Sow trainiert nach seiner Verletzung noch individuell und muss sich gedulden. Heute ist sein fachmännischer Blick gefragt.

Djibril, am Donnerstag geht es in der dritten Qualifikationsrunde gegen den FC Vaduz. Kennst du die Mannschaft?
Ja, bei den Young Boys Bern haben wir mal ein Testspiel gegen Vaduz gemacht. Ansonsten nicht, sie waren bereits in der zweiten Schweizer Liga, als ich zu den Young Boys kam. Das war aber nicht in deren Stadion. Mit der U21-Nationalmannschaft habe ich zufälligerweise aber schon mal dort gespielt. Es ist ein kleines Stadion, aber wenn es voll ist, kann es sicherlich stimmungsvoll sein.

Was erwartet euch dort?
Ich würde Vaduz ähnlich wie Tallinn einschätzen. Sie werden alles reinwerfen, das wird ein Jahrhundertspiel für sie gegen Eintracht Frankfurt. Deshalb wird das kein einfaches Spiel.

Darf sich ein Schweizer Zweitligist wie Vaduz gegen einen Bundesligisten überhaupt eine Chance ausrechnen?
Eine Chance ist immer da. Sonst müsste man die Spiele gar nicht spielen. Wir sind natürlich haushoher Favorit, aber diese Rolle müssen wir auch erst einmal erfüllen. Dafür müssen wir zu 100 Prozent unsere Leistung abrufen und konzentriert an die Sache herangehen. Dann werden wir auch eine Runde weiterkommen. Aber Vaduz wird uns sicherlich nicht freiwillig den Einzug in die Play-offs überlassen.

Könntest du denn schon spielen, wenn du dürftest?
Nein, ich darf nicht und ich kann auch noch nicht (lacht). Ich bin noch nicht weit genug, aber ich bin auf einem guten Weg und hoffe, dass ich bald dazustoßen kann. Ich bin zwar schon am Ball, aber noch im individuellen Training mit dem Reha-Trainer. Viele Sachen kann ich schon machen, aber für Sprints und so weiter reicht es noch nicht. Da brauche ich noch ein bisschen Geduld. Wenn diese Dinge wieder funktionieren, kann ich auch wieder ins Training einsteigen.

Wie schwer fällt es dir denn, geduldig zu bleiben?
Es fällt mir sehr schwer! Aber ich nutze die Zeit, um auch an anderen körperlichen Defiziten zu arbeiten. Die Rumpfkraft zu trainieren ist zum Beispiel sehr wichtig. Der Oberkörper generell ist bei mir ausbaufähig, daran arbeite ich auch mit dem Reha-Trainer. Ich versuche einfach, die Vorteile aus der aktuellen Situation zu ziehen, und bis jetzt bin ich damit sehr zufrieden.

Gibt es denn schon einen Zeitplan für deine Rückkehr?
Nein, nicht wirklich, da lässt sich keine Prognose abgeben. Am liebsten würde ich morgen sagen, aber das geht nun mal leider nicht. Wir schauen von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, was geht, was ich schon machen kann. Aber wie gesagt, wir sind da auf einem sehr guten Weg. Und wenn das so weitergeht, kann ich schon bald wieder zur Mannschaft dazustoßen.

Welches Gefühl hattest du im Moment des Trainingsunfalls?
Ich hatte direkt das Gefühl, dass das nicht nur eine Woche dauern wird, so etwas spürt man schon. Aber dass die Diagnose so hart ausfallen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Deswegen war ich im ersten Moment sehr geschockt. Aber ich habe mir dann vorgenommen, die Zeit gut zu nutzen. Und bis jetzt ist es wirklich gut verheilt.

Wie hast du die Mannschaft in den vergangenen Wochen verfolgt?
Ich war immer sehr nah bei der Mannschaft, sowohl im Trainingslager als auch hier. So konnte ich sehr viel mitbekommen. Ich habe gemerkt, dass da eine sehr explosive, gute Dynamik in der Mannschaft ist, dass sie alle hungrig sind. Ich habe auch bei einigen Trainingseinheiten zugesehen, das hat mir alles sehr gut gefallen.

Wie würdest du den Leistungsstand der Mannschaft beschreiben?
Definitiv ist noch Luft nach oben! Die Mannschaft ist ja auch noch nicht ganz zusammen. Jetzt sind mit Rode und Hinteregger noch zwei Spieler dazugekommen, die uns sicher weiterhelfen werden, aber das wird trotzdem alles noch seine Zeit brauchen. Auch am Donnerstag wird wahrscheinlich noch nicht alles wie geschmiert laufen, wie das vielleicht in ein paar Wochen der Fall sein wird. Wir müssen geduldig sein, das weiß der Trainer und das weiß die Mannschaft.

Hast du dich mittlerweile in Frankfurt eingelebt?
Ja, ich hatte jetzt genug Zeit, eine Wohnung zu finden und einzurichten. Ich bin sehr zufrieden und es gefällt mir sehr, hier zu leben.

Es gibt recht viele Spieler im Kader, die auf deiner Achter-Position spielen können. Wie betrachtest du den Konkurrenzkampf?
Ich finde den Konkurrenzkampf gut! Vor allem haben wir auch sehr verschiedene Spielertypen, die diese Position einnehmen können. Der Trainer hat dadurch viel Auswahl und wir sind flexibel in der Spielausrichtung. Ich denke, das wird uns alle weiterbringen, vor allem mich als jungen Spieler.

Auf wen müssen deine Kollegen am Donnerstag besonders aufpassen?
Ich kenne ein, zwei junge Spieler, die aktuell auf Leihbasis bei Vaduz sind. Aber auf wen man jetzt konkret achten muss, weiß ich nicht. Da verfolge ich die zweite Schweizer Liga zu wenig. Sie haben schon Qualität, aber auf einem Niveau wie Young Boys Bern oder Luzern, gegen die wir ja schon in der Vorbereitung gespielt haben, sehe ich sie nicht.

Wie war denn dein Eindruck vom ersten Heimspiel beim Rückspiel gegen Tallinn?
Da ich im Trainingslager in Österreich geblieben bin, konnte ich es nur im Fernsehen verfolgen. Aber auch schon im Fernsehen war die Atmosphäre sehr beeindruckend und elektrisierend.

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