Elf kleine Glücksbringer hatte Eintracht Frankfurt beim letzten Heimspiel gegen Werder Bremen im Stadion. Die sogenannten "Erdmännchen" der Fußballschulen Feriencamps 2017 wurden auf diese Weise für ihr vorbildliches Sozialverhalten belohnt und begleiteten das Team von Niko Kovac vor 51.500 Zuschauern aufs Feld.

30 Sekunden Rampenlicht - ein Leben lang im Gedächtnis

Fußball ist weit mehr als Sport. Die Vermittlung zentraler Werte wie Fair Play, Mannschaftsdienlichkeit oder Respekt im Umgang miteinander sind bei der Eintracht Frankfurt Fußballschule seit der Gründung vor sechszehn Jahren ein Kernanliegen des Teams von Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel. Deswegen wird in jedem Feriencamp ein Kind ausgezeichnet, das während der gemeinsamen Tage durch Hilfsbereitschaft, Zusammenarbeit und Freundlichkeit im Umgang mit Trainern und Mitspielern besonders positiv aufgefallen ist.

„Die Werte, die wir hochhalten, sind aus unserer Sicht Selbstverständlichkeiten im täglichen Miteinander. Unsere Trainer und Betreuer leben das vor und es bedarf eigentlich keiner besonderen Belohnung, wenn jemand sich gut beträgt. Wir erleben in unseren Camps aber, dass es durchaus einen Bedarf gibt, hier positive Anreize zu setzen“, erklärt Körbel den Gedanken hinter der Einlaufkind-Aktion. „Die Kinder sollen schon sehen, dass diejenigen, die Hilfe anbieten und zum Beispiel die Teller der anderen Teilnehmer abräumen während diese in der Pause herumtollen, nicht die Deppen sind. Es liegt uns am Herzen allen Kindern zu zeigen: Wir sehen und wir schätzen das.“

Die Ehrung der sogenannten „Erdmännchen“ (in Anlehnung an die possierliche Mangusten-Art, die für ihr ausgeprägtes Sozialverhalten bekannt ist) ist ein offenes Geheimnis. Sie wird im Vorfeld zwar weder angekündigt noch ausgelobt, gleichwohl hat sich das Prozedere längst herumgesprochen und wer zum wiederholten Male dabei ist, kennt die Auszeichnung. Für Körbel kein Problem: „Natürlich finden wir es am besten, wenn ein Kind sich gut benimmt, weil es das zuhause gelernt und bereits verinnerlicht hat. Manche sind aber noch nicht so weit und das werfen wir ihnen auch nicht vor. Wenn sich ein Kind besonders bemüht, weil es sich davon eine Anerkennung erhofft, ist das ein Anfang.“

Für die elf Auserwählten war vor dem vergangenen Heimspiel der Eintracht gegen Werder Bremen der große Moment gekommen. Unter dem Jubel des ausverkauften Stadions den Rasen zu betreten, gehört zu den Gänsehaut-Momenten für jeden Fußballer. Wer von der großen Karriere träumt, fiebert diesem Erlebnis sehnsüchtig entgegen. Entsprechend aufgeregt zogen sich die „Erdmännchen“ in den Katakomben der Commerzbank-Arena um. Das Losglück bescherte ihnen die Hand der Eintracht-Profis, das zweite Einlauf-Team bekam Werder Bremen zugewiesen.

Durch Mixed Zone und Spielertunnel ging es zunächst raus ins weite Rund, wo die Ersatzbank probegesessen und die Atmosphäre eingesaugt wurde, während sich beide Mannschaften auf dem Rasen warmmachten. Schnell noch ein paar Erinnerungsfotos mit Charly Körbel geschossen, dann wurde es ernst: Aufstellung im Spielertunnel, Zuweisung der ankommenden Profis, Warten auf den Startschuss, raus aufs Feld, kurz winken, dreißig Sekunden Rampenlicht, zurück in die Katakomben. So schnell am Ende alles ging, so nachhaltig dürfte sich das Erlebnis in die Erinnerung eingeprägt haben.

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Mit einem Last-Minute-Sieg bedankten sich die Profis für den Support ihrer kleinen Glücksbringer.

MB

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