Wir gratulieren dem Leiter unserer Fußballschule von Herzen zum 65. Geburtstag!

Viel erlebt und noch mehr vor

Am heutigen 1. Dezember wird Karl-Heinz Körbel 65 Jahre alt. Von einem Rentnerdasein sieht sich der Rekordspieler gleichwohl weit entfernt.

Groß gefeiert wird diesmal nicht. „Ich will diesen Tag mit meiner Familie verbringen“, sagte das Eintracht-Idol kürzlich. Den gebürtigen Dossenheimer der großen Eintracht-Gemeinde vorzustellen, das wäre das berühmte Eulen nach Athen tragen. Deshalb sollen an dieser Stelle drei vielleicht nicht so bekannte Anekdoten aus seinem Leben zur Sprache kommen, um auf sein Jubiläum aufmerksam zu machen.

Es war im Frühherbst 1964, als der junge Karl-Heinz von seinem Vater, einem glühenden Eintracht-Fan, erstmals mit ins Waldstadion genommen wurde. Vielleicht könnte man ja so Begeisterung für die Adlerträger wecken, hoffte der Herr Papa. Doch die Geschichte verlief ganz anders. Die Frankfurter kassierten just an diesem Tag ihre höchste Heimniederlage der gesamten Bundesligageschichte, wurden vom Karlsruher SC mit 0:7 regelrecht überfahren. Denn schon nach 13 Minuten hatten die Gäste bereits vier Treffer erzielt. „Zu so einem Verein würde ich niemals gehen“, entrüstete sich Karl-Heinz auf der Heimfahrt.

Eintracht – niemals!

Heute kann der Rekordspieler der Bundesliga darüber nur lachen. „Thema verfehlt“, ordnet er seinen damaligen Spruch ein. Denn 1972 wechselte der talentierte Abwehrspieler zur Eintracht und debütierte als 17-Jähriger ausgerechnet gegen die Bayern um Uli Hoeneß, Paul Breitner, Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Die Eintracht siegte mit 2:1, die Bayern wurden dennoch souverän Meister; kleine Randnotiz: am darauffolgenden Spieltag verloren die Adlerträger beim späteren Letzten aus Oberhausen, und die Saison 1972/73 beendete die Eintracht nach 18 Körbel-Einsätzen letztmals in der Bundesligatabelle hinter Kickers Offenbach. Es folgten 18 Spielzeiten mit jeweils mindestens 29 Partien für Körbel. Bis heute prägt die Eintracht sein Leben. Erst als Spieler (einmalige 602 Bundesligaeinsätze), später als (Co-)Trainer, Berater des Vorstands, Markenbotschafter und seit fast 20 Jahren als einstiger Gründer und Leiter der Eintracht Frankfurt Fußballschule. „Schon verrückt“, erinnert sich der Publikumsliebling: „Ich habe den ganzen Aufschwung mitbekommen. Am Anfang am Riederwald, wo man die Mitarbeiter noch an einer Hand abzählen konnte, jetzt im Stadtwald, wo wir aus allen Nähten platzen und deshalb eine neue Geschäftsstelle bauen.“

Frisch entlassen ins aktuelle sportstudio

Diese Geschichte ist so verrückt, dass sie Karl-Heinz lieber selbst erzählt: „Es war Ende März 1996, mein Stuhl als Cheftrainer bei der Eintracht wackelte bedenklich. Genauer: Man hat mir klar gemacht, dass ich entlassen würde, wenn das Heimspiel am Samstag gegen Mönchengladbach verloren würde. Am Donnerstag, vor der gewöhnlichen Pressekonferenz, fragte mich Michael Steinbrecher, ob ich denn nicht drei Tage später zu ihm ins aktuelle sportstudio kommen möchte. Ich schluckte, meinte, das müsse ich mir noch überlegen. Doch dann gab ich ihm noch während der PK meine Zusage. Der Samstag kam, das Spiel wurde mit 0:2 verloren und ich sofort entlassen. Schlimm, dass meine Frau dies im Radio erfuhr. Sie rief mich an und ich sagte ihr, dass wir nach Mainz ins Sportstudio fahren werden. Verrückt, außergewöhnlich, aber so war ich halt. Wir mussten dann lange warten, denn „Wetten, dass...“ hatte mal wieder ordentlich überzogen. Aber dann ging es endlich los, Eintracht-Präsident Matthias Ohms wurde eingeblendet, begründete meine Entlassung. Für mich nicht sonderlich überzeugend. Ich bedankte mich lieber bei den Eintracht-Fans, die mich immer unterstützt hatten. Für viele war ich so etwas wie der ‚heilige Charly‘. Und ich bedankte mich bei den Journalisten, die mich bis zum Ende fair behandelt hatten.‘

Ja, es war ein denkwürdiger Abend. Die Eintracht hoffte in den kommenden Wochen vergeblich auf ein Happy End. Hatte Karl-Heinz Körbel sein Team immerhin auf Rang 15 verlassen müssen, so war sein Nachfolger Dragoslav Stepanovic noch glückloser. Am Ende stiegen die Adlerträger als Vorletzte erstmals aus der Bundesliga ab. Wer hätte das gedacht, nur vier Jahre nach dem Rostock-Trauma mit der knapp verpassten Meisterschaft…

Keine Zeit, um in Rente zu gehen

Aus dem zurückhaltenden Karl-Heinz Körbel ist mit den Jahren ein anderer Mensch geworden. „Früher habe ich nie über Gott geredet, heute bin ich ein gläubiger Christ.“ Er hält Vorträge und fühlt sich wohl dabei. „Ich war noch nie so gefragt wie heute“, schmunzelt er. Karl-Heinz ist stolz auf die Entwicklung „seiner“ Eintracht: „Vor dreieinhalb Jahren ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden.“ In seinen Augen eng verbunden mit den Namen Fredi Bobic und Axel Hellmann. Der eine im sportlichen, der andere im wirtschaftlichen Bereich. Und er erinnert sich an ein Winter-Trainingslager in Abu Dhabi, als beim Testspiel gegen Borussia Dortmund  (0:5) plötzlich ein gewisser Niko Kovac aufgetaucht war. Der outete sich als Eintracht-Fan, man tauschte die Telefonnummern, Karl-Heinz meinte: „Ruf mich an, wenn du zwei Karten brauchst.“ Und Kovac sagte: „Ihr steht hinten so offen, ihr spielt gegen den Abstieg.“ Angesichts von nur zwei Punkten Vorsprung auf Rang 16 die bittere Realität im Januar 2016. Was keiner wusste: Ein paar Wochen später brauchte der Kroate keine Karten mehr, er wurde Cheftrainer der Eintracht. Und verhinderte den Abstieg in der Relegation gegen Nürnberg.

Es folgte „eine richtig gute Saison“, so Körbel, es folgte der umjubelte DFB-Pokalsieg gegen den großen FC Bayern. Und dann, als Adi Hütter Kovac abgelöst hatte, eine wunderbare Reise durch Europa. Kein Wunder, dass auch Körbel diesen Erfolgszug noch nicht verlassen will. „Ich habe keine Zeit, in Rente zu gehen“, weiß er zugleich, dass er dabei von seiner Familie voll unterstützt wird.

Wohin der Zug noch fahren wird, „weiß ich nicht, aber früher waren wir die Diva, heute haben wir eine große Qualität bei allen Mitarbeitern. Und wir sind ein gutes Team ohne Heckenschützen.“ Was im schillernden Profigeschäft ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein kann: „Die Eintracht ist inzwischen überall beliebt, wir treten nicht als Überflieger auf. Und weil manche Konkurrenten wackeln, haben wir die große Chance, stabil oben dabei bleiben zu können.“

Tradition ein hohes Gut

Karl-Heinz Körbel will seinen Teil dazu beitragen. Denn bei allen Innovationen sei die Tradition ein hohes Gut: „Die will ich bewahren, sei es mit der Traditionsmannschaft oder auch mit der Fußballschule.“ Es sei wichtig, sich in der Region zu präsentieren, den Kontakt zu den Anhängern weiter zu vertiefen: „Die Profis haben bei all diesen Belastungen für solche Termine ja kaum noch Zeit.“

Zur Tradition gehöre in Körbels Augen auch das Einbinden von Ex-Profis: „Diesen Weg geht auch München und Dortmund.“ Viele seiner Trainer und Mitarbeiter in der Fußballschule hatten früher den Adler auf der Brust gehabt. Da sind Uwe Bindewald, Uwe Müller, Manni Binz, Rudi Bommer, Ervin Skela, Norbert Nachtweih, Cezary Tobollik, Ralf Weber oder Thomas Zampach, um nur einige zu nennen, fleißig mit dabei. „Ein tolles Team, auf das ich mich voll verlassen kann“, schwärmt Körbel.

Und wenn trotzdem mal was schief geht, „ertappe ich mich, dass ich wie zu einem kleinen Kind werde. Ich ärgere mich dann wie früher.“ Das klingt wirklich nicht so, als ob sich da einer bald aufs Altenteil zurückziehen will.

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