Nachdem wir uns im ersten Teil unserer sechsteiligen Serie der Heimat unseres ersten Gegners gewidmet haben, könnt ihr im Zweiten etwas mehr über das Team der Seattle Sounders und den einen oder anderen wichtigen Spieler in Reihen des amtierenden „MLS Cup“-Siegers erfahren.

Seattle
Hier spielt die Eintracht am Samstag vor stattlicher Kulisse: im CenturyLink Field.

Der Gegner und seine Mannschaft

Das erste Duell für die Kovac-Elf im Rahmen dieser USA-Rundreise hat es direkt in sich, denn unsere Eintracht trifft auf niemand geringeren als den amtierenden Meister der MLS. Nachdem in den Playoffs nacheinander Sporting Kansas City, FC Dallas und die Colorado Rapids ausgeschaltet werden konnten, schlug man im großen Endspiel um den „MLS Cup“ (sozusagen der Super Bowl des US-Fußballs) den hoch favorisierten Toronto FC um die Superstars Sebastian Giovinco (kam 2015 von Juventus Turin), Michael Bradley (vormals Gladbach, AS Rom) und Jozy Altidore (Ex-Villareal, Alkmaar, Sunderland) mit 5:4 nach Elfmeterschießen. Es war der erste Titel überhaupt für die Truppe von Brian Schmelz, der das Team erst im Juli 2016 von seinem Vorgänger übernommen hatte - dem Deutschen Sigi Schmid, der bereits seit 2009 im Amt war. Teil der Meistermannschaft war übrigens auch ein alter Bekannter, nämlich Ex-Adlerträger Nelson Valdez, der zwischen August 2015 und Dezember 2016 insgesamt 44 mal für die Sounders auflief und nach dem Titelgewinn in seine Heimat Paraguay weiterzog und inzwischen bei Cerro Porteno unter Vertrag steht. 

Doch auch nach dem Abgang des Weltenbummlers hat der Sounders FC noch eine schlagkräftige Truppe auf dem Platz.

Stürmer Clint Dempsey ist dabei sicher der klangvollste Name. Der Mann, den alle nur „Deuce“ rufen, gehört nicht nur in seinem Klub, sondern auch beim Nationalteam zu den großen Stars, für das er bereits133 Länderspiele absolviert hat (56 Tore). Bei den Sounders kickt der variable Offensivakteur seit 2013, beim Titelgewinn im letzten Jahr konnte er allerdings nur eine halbe Saison lang mithelfen, bevor ihn Herzprobleme zum Zusehen verdammten. In der aktuellen Spielzeit ist Dempsey aber wieder mit von der Partie und hilft seinem Team als Anführer und Torjäger, das auf die Dienste des mittlerweile 34-Jährigen nicht verzichten mag. Der Alex Meier Seattles sozusagen. Legendenstatus genießt der Texaner überdies beim FC Fulham, kommt er bei den Londonern doch auf 232 Spiele (60 Tore) und war Teil des Teams, das sich in der Saison 2009/10 sensationell bis ins Finale der Europa League im Hamburger Volksparkstadion spielte, dort allerdings nach Verlängerung gegen Atletico Madrid unglücklich verlor.

Und noch ein Angreifer steht bei den Sounders im Mittelpunkt, selbst wenn dieser erst eine Saison in der MLS hinter sich hat. Jordan Morris hat es in seiner ersten Profisaison nicht nur zum Stammspieler geschafft, sondern in Abwesenheit von Altmeister Dempsey mit seinen insgesamt 14 Toren auch regelmäßig die Kohlen für sein Team aus dem Feuer geholt. Dieses für ihn rauschhafte erste Jahr gipfelte im Gewinn der Meisterschaft, außerdem wurde Morris zum Nachwuchsspieler der Saison in der MLS gewählt und fasst zunehmend auch in der A-Nationalmannschaft Fuß. Nicht schlecht für einen „Homegrown Player“, sprich einen Nachwuchsspieler aus der eigenen Jugend, der noch dazu in Seattle geboren wurde. Bemerkenswerte Randnotiz: Jordan Morris hat es trotz Typ 1 Diabetes zum Profi geschafft. Und schon jetzt zum Publikumsliebling.

Noch kürzer als Morris steht Nicolás Lodeiro in Seattles erster Mannschaft, denn der Uruguayer wurde erst im Sommer 2016 verpflichtet, um für mehr spielerische Qualität und kreative Impulse zu sorgen. Und der Mann, der für etwa 5 Mio. von Boca Juniors in die „Smaragdstadt“ wechselte, machte schnell deutlich, dass er die Nr. 10 nicht umsonst auf dem Rücken trägt. Mit ihm konnten die bis dahin strauchelnden Sounders nicht nur noch ein Ticket für die fast schon außer Reichweite geratenen Playoffs lösen, sondern am Ende auch den Pokal in die Höhe stemmen. Die Statistik seines ersten halben Jahres: 19 Spiele, 8 Tore, 5 Assists. Auch in der neuen Spielzeit kommt er schon wieder auf 6 Scorerpunkte.

Von Mitspielern, Fans und Journalisten liebevoll „Ozzy“ genannt, gehört Osvaldo Alonso längst zum Inventar beim amtierenden Meister. Der Kubaner, der mittlerweile auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, schnürt bereits seit 2009 seine Schuhe im Staate Washington und trägt seit geraumer Zeit außerdem die Kapitänsbinde. Alonso ist ein Dauerläufer im zentralen Mittelfeld, ein Sechser „aus dem Maschinenraum“ wie man so schön sagt. Ein furchtloser, bienenfleißiger Abräumer, der auch mal dahin geht, wo es weh tut und seiner Offensive dadurch den Rücken frei hält. Mittlerweile kommt der „Honey Badger“ auf über 300 Spiele für den Sounders FC.  

Hinten rechts in der Viererkette findet sich mit Brad Evans ein weiteres Urgestein, wie Alonso seit 2009 in Diensten der Sounders. Der 32-jährige Veteran und Vizekapitän, der in der Nationalmannschaft auf der gleichen Position zum Einsatz kommt wie unser Frankfurter Bub Timothy Chandler, gehört nicht zu den spektakulärsten Spielern, punktet dafür aber mit Konstanz und Verlässlichkeit und ist außerdem immer mal für einen Assist oder ein Tor gut. Zudem gilt Evans als volksnaher, sozial engagierter Spaßvogel. Legendär: Als der umstrittene damalige Präsidentschaftskandidat Donald Trump zum mexikanischen Feiertag „Cinco de Mayo“ ein Foto von sich vor einer großen Schüssel mit einem Taco-Salat postete, gab es ein durchaus beachtliches Echo von Fans quer durch alle Teams der MLS auf Evans’ Antwort-Post. Als da lautete: „I’ll play soccer for free if I can smash your face in that bowl.“ Bis heute ein Running Gag unter den Anhängern.

Mit dem Keeper unseres ersten Testspielgegners können sich unsere Jungs auf deutsch unterhalten, denn zwischen den Pfosten steht mit Stefan Frei ein gebürtiger Schweizer. Da dieser jedoch nach der Auswanderung seiner Familie Ende der Neunziger Jahre seine komplette Profikarriere in den Staaten absolvierte, wo er seit 2014 seinen Kasten in Seattle sauber hält, ist der Torwart hierzulande ein eher unbeschriebenes Blatt. Auch für die „Nati“ machte er lediglich in der U15 ein einziges Länderspiel, doch gerade in der abgelaufenen Saison 2016 gehörte Frei zu den Meisterschaftshelden seiner Mannschaft. In der regulären Saison blieb er immerhin acht mal ohne Gegentor, spielte dann aber so richtig auf, als es darauf ankam. In vier seiner sechs Playoffspiele konnte er nicht überwunden werden und bekam ingesamt nur drei Gegentore. Im Endspiel um den „MLS Cup“ machte er direkt weiter und verzeichnete am Ende sieben Paraden und hielt außerdem den entscheidenen Ball im Elfmeterschießen. Als logische Konsequenz wurde der Hundeliebhaber, der mit einer Amerikanerin verheiratet ist, zum „MVP“, sprich zum besten Spieler des Finals gewählt. 

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MR

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