Während deutschlandweit der Fußball ruht, ging es für die Abiturienten in Hessen bis vergangene Woche in den Abschlussprüfungen um Punkte. Darunter sieben U19-Spieler wie Max Hinke.

„Besser als gedacht", berichtet der Stammtorhüter von den absolvierten praktischen Prüfungen in den Leistungskursen Englisch, Mathe und – natürlich – Sport. Auch wenn planmäßig in sechs Wochen die finalen mündlichen Tests in Deutsch und Geschichte bevorstehen, präsentiert sich der 19-Jährige dieser Tage wie überhaupt in dieser Saison überaus abgebrüht. Ende November hat der Schlussmann der U19 innerhalb einer Woche zwei Elfmeter pariert. Der Rückhalt weiß also, was es bedeutet, auf den Punkt zur Stelle zu sein. Was in seinen Augen wenig von ungefähr kommt. „Ich glaube, das gehört zur Mentalität eines Torhüters dazu. Ich bin der letzte Mann auf dem Platz. Und ab einem gewissen Alter sollte jeder auf seine Fähigkeiten vertrauen können.“

Fitter, sicherer – selbstbewusster

Dass Hinke dies in der laufenden Spielzeit so gut wie nie zuvor gelingt, hat auch mit seinen seit Sommer gemachten Erfahrungen im Profibereich zu tun, was nicht allein zu einem sichtbaren sportlichen Entwicklungssprung geführt hat. „Respekt vor den Älteren gehört in jedem Lebensbereich dazu“, so Hinke. Neben der Arbeit mit A-Junioren-Torwarttrainer Stephan Loboué, der mit seinem Schützling nach jedem Spiel in die Videoanalyse geht, kann Hinke auch der Zusammenarbeit mit Jan Zimmermann viel abgewinnen. Im ersten Halbjahr noch als Mitspieler und Zimmergenosse während der Trainingslager in Windischgarsten und Florida sowie auf Europa-League-Reisen, seit Ende Januar als Torwarttrainer. „Er hat mich vom ersten Tag an die Hand genommen, mir Übungen speziell im Kraftbereich, aber auch torwartspezifisches Know-how beigebracht“, berichtet die Nummer 41 der Lizenzspieler. Auch Vorgänger Moppes Petz habe ihn physisch auf ein neues Niveau herangeführt.

Die Folge: „Ich fühle ich mich fitter, sicherer und gehe mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein in die Spiele.“ Was sich nicht zuletzt auch in der veränderten Körpersprache widerspiegelt. So sieht sich der Internatler, der 2017 in der Saarlandauswahl auf sich aufmerksam und daraufhin von der SV Elversberg den Weg zur Eintracht gefunden hatte, selbstbewusst in der Rolle eines Leistungsträgers, oder wie er erläutert: „Ich übernehme mehr Verantwortung, delegiere mehr – und habe am Ende bestenfalls weniger zu tun.“

Stresstests als Segen

Doch auch mit Blick auf seine Kernkompetenz, die Torverhinderung, kann Hinke auf die Erkenntnisse „Zimbos“ zählen, der zweimal pro Monat die Nachwuchskeeper unter seine Fittichen nimmt. „Er hat uns Statistiken gezeigt, wonach etwa 80 Prozent aller Tore innerhalb des Strafraums fallen. Wenn man das weiß, bereitet man sich gezielter auf diese Szenarien vor und hat im Spiel Vorteile.“ Kurze Pause. „Eigentlich läuft es im Leben und in der Schule genauso“, bestätigt der Teenager auf Nachfrage.

Insofern habe er die Doppel- und Dreifachbelastung, zwischen Torpfosten und Schulbank, zwischen Rieder- und Stadtwald zu pendeln nicht als Nachteil empfunden. „Natürlich war es in gewissen Phasen anstrengend, aber dadurch hatte ich geregelte Abläufe. Wenn ich manchmal auf Training verzichtet und mich nur aufs Lernen konzentriert hätte, wäre ich wahrscheinlich eher verkrampft. Ich denke, meine und unsere Leistungen haben nicht darunter gelitten.“

Auf dem kurzen Dienstweg

So viel ist sicher. Die U19 muss sich erstmals seit Jahren nicht mit Abstiegssorgen beschäftigen, steht auf Platz sechs und ist mit fünf Siegen aus sieben Spielen das zweitbeste Team der Rückrunde. „Das tut allen gut, so können wir uns komplett auf unsere Entwicklung konzentrieren“, bekräftigt Hinke, der selbst am letzten Spieltag der Vorsaison in Ingolstadt kurz vor Schluss mit einem an die Latte gelenkten Distanzschuss den Ausgleich und damit den Abstieg verhindert hatte. Zehneinhalb Monate später rechnet er nun vor: „Wir haben wenig verloren“, genau genommen vier Mal. Davon zwei Mal ohne die Nummer eins, die zwischen November und Dezember eine Rotsperre absitzen musste; einen Punkt aus vier Spielen holten die Adlerträger in dieser Zeit.

Umgekehrt weiß Hinke auch um die Wichtigkeit seines Umfelds für ihn selbst. Die mit dem Nachwuchsleistungszentrum kooperierende Carl-von-Weinberg-Schule ermöglicht Unterrichtsbefreiungen wie während internationalen Auswärtsspielen unter der Woche. „Dafür habe ich viel zuhause nachholen müssen.“ In diesem Zusammenhang sei Florian Zorn eine große Unterstützung gewesen, der nicht nur Teamkollege, sondern auch Klassenkamerad ist und ihn auf dem kurzen Dienstweg mit dem entsprechenden Lernstoff versorgt hat.

Bausteine gelegt

Der direkte Kontakt zum Angreifer wie allen Mitspielern ist seit Ausbruch der Coronapandemie zwangsläufig nicht möglich. Mit vielen bestehe zwar telefonischer Austausch, „aber das Gefühl, gemeinsam auf dem Platz zu stehen, vermissen wir schon“, bekennt der Blondschopf, der nicht zuletzt den gewachsenen Teamgeist als Erfolgsgeheimnis in dieser Spielzeit ausmacht. Doch auch im Homeoffice bleiben die Verpflichtungen eines Leistungssportlers nicht aus. Nachdem Mitbewohner und Innenverteidiger Yannick Brugger über die trainingsfreie Zeit bei der Familie in Bayern weilt, hat Hinke die Wohnung an der Tennisanlage am Riederwald aktuell für sich. Eigens dafür ausgehändigtes Equipment erleichtern die individuellen Einheiten im Kraft-, Stabilisations- und Ausdauerbereich. „Ich finde am Riederwald optimale Bedingungen vor“, fühlt sich Hinke im Herzen Europas pudelwohl. Über Ostern zieht es ihn voraussichtlich dennoch zu den Eltern nach St. Wendel. „Die Überlegungen gab es schon zu Beginn der Quarantäne, aber weil im Saarland die Situation noch verschärfter ist, hat es für uns erstmal keinen Sinn gemacht.“

Auch sonst hat Hinke klare Vorstellungen: „Zunächst müssen wir natürlich die Herausforderungen der Coronakrise meistern. Aber mein Ziel bleibt, Profifußballer zu werden. Dafür habe ich zuletzt die entsprechenden Bausteine gelegt und Leistungen gebracht.“ In sportlicher wie schulischer Hinsicht.

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