Der FC Bayern ist seit zwölf Bundesligaspielen ungeschlagen und seit drei Partien ohne Gegentor. Das steckt hinter der zurückerlangten Vormachtstellung.

Situation

Am Mittwoch beendeten der Spitzenreiter und sein Kapitän Manuel Neuer die Spekulationen um eine Vertragsverlängerung. Die Nummer eins unterschrieb einen neuen Vertrag bis zum 30. Juni 2023. Nach Thomas Müller (ebenfalls bis 2023) und Alphonso Davies (2025) haben die Bayern damit den dritten Leistungsträger langfristig gebunden. Die neuen Kontrakte darf Cheftrainer Hans-Dieter Flick sicherlich auch als Vertrauensbeweis in seine Arbeit verstehen. Der ehemalige Co-Trainer erfreut sich nach seiner Beförderung im November 2019 nicht nur großer Beliebtheit bei den Spielern, sondern führte den Rekordmeister auch souverän von Platz vier zurück an die Tabellenspitze. In 16 Spielen gab es 13 Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen. Auch in den (inter-)nationalen Pokalwettbewerben sind die Bayern weiter im Rennen – im Achtelfinalhinspiel der UEFA Champions League sorgten die Münchner mit einem 3:0-Auswärtserfolg beim Chelsea FC für eine vielversprechende Ausgangsposition, auch wenn noch nicht klar ist, ob und wie der Europapokal fortgesetzt werden kann. Im Halbfinale des DFB-Pokals trifft der FCB bekanntlich zweieinhalb Wochen nach der Partie am Samstagabend erneut auf die Eintracht.

Formkurve

Der Rekordmeister startete die Saisonfortsetzung am Sonntag dank zweier Treffer nach Standards mit einem 2:0-Auswärtssieg bei Union Berlin. Und auch vor der etwa zweimonatigen Zwangspause lief es bei den Bayern mehr als gut. In den jüngsten zwölf Ligaspielen ging der Titelverteidiger elf Mal als Sieger vom Platz – lediglich das 0:0 am 21. Spieltag gegen Leipzig unterbrach diese fast makellose Serie. Neben der mit 26 Gegentreffern stabilsten Abwehr stellen die Bayern mit 75 Toren auch die beste Offensive der Liga. Gegen Union Berlin erzielte der FCB den 50. Treffer im 16. Spiel unter Hansi Flick – früher konnte kein Bayern-Trainer diese Marke knacken. Dem Torverhältnis von 50:10 in den Partien nach dem Trainerwechsel steht eines von 25:16 in den ersten zehn Spielen bis zur 1:5-Niederlage in Frankfurt am zehnten Spieltag gegenüber. Eine deutliche Steigerung, die den Anspruch untermauert, erneut den Titel gewinnen zu wollen.

Trainer

Nach der Trennung von Niko Kovac übernahm Co-Trainer Hansi Flick vorerst als Übergangslösung den Cheftrainerposten. Seitdem haben die Bayern 40 von 48 möglichen Zählern geholt. Der entsprechende Punkteschnitt von 2,5 bedeutet für Flick den besten aller Bundesligatrainer. Seine Karriere startete der ehemalige Mittelfeldspieler 1982 beim SV Sandhausen, ehe er zwischen 1985 und 1990 bei den Bayern unter Vertrag stand. Den Beginn seiner Trainerlaufbahn machte der 55-Jährige beim damaligen Oberligisten FC Bammental, bevor er von 2000 bis 2006 als Coach der TSG Hoffenheim nach dem Aufstieg in die Regionalliga mehrfach den von Verein anvisierten Sprung in die Zweite Bundesliga verpasste. Im Anschluss besetzte er den Co-Trainerposten neben Giovanni Trapattoni (Salzburg), Jogi Löw (Nationalmannschaft) und später Niko Kovac (FC Bayern), zwischenzeitlich war er Sportdirektor des DFB. Nun sitzt er bekanntlich wieder als Cheftrainer (Vertrag bis 2023) auf der Bank und überzeugt mit mutigem Spielstil und intelligenter Menschenführung Spieler, Fans und FCB-Verantwortliche von sich. Dazu gehört auch Oliver Kahn, der Anfang des Jahres seine neue Aufgabe als Sportvorstand antrat.

Taktiktafel

Während Niko Kovac die Bayern in den ersten zehn Partien dieser Saison häufig im 4-2-3-1 auflaufen ließ, ist Hansi Flick zum altbewährten 4-3-3-System zurückgekehrt. Die Viererkette, bestehend aus Alphonso Davies, David Alaba, Jerome Boateng und Benjamin Pavard, hat sich nach den früh in der Saison eingetretenen Verletzungen von Niklas Süle und Lucas Hernández mittlerweile sehr gut eingespielt. Der Spanier und Rekordtransfer des Rekordmeisters musste daher zuletzt trotz Wiedergenesung auf der Bank Platz nehmen. In den beiden Ligapartien vor der Zwangspause setzte Flick im Mittelfeld auf Thiago, Thomas Müller und Joshua Kimmich. Im Sturm liefen Philippe Coutinho und Serge Gnabry auf – der erst 19-jährige Joshua Zirkzee übernahm die Rolle des verletzten Toptorjägers Robert Lewandowski. Nun ist der Pole wieder fit, Coutinho allerdings fehlt den Bayern verletzungsbedingt. Am vergangenen Sonntag gegen Union Berlin rückte Serge Gnabry auf die zuvor vom Brasilianer besetzte linke Seite, Zirkzee musste für Lewandowski weichen. Thomas Müller stieß nach vorne rechts und machte im Mittelfeld Platz für Leon Goretzka. Nicht unwahrscheinlich, dass Flick nach dem erfolgreichen Wiederstart erneut auf diese Startformation setzt.

Spieler im Fokus: Alphonso Davies

Der 19-jährige Kanadier wechselte bereits in der Winterpause 2018 nach München, kam in seiner ersten Saison zunächst auf sechs Einsätze und insgesamt 74 Spielminuten. Auch in dieser Runde stand der Linksverteidiger anfänglich nur einige Minuten auf dem Feld, ehe er am neunten und zehnten Spieltag gegen Union Berlin und die Eintracht jeweils von Beginn an ran durfte. Spätestens seit dem Trainerwechsel ist Davies zum Leistungsträger gereift und aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken – auch weil der ursprünglich als Back-up für die Außenstürmer gedachte Davies eine Ebene weiter hinten seinen Sturmdrang auszuleben versteht. In den 16 Partien unter Flick verpasste der Kanadier lediglich 37 von 1.440 Spielminuten. Dabei überzeugt der 19-Jährige vor allem mit seiner Offensivstärke und seiner Geschwindigkeit. Der Linksverteidiger kommt mit einem Tor und drei Vorlagen auf vier Scorerpunkte und ist mit einem Top-Speed von 35,29 Kilometern pro Stunde einer der schnellsten Spieler und der Liga – zudem ist kein Linksverteidiger schneller. Mit 685 Sprints kann Davies zusätzlich ligaweit die fünftmeisten verbuchen. Vereinsintern liegt er damit sogar an der Spitze.

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