In den Analysen des Bundesligaspiels zwischen Hoffenheim und Frankfurt war ein Aspekt der Faktor Glück. Was einerseits berechtigt ist, andererseits aber zu kurz greift.

Als sich Tiger Woods einmal von einem Journalisten mit der Aussage konfrontiert sah, er habe oftmals Glück, erwiderte der Golfstar unbeeindruckt: „Je mehr ich trainiere, desto mehr Glück habe ich.“ Nun gestalteten sich die Übungsgelegenheiten der Frankfurter Fußballprofis angesichts sieben Spielen binnen 24 Tagen zuletzt überschaubarer als sonst. Wenn danach aber vier Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen stehen, kann von Zufall keine allzu große Rede sein. Oder wie Fredi Bobic nach der Willensleistung bei der TSG Hoffenheim befand: „Wir haben uns das nötige Quäntchen Glück wieder erarbeitet.“

Vor allem Qualität

Der Sportvorstand hatte in der Bewertung des 2:1-Sieges die beiden Lattentreffer aus dem ersten Durchgang der Hausherren freilich nicht unberücksichtigt gelassen, nicht ohne daran zu erinnern: „Wir hatten auch schon Spiele, wo es umgekehrt war.“ Beispielsweise beim Pokal-Aus in Ulm, als die Eintracht vor dem Rückstand zweimal Alu getroffen und weitere große Chancen vergeben hatte. Dagegen „haben wir uns heute eiskalt präsentiert“, lobte der einstige Torjäger Bobic die seit Wochen vor der Kiste effizienten Adlerträger. Entsprechend sind die beiden Lattentreffer zwar nicht von der Hand zu weisen, schmälern aber nicht die eigene Qualität im Torabschluss! Immerhin hatte Frankfurt in der Liga noch gar keine Berührung mit dem Torrahmen gehabt. Hoffenheim dagegen zuvor schon sechs Mal zu eigenen Gunsten. Und trotzdem glichen die Kontrahenten von Sonntag bei exakter Punkt- und Torgleichheit tabellarisch wie ein Ei dem anderen.

Lösungen statt Probleme

Mit der numerischen Ausgewogenheit war es in Sinsheim nach einer Stunde dahin, als Rebic mit Gelb-Rot den Platz verlassen musste. Dass der Gastgeber danach zwar überlegen, aber gegen die einsatzfreudigen Hessen nur bedingt durchschlagskräftig agierte, zeugte einmal mehr von der unbändigen Unbeugsamkeit des Pokalsiegers. Und nicht zuletzt von seiner Homogenität. Fast jeder Akteur erhielt zuletzt Pausen, fast für jeden fand es adäquate Vertreter. Auch am Sonntag tauschte Chefcoach Adi Hütter auf vier Positionen, doch von Substanzverlust keine Spur. Der weil an nahezu allen Toren beteiligt als Lebensversicherung wirkende Sébastien Haller auf der Bank – Rebic und Jovic knipsen. Mijat Gacinovic ebenfalls erst draußen – leitet wenige Sekunden nach seiner Einwechslung das 2:0 ein. So ließe sich die Reihe endlos fortführen: David Abraham verletzt – Marco Russ steht seinen Mann. Jetro Willems gesperrt – Außenstürmer Filip Kostic spielt Linksverteidiger, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Auf der Gegenseite gibt Danny Da Costa scheinbar ohne Ermüdungserscheinungen seit Wochen auf der rechten Seite den Alleinunterhalter und entdeckt gegen Lazio Rom sogar den Torjäger in sich.

Diese gegenseitige Opferbereitschaft reicht weit über das grüne Rasenrechteck hinaus, wie gestern wieder gesehen, als die über 2.800 mitgereisten Fans mittels Transparenten Lucas Torró in dessen schweren Stunden beistanden. „Der Sieg war auch einer für Lucas Torró“, tat hinterher auch der für den Spanier ins Team gerückte Gelson Fernandes kund und verkörperte damit die allgegenwärtige Sensibilität, Spielglück und außersportliche Schicksale differenziert zu betrachten.

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