Was macht die Fußballschule in den Osterferien, in denen die Trainer normalerweise fast nonstop auf dem Platz stehen? Karl-Heinz Körbel, Uwe Bindewald und Manfred Binz verraten es.

Spieltagscamps, Feriencamps, On-Tour-Camps und Talenttraining, dazu gelegentlich Camps im Schatten der Profimannschaft in Florida, Österreich oder Lissabon. Der Terminplan der Eintracht Frankfurt Fußballschule ist insbesondere in den Ferien proppenvoll. Die Verantwortlichen hetzen zwischen Stadion, Trainingsplätzen und Büro hin und her, fahren Materialien durch die Rhein-Main-Region, stehen stundenlang auf den Plätzen, schießen, passen, dribbeln selbst mit, leiten an und motivieren. „Die Ferien sind eine intensive Zeit, weil wir meistens an mehreren Standorten gleichzeitig Camps abhalten und freilich überall den gleichen Standard bieten wollen. Denn ganz oben auf der Prioritätenliste steht bei uns, dass wir überall mit Ex-Profis vor Ort sind“, erklärt Karl-Heinz Körbel einen Kernpunkt der Fußballschulenphilosophie bei der Eintracht. Körbel leitet diese seit fast zwei Jahrzehnten, hat sie aufgebaut, entwickelt und zu einem Markenzeichen des Vereins gemacht.

Doch in den Osterferien, die an diesem Wochenende in Hessen zu Ende gegangen sind, war alles anders. Keine Camps, keine Action, niemand auf dem Platz. Die vorbereiteten Trikots für die Kids schlummern weiter in den Kisten im Stadion vor sich hin, Tore, Hütchen und Bälle bleiben in den Katakomben. Im Einsatz ist das Fußballschulenteam immerhin gelegentlich. Denn auch in Zeiten der Coronapandemie wollen Karl-Heinz Körbel und sein Team den Kindern den Spaß so gut es geht nach Hause bringen. Über Instagram hat die Fußballschule täglich die verschiedenen Aktivitäten in einem Online-Camp nachgestellt. Körbel sprach zu den Kids, Ex-Profis wie Ervin Skela und Uwe Bindewald erklärten Übungen und Museumsdirektor Matthias Thoma führte virtuell durch seine heilige Halle. Untermalt waren die Videos mit (Bewegt-)Bildern aus vergangenen Camps. Challenges und Gewinnspiele erweitern das digitale Programm regelmäßig, auch nach den Ferien.

Virtuelles Festivaltraining

Virtuell ging auch das Festival4Family in diesen Tagen über die Bühne. Normalerweise füllen die Besucher die Commerzbank-Arena, kürzlich wurde eben nach Hause gestreamt. Uwe Bindewald und Ivan Stoyanov hielten mit Unterstützung von Junior Adler-Maskottchen Franky auf einer professionell ausgeleuchteten Bühne ein 20-minütiges Training ab, das später über die Festival-Homepage für Jedermann abrufbar war. Fußballtennis mit zwei Stühlen, einem Seil als Netz und einem Luftballon sowie Wasserflaschen als Slalomstangen – Bindewald und Stoyanov zeigten auf, dass auch im heimischen Wohnzimmer ganz einfach geübt werden kann. Elegant dribbelten beide durch den Parcours, und Bindewald meinte mit einem Lächeln zu seinem Kollegen: „Hätte ich das früher so gut gekonnt wie du, wäre ich Nationalspieler geworden.“

Im Hintergrund tüfteln die Fußballschulenverantwortlichen freilich an neuen Konzepten und Überlegungen, wie ausgefallene Camps nachgeholt werden können. Körbel berichtet: „Die Gesundheit und die Anordnungen der Behörden haben oberste Priorität. Aber wir bereiten uns vor und können jederzeit anfangen.“ Freilich bedauert der 65-Jährige, dass auch die Spiele der Traditionsmannschaft nicht ausgetragen werden können. „Das ist schade für die kleinen Vereine. Ich fahre gelegentlich am Sportgelände in meiner Heimat vorbei. Da blutet das Herz, dass hier aktuell nicht gespielt werden kann.“

20 Jahre, 40.000 Kinder

Neben der Arbeit nimmt sich Körbel aktuell für Dinge Zeit, die „im Alltag schneller unter den Tisch fallen.“ Er schaut nach den Pferden, geht Joggen und schmökert jeden Tag in der Bibel. „Das kann ich jedem nur empfehlen. Ich habe schon vier Mal die Offenbarung gelesen, um es richtig zu verstehen.“ Uwe Bindewald macht bei den Online-Challenges der Fußballschule mit, werkelt zu Hause und verbringt Zeit mit der Familie. „Langweilig wird mir nicht. Nur an Ostermontag habe ich mal die Füße hochgelegt. Aber einiges aus dem normalen Leben fehlt natürlich“, erzählt der 51-Jährige. Fußballschulen-Trainerkollege Manfred Binz hat vor den Ferien mit einem seiner Söhne (fünfte Klasse) die Hausaufgaben abgearbeitet, „bis zu sechs Stunden am Tag“, und nutzt den Balkon ausgiebig. „Da war ich in den vergangenen drei Wochen so oft drauf wie in den drei Jahren zuvor nicht.“ Der Küchentisch wird hin und wieder zur Tischtennisplatte umfunktioniert. Kürzlich suchte er mit seinem Sohn nach einem Freistoßtor von ihm, wurde aber nicht fündig. „Stattdessen haben wir uns das Relegationsspiel gegen Saarbrücken von 1989 in Ausschnitten angeschaut, als ich ein Tor erzielt habe. War schön, das mal wieder zu sehen“, schwelgt Binz in Erinnerungen.

Körbel, Bindewald und Binz haben in diesen Tagen freilich besonders die Familienangehörigen im Blick, die zur Risikogruppe gehören. „Da mache ich mir schon Sorgen“, teilt das Trio unisono mit. Einig sind sie sich auch in diesem Punkt: Sie vermissen es, mit einer Hundertschaft von Kindern auf dem Platz zu stehen. „Die Vorfreude auf diesen Tag ist riesig“, sagt Körbel. Wenn man bedenkt, dass der Bundesligarekordspieler in den vergangenen zwei Jahrzehnten 40.000 Kinder in der Eintracht Frankfurt Fußballschule erlebt hat, kann man sich vorstellen, wie groß die Sehnsucht nach einem Camp bei Körbel – und freilich auch bei seinen Kollegen und Trainern – ist. Sei es ein Spieltags-, On-Tour- und Feriencamp oder im Talenttraining.

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