Klömpchensklub und Taktikschule
Ja, ja und immer kommt es anders als man denkt. Hatte ich diesen Satz bereits vor dem letzten Heimspiel im Kopf, so ist er seit dem Abpfiff einzementiert. Und hatte er doch einen anderen Ursprung.
Ähnlich wie wir wohl alle nach der schnellen 2:0-Führung unserer Mannschaft dachten, dachte ich bereits einige Tage vor dem Spiel gegen Alemannia Aachen, dass alles gut laufe und wir auf einem sicheren Weg seien. Wir, das war in diesem Fall das Waldtribünen-Team.
Es waren die Vorbereitungen zur 5. Ausgabe der Waldtribüne und wir nahmen die Arbeit voller Tatendrang und Ideen auf. Wir stellten Kontakte her, führten erste Gespräche und alles ließ sich gut an. Man hätte denken können, das Programm ist in trockenen Tüchern und die noch fehlenden Zusagen der letzten Gäste sind reine Formsache. Wir waren mit dem Zeitplan im Soll, es hätte also gar nicht besser laufen können. Dementsprechend fiel die Anspannung weg und eine gewisse Lockerheit stellte sich bei uns ein. Wir lagen ja in Führung. Aber wie wir jetzt wieder wissen, sollte man sich nie zu früh in „Sicherheit“ wiegen. Zwei Absagen unserer geladenen Gäste ließen die gesamte Planung sowie unsere Stimmung kippen. Das ursprüngliche Programm geriet durcheinander. Jetzt hieß es also, sich wieder zu besinnen und zu überlegen, was zu tun sei. Wir gaben uns natürlich noch nicht geschlagen, auch wenn wir ein, später sogar mehrere Gegentore kassiert hatten und mobilisierten all unsere Kräfte. Unser Gegner „Zeit“ hatte uns eingeholt, er war gerast und uns weggelaufen. Letztendlich waren jedoch wir die Sieger, genau wie unsere Jungs auf dem Rasen. Sind die Parallelen zum Spiel nicht verblüffend?
Last-Minute-Sieger konnten wir uns auch nennen, hatten wir doch kurz vorm Spieltag, also dem Tag der Waldtribüne, noch die ausstehenden Zusagen unserer Gäste bekommen. So hatten wir schließlich doch ein prallgefülltes Programm. Fast schon zu gefüllt.
Los ging´s mit Mario Walter, ein öcher Jonge und aktiver Aachener Fan. Er organisiert und moderiert selbst Fanabende, reist viel auswärts und hat sogar schon ein Interview mit unserem Ex- und Aachens aktuellem Trainer Friedhelm Funkel geführt. Er konnte uns einen schönen Einblick in das Alemannen-Fan-Dasein verschaffen und jetzt wissen wir auch, woher der Name „Klömpchensklub“ kommt: Die Fans haben diesen Namen für das Restaurant am Aachener Tivoli aussuchen dürfen; Klömpchens, ein echter Aachener Begriff für Bonbons. Könnten wir das nicht auch machen? „Grie-Soß-Lounge“ oder „Handkäs-Eck“ am Stadion fänd ich gut.
Mit dem ihm überreichten „Waldtribünen“-Bembel wusste er auch umzugehen, schließlich lebt ein Teil seiner Familie in Frankfurt.
Aus Frankfurter Reihen kam auch ein weiteres Original: Uli Matheja. Er brachte uns sein neuestes Werk „Unsere Eintracht“ mit. Als hätte er nicht schon mit „Schlappekicker und Himmelsstürmer“, der bisherigen Einracht-Chronik, den historisch-literarischen Eintracht-Olymp erklommen, belehrt er uns jetzt eines Besseren. In „Unsere Eintracht“, in Fankreisen auch schon die Eintrachtbibel genannt, finden sich 112 Jahre Vereinsgeschichte wieder. Dazu viele, tolle Fotos und viele Fakten. Auch wenn sich die Chronik aufgrund ihres Gewichts, fast 2,5 kg, nicht unbedingt als Bettlektüre eignet, so gehört sie doch ins Bücherregal eines jeden Eintrachtlers. Wir sind froh, dass Uli den Weg aus den verstaubten Archiven zu uns auf die Bühne gefunden hat. So konnten wir doch erfahren, wie man Zugang zu Archiven bekommt, um dann monatelang Spielberichte in altdeutscher Schrift zu entziffern und Zeitungen abzufotografieren, die man eigentlich noch nicht mal anfassen dürfte. Seinen Spaß und Humor habe er aber nie verloren, wie er uns versicherte.
Nach seinem kurzen Frankfurt-Aufenthalt ist er inzwischen wieder in seine Wahlheimat Nürnberg zurück gekehrt. Einen Job hat er nämlich auch noch: er arbeitet beim Kicker-Sportmagazin.
Aus den Medien, genauer gesagt aus dem Fernsehen bekannt, ist Roberto Cappelluti. Eintrachtfan durch und durch, aber zeitlich bedingt nicht allzu oft im Stadion, weshalb wir uns umso glücklicher schätzen konnten, ihn auf unserer Bühne begrüßen zu dürfen. Sehr erfolgreich ist er schon seit einigen Jahren mit seinem selbst konzipierten Fernsehquiz „Strassenstars“, von dem es zur Fußball-WM 2006 sogar eine Sonderausgabe mit Fußballspielern gab. Hier stellte sich auch ein, mittlerweile, Ex-Eintrachtspieler den Fragen: Christoph Spycher. Er machte seine Sache wohl recht gut. Roberto Cappellutis Ergebnis-Tip, 4:1, versetzte uns erst alle in Staunen, wie wir nun aber alle wissen, lag er ja gar nicht so daneben. Na ja, zumindest die Tendenz stimmte.
In unserem prall gefüllten Programm jagte ein Höhepunkt den nächsten. Gerade von einem Auswärtsspiel mit seiner U19-Mannschaft aus München zurückgekehrt, schaute Alex Schur bei uns vorbei. Oft als Eintracht-Urgestein bezeichnet, hat Alex Schur den Sprung vom Aktiven zum Trainer erfolgreich geschafft. Mit der U17 von Eintracht Frankfurt wurde er in der Saison 2009/10 sogar Deutscher Meister.
Seine Theorie-Kenntnisse nutzten wir und baten ihn um eine kleine Taktikschulung. Auf einfachem Flipchart sehr anschaulich dargestellt, kam uns das „Verschieben“ ganzer Mannschaftsteile sehr viel näher, als per High-Tech im TV. Das Publikum lauschte gespannt und wir hätten noch lange zuhören können. Doch die Zeit verflog und unter großem Applaus wurde Alex Schur verabschiedet.
Noch schnell die Mannschaftsaufstellung, souverän präsentiert von Kurt E. Schmidt und dann war sie vorbei, unsere 5. Waldtribüne. Die erst holprige, dann rasante Vorbereitungszeit hatte uns letztendlich zu einem großartigen Programm geführt.
Da bleibt mir nur noch zu sagen: Ende gut, alles gut, auch wenn´s vorher immer anders kommt, als man denkt!
Frauke
Auch zum Heimspiel gegen den Karlsruher SC gibt es vor dem Museum zwischen 11.45 Uhr und 12.30 Uhr wieder eine Waldtribüne. Diesmal freuen sich die Macher auf Fans des Karlsruher SC, die in Karlsurhe eine tolle Fanzeitung auf die Beine stellen. Dazu gesellen wird sich ein Vertreter der Frankfurter Fanzeitung Fan geht vor, die dieser Tage ihre 200. Ausgabe erlebte. Und mit Dr. Peter Kunter ist auch wieder ein ehemaliger Spieler der Eintracht zu Gast auf der Bühne. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher!