Die erste Niederlage im zwölften Rückrundenspiel kam eher unerwartet. Zumal sie einige vermeintliche Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzte.

Zum zweigleisigen Erfolgsgeheimnis in der Saison gehört nicht nur, dass die Adlerträger auf europäischer Ebene gefühlten Königsklasseteams alles abverlangen, sondern auch zuverlässig ihrem Brot-und-Butter-Geschäft Bundesliga zuverlässig nachgehen. Die Eintracht verlor gegen kein Team, das zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens in der unteren Tabellenhälfte gestanden hatte – bis am Sonntagabend der FC Augsburg im Stadtwald aufschlug.

Dass die Hessen mit derlei „Sandwich“-Spielen zwischen zwei aufeinanderfolgenden internationalen Festtagen gut zurechtkommen, hatten sie erst im Vormonat in Düsseldorf bewiesen, als dem pflichtgemäßen 3:0 die Kür in San Siro folgte. Dennoch war es beispielsweise nicht von der Hand zu weisen, dass die Truppe aufgrund höherer Mächte in Lissabon erst gegen Freitagabend nach Frankfurt zurückgekehrt war und effektiv einen Tag Pause hatte. Es war der Anfang einer Pleite, die zwar mit Pech und Pannen, aber auch Selbstverschulden zu tun hatte, wie Adi Hütter hinterher anmerkte: „Wir haben es zu Beginn verpasst, in Führung zu gehen beziehungsweise nach dem 1:0 direkt das 2:0 nachzulegen. Augsburg hat dann zweimal eiskalt zugeschlagen“, brach der Cheftrainer den Auftritt auf die Quintessenz des Spiels, das Toreschießen, herunter. Tatsächlich schienen die Hausherren vor 51.000 Zuschauern zunächst vieles im Griff zu haben. Die Gäste präsentierten sich alles andere als sattelfest, erste Chancen ließen nicht lange auf sich warten. Allein Luka Jovic sollte am Ende acht Torschüsse verzeichnen, von denen aber keiner den Weg ins Ziel fand. Im Gegensatz zu den Gästen, die mit dem allersten Abschluss nach einer halben Stunde zum 1:1 kamen, als Marco Richter im Strafraum zu wenig Gegenwehr erfuhr und die Führung durch Goncalo Paciencia nach einer Viertelstunde egalisierte.

Millionenpublikum und Wundertüte

Der Portugiese war neben Almamy Toure einer von zwei Neuen in der Startelf und verwertete, natürlich, eine maßgeschneiderte Flanke von Filip Kostic per Kopf. Das sollte an diesem Tag aber eines der wenigen vertrauten Gefühle bleiben. Abgesehen natürlich von dem einer einmal mehr nahezu ausverkauften Commerzbank-Arena, sodass die Eintracht in dieser Saison schon jetzt wettbewerbsübergreifend über eine Million Besucher begrüßen durfte!

Die Anziehungskraft des Traditionsverein war Martin Schmidt noch bestens bekannt. „Es war ein sehr schönes Zurückkommen ins Rhein-Main-Gebiet für mich, in dem ich fast neun Jahre gelebt habe“, tat der Gästetrainer kund. Schmidt hatte erst am Dienstag die Nachfolge von Manuel Baum angetreten, weshalb die Fuggerstädter als eine Art Wundertüte gleichkamen, was sicher auch zur Geschichte des gestrigen Spiels gehört. Nach zwei verletzungsbedingten Auswechslungen, darunter Martin Hinteregger, der gegen seinen Stammverein beim Stand von 1:0 mit Oberschenkelproblemen nicht weitermachen konnte, gab es in der ersten Halbzeit vier Minuten Nachspielzeit, die Augsburgs Richter mit bis zum 1:2 ausreizte. Es war der dritte Torschuss der Fuggerstädter in Durchgang eins.

Schreckgespenst Schmidt

Dennoch war eine Niederlage statistisch weiter eigentlich undenkbar. Erstens, weil keines der vorangegangenen 36 Bundesligaspiele, in denen das Team zwischenzeitlich in Führung gelegen hatte, verloren gegangenen war, was letztmals im Mai 2017 gegen den 1. FSV Mainz 05 passierte – gegen Martin Schmidt, der mit dem FSV ein 0:2 in ein 4:2 drehte. Zweitens, weil die Adler von den vorangegangenen elf Bundesligaspielen gegen Mannschaften, die zuvor den Trainer gewechselt hatten nur eine verloren – im Februar 2015 gegen Martin Schmidt 1:3…

Unabhängig von derlei Aberglauben weiß Trainerkollege Hütter auch, dass „der Platzverweis uns den Zahn gezogen hat, weil wir schon am Donnerstag lange in Unterzahl agieren mussten und das natürlich Kraft gekostet hat.“ Nach der Gelb-Roten Karte gegen Gelson Fernandes mussten die Hessen nahezu eine Halbzeit lang mit einem Mann weniger auskommen. In Addition zu Donnerstag hieß das: Knapp 115 von 180 Minuten in Unterzahl! Dass mit einem Kraftverlust zwangsläufig auch die Konzentration nachlässt, spiegelte sich nicht nur beim Torabschluss, sondern auch in einer ausbaubaren Passquote von 66 Prozent wider. Kontergelegenheiten für die bayerischen Schwaben waren die logische Folge, das 1:3 durch Michael Gregoritsch kurz in der Schlussphase am Ende nicht mehr zu verhindern. Noch in der Hinrunde hatten die Adler mit 3:1 die Oberhand behalten.

So bleibt neben der Erkenntnis, zwar wenig zustande gebracht, aber alles versucht zu haben, auch die Tatsache haften, dass die Eintracht weiter von Platz vier grüßt und am Donnerstag mehr als nur theoretische Chancen aufs Weiterkommen besitzt. Zwei Niederlagen am Stück hatte es auch in der Hinrunde gegen Wolfsburg und Hertha gesetzt, danach folgte ein 2:1-Sieg bei S.S. Lazio.

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