Der Deutsche Meister FC Bayern München greift am Samstag nach dem nächsten Double: Es wäre Nummer zwölf in der Vereinsgeschichte und gleichzeitig für Trainer Jupp Henyckes ein Bilderbuchabschied.

Bevor Bayern-Coach Jupp Heynckes den Staffelstab an seinen Trainerkollegen auf der anderen Bank im Berliner Olympiastadion übergeben wird, will sich die 73-jährige Legende gebührend verabschieden: Am besten mit einem Pokal in der Hand. Ließ er sich im vergangenen Herbst noch einmal zum Rücktritt vom Rücktritt bewegen und heuerte schon zum vierten Mal bei den Bayern an, scheint die fast 40-jährige Trainerkarriere nun endgültig zu Ende zu gehen. Zu oft brachte Heynckes in den vergangenen Wochen seine Sehnsucht zum Heimatort Schwalmtal am Niederrhein, seiner Familie und Schäferhund Cando zum Ausdruck. Im letzten Spiel möchte Heynckes, Welt- und Europameister von 1972, den insgesamt 19. Titel seiner Laufbahn einstreichen - und die bösen Geister des 19. Mai vertreiben. Exakt sechs Jahre vor dem Pokal-Finale gegen seinen Ex-Club verlor Heynckes mit den Bayern nämlich das "Finale dahoam" in der Champions League gegen Chelsea - vermutlich eine der bittersten Niederlagen seiner Karriere.

Prominente Ausfallliste

Der 28-malige Deutsche Meister aus München geht selbstredend als Favorit in die Begegnung mit der Eintracht. Selbst die prominenteste Ausfallliste Deutschlands kann an den Machtverhältnissen nichts ändern: Abwehrrecke Jerome Boateng (Oberschenkelverletzung) und Mittelfeldabräumer Arturo Vidal (Knie) werden am 75. DFB-Pokalfinale nur auf der Tribüne sitzen. Auch ein Einsatz von Welt-Keeper Manuel Neuer, der nach seinem Mittelfußbruch noch darum kämpft, bei der Weltmeisterschaft das deutsche Tor zu hüten, wird aktuell maximal auf der Bank Platz erwartet. Zumal Vertreter Sven Ulreich bis auf den Patzer im Halbfinale des Champions League-Halbfinals bei Real Madrid in dieser Saison einen herausragenden Job verrichtet hat. Juan Bernat und Arjen Robben plagen noch muskuläre Probleme, die aber bis zum Anpfiff behoben sein sollten.

Routiniers machen Nägel mit Köpfen

Robben war wie Franck Ribéry und Rafinha unter der Woche in den Schlagzeilen: Alle drei bleiben dem Klub auch in der kommenden Saison erhalten - die Tinte unter neuen Verträgen bis 2019 ist gerade erst getrocknet. Mit einem Sieg gegen die Eintracht könnte das Trio dem Rekordmeister das mittlerweile zwölfte Double sichern - und es wird vermutlich nicht der letzte Titel für die drei sein. "Hier zählt nur gewinnen, hier zählen nur Titel. Ich bin hiergeblieben, weil ich voll angreifen und wichtig für die Mannschaft sein will", machte Robben erst einmal klar. Im Falle eines Sieges darf sich der 34-Jährige am Samstag auch wieder richtig freuen - in der Meisterschaft hatte der Außenbahnspieler aus den Niederlanden moniert, dass die Meisterschale am Tag der Entscheidung vergeben werden müsse - und nicht nach dem letzten Spiel. In dieser Hinsicht hat der Pokal der Liga auf jeden Fall einiges voraus.

Drei im Fokus

Robert Lewandowski - Ungewohnte Ladehemmung gegen die SGE
Am vergangenen Samstag erhielt er zum dritten Mal in seiner Karriere die Kicker-Torjägerkanone der Bundesliga. Dieses Kunststück will der polnische Star nun auch im Pokal nach 2011/12 und 2016/17 schaffen - fünf Tore stehen bislang für Lewandowski zu Buche, Teamkollege Thomas Müller und SGE-Angreifer Sebastian Haller lauern dahinter mit je vier. Gegen die Eintracht hat der 29-Jährige bisweilen allerdings ungewohnte Ladehemmungen, traf in dieser Saison nur gegen Stuttgart und die SGE nicht.

Jupp Heynckes - Nachholbedarf im Cup
Grandiose Fakten pflastern den Weg von "Don Jupp": 1.700 Pflichtspiele als Spieler und Trainer, insgesamt acht Deutsche Meisterschaften, das furiose Triple mit den Bayern 2013. Der DFB-Pokal ist aber gar nicht mal so beliebt im heimischem Pokalschrank: Der 73-Jährige holte ihn nur je einmal als Spieler und Trainer. 1973 mit Gladbach gegen Köln (2:1 nach Verlängerung) - und eben im Triple-Jahr durch ein 3:2 mit den Bayern gegen den VfB Stuttgart. Gerade in seinen vier Amtszeiten als Bayern-Coach gab es bittere Rückschläge, so das 0:1 gegen Weinheim in Runde eins 1990, oder auch das 2:5 gegen Borussia Dortmund im Jahr 2012.

Javi Martinez - Konstante statt Korbjäger
Fast wäre er dem Basketball verfallen und mit einer Back-Packing-Tour in Australien hat er zudem noch einen außersportlichen Traum: Javi Martinez guckt gerne mal über den Tellerrand hinaus. Bei den Bayern ist der Spanier in den wichtigen Spielen eine echte Konstante, kam in den K.o.-Spielen oder entscheidenden Meisterschafspartien stets zu Startelfeinsätzen. Der 29-Jährige besticht nicht nur in dieser Spielzeit durch eine beeindruckende Passquote (93% an den Mann), sondern auch durch ein starkes Zweikampfverhalten (63% gewonnene Duelle).

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