oft zum Einsatz kommen, dient die Zeit zwischen den Spielen eher zum Herunterfahren. Da sieht das Training dann schon etwas anders aus. Aber dadurch, dass wir nach den sechs Qualifikationsspielen hoffentlich in Europa spielen, wird das wahrscheinlich dann ähnlich sein.

Wie haben sich denn die ersten Tage als frischgebackener Vater angefühlt?
Sehr, sehr gut! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Familienvater zu werden ist etwas, worauf der Mensch sein ganzes Leben lang wartet. Wir sind sehr glücklich, alle sind gesund. Alles Weitere möchte ich gerne privat halten.

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