Wer glaubt, Frankfurt und London verbinde einzig das Bankgewerbe, hat nur noch nicht energisch genug an der Oberfläche gekratzt. Eine Geschichtsstunde der anderen Art.

Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, dass die Eintracht eigentlich schon gegen die ganze Welt gekickt hat. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es auch eine Statistik gegen Chelsea FC gibt. Die ist zwar nicht besonders ausführlich, aber erfolgreich. Denn stolz wie Bolle können die Adlerträger verkünden: „Gegen Chelsea sind wir verlustpunktfrei!“ Doch der Reihe nach.

Als der Gegner von Donnerstag 1910 zum ersten Mal in Frankfurt spielte, durfte die Eintracht noch nicht mittun. Im Rahmen der „Internationalen Ausstellung für Sport und Spiel“, die von Mai bis Juli 1910 auf dem Festhallengelände stattfand und unter der Schirmherrschaft des Kronprinzen Wilhelm stand, gab es ein Fußballspiel zwischen den „englischen Professionsspielern“ von Blackburn Rovers und Chelsea FC. Die Ausstellung sollte die Menschen in Deutschland für den Sport begeistern, lockten die Verantwortlichen professionelle Kicker ins Herzen von Europa. Die Veranstalter waren mächtig stolz, die beiden großen Mannschaften aus England zu präsentieren, die ein Fußballspiel „nach den Regeln der Football Association“ spielten. 6.000 Fans bestaunten einen 5:3-Sieg von Chelsea. Übrigens wurde für die Ausstellung an der Festhalle extra ein Stadion aufgebaut, die Arena. Deren Tribüne wanderte einige Jahre später an den Ratsweg und wurde die erste Tribüne des Riederwaldstadions.

Ein halbes Jahrhundert später

Es dauerte fast 50 Jahre und zwei Weltkriege, ehe Chelsea und Frankfurt erneut aufeinandertrafen. Wieder war es kein Spiel der beiden Vereinsmannschaften. Denn ein Vorgänger des Europapokals war der sogenannte Messepokal. Hier spielten Mannschaften von Messestädten gegeneinander. Die Mannschaft Frankfurts traf 1955 in Gruppe 1 auf die Städtemannschaften aus Basel und London. Am 26. Oktober 1955 reiste Frankfurt nach London. Von der Eintracht spielten nur Richard Kreß und Alfred Pfaff, die anderen Frankfurter Spieler kamen vom FSV Frankfurt oder von den Kickers aus Offenbach. Trainer der Frankfurter Mannschaft war Paul Oßwald (damals noch beim OFC), Trainer von London kein Geringerer als John „Joe“ Mears, von 1940 bis zu seinem Tod 1966 Präsident des Chelsea FC. Die Londoner Mannschaft bestand aus Spielern von Tottenham, Millwall, Fulham, Charlton Athletic, Leyton Orient und Chelsea (Sillett, Willemse, Bentley). Bereits nach 30 Minuten führte Frankfurt in Wembley vor 35.000 Zuschauern mit 2:0, doch im zweiten Durchgang drehte London die Partie und gewann mit 3:2. Aus organisationstechnischen Gründen fand das Rückspiel erst im März 1957 in Frankfurt statt. Am Riederwald siegte Frankfurt gegen London mit 1:0. Für den Gruppensieg reichte es trotzdem nicht, nach einer Niederlage in Basel schied Frankfurt aus dem Messepokal aus. London erreichte das Finale, unterlag hier aber dem FC Barcelona.

An einen weiteren Eintracht-Bezug wird sich unser heutiger Gegner nicht gerne erinnern. Im Halbfinale des Messepokals 1965/66 trafen der spätere Titelträger FC Barcelona und Chelsea aufeinander. Das Hinspiel endete 2:0, ebenso das Rückspiel. Ein Entscheidungsspiel musste her. Und das gewann der FC Barcelona am 25. Mai 1966 gegen Chelsea mit 5:0. Schiedsrichter der Partie war der deutsche Kurt Tschenscher, die beiden Linienrichter waren die Herren Fürchtenicht und Heckeroth. Während von Herrn Fürchtenicht nur bekannt ist, dass er aus Frankfurt kam, ist von Werner Heckeroth überliefert, dass er seit 1951 Eintracht-Mitglied war und der Schiedsrichter-Gruppe des Vereins angehörte.

Solz schießt das erste Tor

Das erste direkte Aufeinandertreffen zwischen der Eintracht und Chelsea ganz ohne Städtemannschaft und vereinsinternem Linienrichter war ein Freundschaftsspiel am 14. August 1966. Lediglich 6.000 Fans verliefen sich am Riederwald, die Eintracht siegte durch ein Tor von Wolfgang Solz mit 1:0. In den Vereinsnachrichten der Eintracht grummelte der zuständige Redakteur: „Leider beschränkten sich die Engländer auf eine reine Defensivtaktik, sodass der 1:0-Erfolg der Eintracht durch ein Solz-Tor nicht gerade glanzvoll ausfallen konnte.“

Glanzvoll wurde es am 1. August 2010 auch nicht unbedingt, aber einmal mehr gewann die Eintracht. 40.000 Fans pilgerten zur Saisoneröffnung und staunten über den arg ramponierten Rasen, auf dem das Spitzenspiel stattfinden sollte. Patty Ochs und Halil Altintop trafen für die SGE, Chelsea kam durch Frank Lampard lediglich zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Damit hatte die SGE den Saisonstart erfolgreich gestaltet und die Fans freuten sich nichtsahnend auf eine Spielzeit, an deren Ende der Abstieg 2011 stehen sollte.

Das war es dann auch schon mit Spielen gegen Chelsea – zwei Freundschaftsspiele mit zwei Eintracht-Siegen sind doch eine gute Grundlage für das erste Pflichtspielaufeinandertreffen in Frankfurt.

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