Djibril Sow wäre der geborene Flügelspieler. Doch unentbehrlich hat er sich zuletzt im Mittelfeldzentrum gemacht. Aus guten Gründen.

Theoretisch könnte Djibril Sow dieser Tage auch mit Senegal beim Afrika-Cup weilen. Doch dieser Möglichkeit verwehrte sich der gebürtige Züricher bereits im vergangenen Herbst bewusst, als der langjährige Schweizer Juniorennationalspieler am 8. September 2018 gegen Island sein Debüt für die A-Mannschaft feierte. Auch wenn der Vater senegalesischer Abstammung ist, wäre alles andere als das Bekenntnis zur Alpenrepublik eine Überraschung gewesen – die Nominierung war es längst nicht mehr, insgsamt berief Vladimir Petkovic den Youngster bislang vier Mal für die „Nati“.

Dass Sow Schweizer durch und durch ist, erkennt jeder allein im direkten Gespräch, die Zür’cher Zunge ist unüberhörbar. Sein bislang einziges Intermezzo außerhalb der Heimat gab der 1,84-Meter-Schlaks zwischen 2015 und 2017 bei Borussia Mönchengladbach, als der damals 18-Jährige an den Niederrhein wechselte, die Konkurrenz im Fohlenstall aber damals zu groß war. Nach zwei Einsätzen im DFB-Pokal, darunter das Halbfinalaus 2017 gegen die Eintracht, und einem in der Bundesliga ging es vor zwei Jahren retour, zu den BSC Young Boys, deren Sportchef seit 2016 mit Christoph Spycher ein vormaliger Adlerträger ist. Wie der frühere Linksverteidiger gilt auch der Sommerneuzugang als bodenständig, fleißig und fokussiert.

Ein Umfeld wie geschaffen

Bei den Young Boys traf Sow auf eine nach genau diesem Gusto geprägte Mannschaft, die entsprechend nicht zufällig vornehmlich aus jungen Männern mit afrikanischem Hintergrund bestand. Ob Yvon Mvogo (heute Leipzig), Denis Zakaria (Borussia Mönchengladbach) oder zuletzt Kevin Mbabu (VfL Wolfsburg) – sie alle sorgten in Bern für Furore und empfahlen sich für die deutsche Bundesliga. Bei der Eintracht trifft Sow auf ein vergleichbar buntes Umfeld.

Dabei unterscheidet sich der bescheidene und ruhige Sow von jenem auf dem Rasen. Der 22-Jährige bezeichnet sich selbst unumwunden als einen Spieler, „der auf dem Platz gerne die Sau rauslässt.“ Also als zentraler Mittelfeldspieler nonstop vom einen zum anderen Strafraum hetzt, und das meist in einem Tempo, mit dem er sich zweifellos als Flügelstürmer eignen würde, von seinen technischen Fertigkeiten ganz zu schweigen.

Taktgeber mit Topspeed

Noch ausgeprägter ist aber sein strategisches Gespür, sich in den richtigen Räumen zu bewegen, weshalb sowohl Adi Hütter 2017/18 als auch dessen nachfolgender Trainer Gerardo Seoane 2018/19 höchst selten auf Sows Dienste als Taktgeber im zentralen Mittelfeld verzichteten. Im Jahr der ersten Meisterschaft seit 32 Jahren kam das Laufwunder von Bern wettbewerbsübergreifend auf 38 Einsätze, bei der Titelverteidigung in der abgelaufenen Spielzeit auf 39 Pflichtspiele. Allein dabei sprangen insgesamt vier Tore heraus, eine Disziplin in der sich Sow noch steigern möchte.

An Selbstüberwindung mangelt es dem spielmachenden Antreiber am wenigsten. Bis März vergangenen Jahres schloss er über 18 Wochen erfolgreich die Schweizer Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen ab. Wenn Sportvorstand Fredi Bobic von einem „spannenden Spieler“ spricht, führt er gleichwohl vor allem sportliche Gründe an. „Er kann eine wichtige Rolle im Mittelfeld ausfüllen, wir werden ihm die nötige Zeit dafür geben.“


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