Heute vor 45 Jahren wurde Deutschland zum zweiten Mal Fußballweltmeister. Einer, der damals im Finale gegen die Niederlande seinen 30. Geburtstag feiert, ist auch heute allgegenwärtig.

Alle Fans wissen es: Der Grabi und der Holz sind der Eintracht Stolz. Der ältere von den beiden, Jürgen Grabowski, wird an diesem 7. Juli 75 Jahre alt. Eine große Feier wird es nicht geben. Er wird mit seiner Ehefrau Helga irgendwo im Rheingau schön essen gehen. „Ich habe meinen 50. und meinen 70. groß gefeiert, das reicht“, sagt der gebürtige Wiesbadener, der von 1965 bis 1980 im Trikot mit dem Adler auf der Brust spielte.

Wenn er heute nach den fünf absoluten Highlights seiner langen und erfolgreichen Karriere gefragt wird, kommt die Antwort fast wie aus der Pistole geschossen: „Das absolute Highlight war unser erster Sieg im DFB-Pokal.“ Das war 1974, in Düsseldorf gewann die Eintracht das Finale gegen den Hamburger SV mit 3:1 nach Verlängerung. Damals war der Grabi so happy, dass er sein Trikot zu früh mit seinem Gegenspieler tauschte und so den Pokal im Dress des HSV und entsprechend mit dessen Sponsor auf der Brust entgegen nahm. Der war hoch erfreut, schickte später ein Paket mit seinen flüssigen Alkohol-Produkten nach Wiesbaden. Jürgen Grabowski musste aber noch mal vor die TV-Kameras und Fotografen, diesmal im „richtigen“ Trikot.

„Auf Rang zwei kommt der zweite Pokalsieg.“ Der wurde bereits im Jahr darauf gefeiert. Bei 35 Grad im Schatten am 21. Juni 1975. Der Gegner in Hannover hieß MSV Duisburg, Charly Körbel gelang das entscheidende 1:0. Grabis Kommentar damals: „Wir sind das einzige Team, das auch mit Sonnenstich spielen kann.“ Immerhin hatte ein kurzer Gewitterschauer die Spieler während der Partie wieder etwas frisch gemacht.

Weltmeister am 30. Geburtstag

Erst auf Platz drei reiht der Jubilar den deutschen WM-Triumph 1974 ein: „Genauer gesagt, den Moment, als ich im Endspiel den Schlusspfiff gehört habe.“ Erleichterung pur, schließlich waren die niederländischen Kicker am 7. Juli, also an Grabis 30. Geburtstag, in München früh durch Johan Neeskens in der zweiten Minute in Führung gegangen, ehe der andere Frankfurter Bernd Hölzenbein im gegnerischen Strafraum „rüde“ von den Beinen geholt worden war. Paul Breitner (25.) verwandelte den fälligen Foulelfmeter, Gerd Müller gelang kurz vor der Pause das 2:1 (43.). Rund eine Stunde später, genau um 17.47 Uhr, ertönte dann der Schlusspfiff.

Auf Rang vier setzt er „meine ganze Zeit bei der Eintracht.“ So viele Jahre, das war auch damals nicht selbstverständlich, zumal 1968 der FC Bayern den Ausnahmeprofi vom Main an die Isar holen wollte. Grabi blieb und erhielt ein Jahr später die Kapitänsbinde: „Das war eine besondere Sache, das tut einem persönlich gut und man hat eine besondere Verantwortung dem Verein gegenüber.“ Wobei es nicht immer leicht gewesen sei: „Nach so vielen Jahren kennt jeder Gegner und jeder Journalist alle meine Schwächen.“ So viele Schwächen können es aber nicht gewesen sein. Insgesamt 441 Bundesliga-Spiele (109 Tore), 45 Einsätze im DFB-Pokal (19 Tore), 40 im Europacup (neun Tore) sowie drei WM-Teilnahmen und 44 Spiele im Trikot der deutschen Nationalmannschaft (fünf Tore) sprechen für sich.

Die Rangliste der Top Five wird abgeschlossen durch etwas ganz Besonderes. Durch etwas, das erst viele Jahre nach Jürgen Grabowskis aktiver Laufbahn ins Leben gerufen wurde. „Das ist Tankards Lied“, sagt der Grabi, „wenn ich das höre, läuft es mir noch heute den Rücken runter.“ Zuletzt gehört hatte er die Hymne gerade vor einer Woche, bei der 120-Jahr-Feier. Vor 27.000 begeisterten Anhängern, die mitsangen, als der Kult-Song „Schwarz-weiß wie Schnee“ ertönte.

Grabi, hörst Du, wie gerade wieder alle Dein Lied singen? Wie alle Dir ein Geburtstagsständchen bringen? Lass‘ es kribbeln auf dem Rücken! Alles Gude zum Geburtstag und noch viele gesunde Jahre!


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