Die Europafestivitäten haben ihren nächsten Höhepunkt erreicht. Doch seit dem heutigen Freitag verordnen sich die Adler bewusst eine internationale Denkpause.

Denn der anspruchsvolle Tanz auf zwei Hochzeiten, an deren Ende im Optimalfall sogar der Eintritt in das Konzert der ganz Großen stehen könnte, verlangt Eintracht Frankfurt einen Spagat sondergleichen ab. "Wir haben nur zwei Tage Pause", blickte Makoto Hasebe schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff des Europa League-Halbfinalhinspiels gegen Chelsea FC auf das bevorstehende fast buchstäbliche Sechspunktespiel bei Bayer Leverkusen am Sonntag. Der Ausgang dieses Aufeinandertreffens wird mitentscheidend sein, inwieweit die Adlerträger für eine weitere Europapokalsaison, ganz gleich welcher Ebene, planen können oder umso aufmerksamer in den Rückspiegel blicken müssten.

Anders gesagt: Es wird das nächste allerwichtigste Spiel in dieser an gefühlten Endspielen nicht armen Saison. Und diese erstreckten sich über Schlüsselspiele wie den ersten Heimsieg gegen Hannover 96 in der Hinrunde bis zum Coup gegen SL Benfica im April. An jenen wie am gestrigen Tage konnte die Fußballwelt Zeuge eines Hexenkessels werden, dessen Ausmaße im Vorfeld zwar zu erahnen waren, aber schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff jegliche Vorstellungskraft sprengten, ehe um die kunterbunte Choreografie herum sich ein schwarz-weißes Fahnenmeer durch das weite Rund in Bewegung setzte. Zumal noch weit nach Schlusspfiff jeder Platz im Stadion besetzt blieb und 48.000 Zuschauer – abzüglich der Gäste von der Insel – „Im Herzen von Europa“ zelebrierten. Frankfurt wie es singt – und lacht? Das hängt nicht nur, aber auch vom weiteren sportlichen Verlauf ab, an dessen Ende der Lohn für die harte Arbeit der vergangenen Monate stehen soll.

Gegen den schwersten Gegner mitgehalten

"Wir haben vor allem in der Anfangsphase eine klasse Leistung gezeigt, da haben uns die Fans mit ihrer fantastischen Choreo einmal mehr angesteckt. Diesen Abend dürfen wir genießen", mochte es sich Adi Hütter gleichwohl nicht nehmen lassen, die Besonderheit dieses Erlebnisses herauszustellen. Denn wie auch Gelson Fernandes, der an der Seite von Sebastian Rode und Makoto Hasebe im defensiven Mittelfeld Funken der Gefahr so früh wie möglich löschte, bemerkte: "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Das war der schwerste Gegner in dieser Saison. Chelsea hat richtig Qualität einwechseln können." Auch wenn sich die Frankfurter Sportler allesamt über das Auswärtstor des Gegners ärgerten, war dennoch allen bewusst, dass der englische Spitzenklub, von dem sich sicher nicht behaupten ließe, er hätte die Zügel schleifen lassen, mehr als einmal hätte treffen können. Und so reisen die Adler nächste Woche mit keinem Wunschergebnis in die Hauptstadt, aber dennoch mit einem Resultat, das alle Träume am Leben hält. Den Rechenschieber ließ Cheftrainer Hütter ohnehin in der Schublade. Bis in einer Woche an der Stamford Bridge der nächste Akt der Europafestspiele eröffnet wird, geht es für die Eintracht vom Main an den Rhein. "Aber jetzt freuen wir uns auf das Spiel in Leverkusen, dann kommt das Rückspiel. Zum Saisonende wird jedes Spiel intensiv", sagt Hütter und lässt dabei unausgesprochen, was vor der Woche der Wahrheit am Donnerstag wie am Sonntag gilt: Verlieren verboten.

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