„Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mit der Leistung nicht vollends“, fasste Adi Hütter den geglückten Rückrundenstart gegen den SC Freiburg zusammen.

Was nach einem 3:1, das in der Schlussphase durchaus höher hätte ausfallen können, aufhorchen lässt, immerhin gewann an diesem 18. Spieltag bislang kein Bundesligist höher. In dieser Hinsicht spielte es auch keine Rolle, dass die Eintracht nicht zum ersten Mal und wie im Hinspiel in vielen vermeintlichen Schlüsselwerten das Nachsehen hatte: 81 zu 84 Prozent angekommene Pässe, 48 Prozent gewonnene Zweikämpfe wie Ballbesitz sowie 9:17 Torschüsse. Bis der Zähler hinsichtlich letzterer Statistik wirklich notwendig wurde, verging im Stadtwald fast eine halbe Stunde, ehe Florian Niederlechner den ersten Abschluss tatsächlich auf den Kasten von Kevin Trapp brachte. Bis dahin tat sich in der von 49.200 Besuchern beehrten Commerzbank-Arena wenig bis nichts Nennenswertes. „Nach vier Wochen Pause müssen alle Mannschaften erstmal schauen, wo sie stehen“, hatte Hütter im Vorfeld prophezeit. Manche Stimmen betrachteten etwa den ersten Spieltag einer Saison schon als Zufallsprodukt.

Davon konnte gleichwohl wenn überhaupt in abgeschwächter Form die Rede sein. Allein die Frankfurter Aufstellung verdeutlichte den unmissverständlichen Plan, an den Powerfußball der Hinrunde anzuknüpfen. Vor Trapp liefen die bewährten Innen- und Außenverteidiger auf, das Angriffstrio blieb ebenfalls unangetastet. Dafür erhielt Sebastian Rode neben Gelson Fernandes das Vertrauen auf der Doppelsechs. „Ich bin unglaublich froh, wieder in der Startelf gestanden zu haben. Die Abstimmung mit Gelson hat gut geklappt. Wir können uns noch verbessern, aber fürs erste Mal war es sehr gut“, tat der umtriebige Rückkehrer hinterher kund. Bemerkenswerter Randaspekt in dieser Hinsicht: Im Vergleich zum Hinspiel im Breisgau standen nur noch Danny Da Costa, Evan Ndicka, Fernandes und Sébastien Haller in der ersten Elf, die sich einem zunächst auf Absicherung bedachten, respektvollen Kontrahenten gegenüber sah und trotz zwischenzeitlich 65 Prozent Ballbesitz auf dem frisch verlegten Rasen wenig Spielfreude entwickelte. Nicht nur Coach Hütter hatte in einigen Situationen den Mut zum Vertikalspiel vermisst.

Gesetz der Serie

So waren die ersten 30 Minuten geprägt von kompakten Gästen, die mit ihrem 5-4-1 oder 5-2-3 sowohl im Abwehr- als auch im Mittelfeldzentrum mindestens Gleichzahl herstellten und die Hessen auf eine Geduldsprobe stellten. Teilweise holten sich die Angreifer die Bälle in der eigenen Hälfte ab, ließ sich etwa Rode neben Hasebe fallen, um ihn im Spielaufbau zu unterstützen, wirkten die an den Seitenlinien klebenden David Abraham und Ndicka gewissermaßen wie Außenverteidiger. Doch aller Fluidität zum Trotz herrschte lange eine gewisse Torschusspanik, ehe eine indirekte von Rode in den Sechzehner beförderte Ecke nach 35 Minuten die Fesseln löste, als Haller eine Verlängerung Ante Rebics zum 1:0 einköpfte und die Adler aus dem Winterschlaf erweckte. Statistikfreunde würden an dieser Stelle von einer Vorentscheidung sprechen, immerhin hatte die Eintracht zuvor sieben 1:0-Führungen in Serie in einen Sieg umwandeln können. Aber auch die Badener waren nach 1:0-Führungen in dieser Spielzeit schon fünfmal siegreich gewesen, weshalb Fernandes, der sich in der ersten Halbzeit seine fünfte Gelbe Karte abholte, realistisch feststellte: „Wenn Freiburg das erste Tor macht, können wir große Probleme bekommen.“ Nachdem aber Rebic kurz darauf zwei Freiburger auf dem Bierdeckel nassgemacht und das Leder mit links in die Maschen geschweißt hatte und Luka Jovic unmittelbar vor dem Pausenpfiff den richtigen Riecher bewies und sich mit seinem 13. Saisontreffer an die alleinige Spitze der Torjägerliste knipste, rieben sich alle Zuschauer nicht nur wegen der tiefstehenden Sonne die Augen. Drei Stürmer, drei Schüsse, drei Tore. Drei zu null.

Das kleinere Übel

Einmal den Zaun der Schwarzwälder eingerissen waren die Büffel also einmal mehr nicht zu zähmen. "Same procedure as last year" – einerseits. Andererseits hatte der Dreizack zuvor noch nie gemeinsam gestochen. Was Hütter im Nachgang zwar genauso freute wie erwähnte, den Fußballlehrer aber nicht in Überschwang verfallen ließ. „Sowohl vor der Führung als auch nach dem Seitenwechsel sind wir zu viel hinterhergelaufen. Am Ende haben wir außerdem einige gute Chancen ausgelassen, sodass wir den Sack leider nicht endgültig zugemacht haben“, bemängelte Hütter die mangelnde Konsequenz außerhalb der triumphalen neun Minuten, betonte aber zugleich, „dass es Freiburg sehr gut gemacht hat.“ Was dessen Trainerkollege Christian Streich im Umkehrschluss als „aus unserer Sicht furchtbares Spiel“ wertetet. Auch weil die Gäste nach der Pause nochmal verdient verkürzten, von vergebenen Kontergelegenheiten der nicht mehr entschlossen nachrückenden Hausherren sowie einer fragwürdigen Auslegung des Videobeweises profitierten und in der Nachspielzeit dennoch Glück hatten, nicht trotzdem mehr Gegentore kassiert zu haben.

So blieb es letztlich beim 3:1, einem geglückten, aber nicht vollends überzeugenden Rückrundenstart. Erst unlängst im Trainingslager in Florida hatte Adi Hütter wissen lassen: „Entscheidend ist, dass unser Fußball nicht nur attraktiv, sondern auch erfolgreich ist. Am Ende des Tages werden wir an Ergebnissen gemessen.“ Am Ende des Samstagnachmittags haben sich die Adler entsprechend mit dem kleineren Übel angefreundet.

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