Mein erstes Auswärtsspiel.
Fußballlose Zeit, Hessens bedeutendste Fußballspiele gestern im Fernsehen, wie schaut mein Ranking aus und wo war ich schon dabei? Grübel, was war eigentlich mein erstes Auswärtsspiel? Das müsste doch, wirklich wahr? Scheinbar stimmt es.
02.05.1981.
1981? Klingelt’s da bei einigen Älteren? Ja, DFB Pokalendspiel 1981, tatsächlich mein erstes Auswärtsspiel mit der Eintracht.
Im Halbfinale treffen zwei Bundesligisten in Heimspielen auf zwei Zweitligisten. Beide haben größere Probleme, setzen sich aber am Ende durch. Die Eintracht spielt gegen Hertha BSC Berlin, seinerzeit 2. Liga (heute auch

). Wir haben größere Mühen gegen tief stehende Berliner, aber nach einer halben Stunde erlöst Cha die Eintracht nach schön Vorarbeit von Bernd Nickel. Gegner ist wie erwartet der 1. FC Kaiserlautern in Berlin. Berlin? Ach nee, damals wollt ja noch keiner nach Berlin ;. Der Endspielort wurde meiner Erinnerung nach erst ausgewählt, wenn als die beiden Finalisten feststanden (stimmt da meine Erinnerung?). Idealerweise für beide Finalegegner gut zu erreichen. Also Lautern gegen Frankfurt, da bietet sich doch Mainz an. Ach ne, die spielten damals noch auf’m Hartplatz. Das größte Stadion, dass ungefähr gleich weit entfernt war, lag in Stuttgart. Zum Endspiel kamen 71.000 Zuschauer, keine Ahnung wie die alle reingegangen sind. Jedenfalls war es sehr voll. Aus Frankfurt waren ca. 25.000 anwesend, aus Lautern etwas mehr. Direkt vor uns stand doch tatsächlich ein guter Freund von mir mit seinem Vater. Wir waren nicht verabredet und haben uns zufällig getroffen- Man mag ja denken, dass es solche Zufälle gibt, 1984 steht er aber doch tatsächlich beim Relegationsspiel in Duisburg wieder zufällig direkt vor mir.
So kam es also dazu, dass ich vor ca. 30 Jahren mein erstes Auswärtsspiel hatte, ich war damals mit meinem Vater und zwei Freunden von Ihm mit dem Auto nach Stuttgart unterwegs. Für einen 11-jährigen Bub ein Riesenerlebnis. An die Autofahrt habe ich nicht mehr so viele Erinnerungen, in Stuttgart war sehr viel Verkehr und direkt vor uns war ein Lauterer Fanbus, der uns mit entsprechenden Handzeichen (die gibt es so heute auch noch

, provozierte. Die Lauterer waren im Vorfeld sehr siegessicher, waren aber auch eine echte Spitzenmannschaft. In der Vorsaison 3. und in der laufenden Saison sollten sie am Ende den 4. Rang belegen. Mit Hellström hatten sie einen Weltklassetormann und mit Briegel einen Nationalspieler und Europameister in Ihren Reihen. Im Sturm unser aller Lieblingstrainer Friedhelm Funkel. Außerdem noch Geye, Bongartz, Wendt um nur ein paar zu nennen. Die Lauterer fertigten Real Madrid ein dreiviertel Jahr später am Betzenberg mit 5:0 ab. Die Eintracht hatte meistens Problem mit Lautern, am Betze gab es nur wenig zu holen und zu hause gab es auch öfters mal Punktverluste. Ein Jahr zuvor gewann Lautern 5:3 im Waldstadion und unser Torwart Klaus Funk war an allen Gegentoren maßgeblich beteiligt.
Zwei Wochen vor dem Endspiel besiegte Lautern die Eintracht im Bundesligaspiel mit 2:0.
Man konnte also sagen, dass Kaiserslautern durchaus Favorit war, zumindest haben sie das gedacht

. Das war vielleicht auch ein Vorteil, den die Eintracht war an guten Tagen wesentlich stärker als manch einer vermutet hätte. Eben eine richtige Diva.
Torwart war Jürgen Pahl, der an guten Tagen Weltklasse hielt und an schlechten Tagen sich den Ball beim Abwurf ins eigene Tor warf. In der Abwehr spielten Neuberger, Sziedat, Pezzey und Körbel. Neuberger war ein moderner Verteidiger, der damals schon die Linie nach vorne rannte, begleitet von lang gezogenen Willi rufen. Sziedat war eher ein harter Hund, Typ unbequemer Gegenspieler. Charly Körbel war Mr. Zuverlässig und Bruno Pezzey war zu seiner Zeit einfach nur Weltklasse. Kopfballstark, Zweikampfstark und immer um den Spielaufbau bemüht. In etwa wie Chris, nur noch einen Kopf größer und noch eleganter.
Im Mittelfeld spielten Lorant, Borchers, Nachtweih und Nickel. Lorant war sehr laufstark und ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Disco Ronny Borchers spielte meistens aufreizend lässig, an guten Tagen aber auch zielstrebig und schnell nach vorne. Norbert Nachtweih war ein Allrounder, Laufstark und immer bereit Löcher zu stopfen und Dr. Hammer Bernd Nickel konnte Gegenspieler umschießen (mehr dazu später). Im Sturm war Bernd Hölzenbein in seinem letzen Pflichtspiel für die Eintracht und Bum-Kun Cha, ein kompletter Stürmer, schnell, wendig, torgefährlich. Mit Pezzey und Cha Bum hatte die Eintracht zwei echte Weltklassespieler (oder übertreibe ich da?). Ihr merkt es schon, die Eintracht hatte eine Klassemannschaft und an einem guten Tag war sie jedem Gegner gewachsen.
Man merkte ziemlich schnell, dass die Eintracht einen solchen Tag erwischt hatte. Der Ball lief gut durch die eigenen Reihen und die Lauterer meistens hinterher. Der Funke sprang über und die Unterstützung aus der Kurve für die Eintracht war schnell da. Zu dieser Zeit nicht immer selbstverständlich, dafür waren die Lauterer kaum zu hören, was damals auch außergewöhnlich war. In der 38. Minute gab es halblinks Freistoss für die Eintracht, Dr. Hammer schoss in die Mauer und ein Lautere blieb erstmal auf dem Rasen liegen (ich hatte es ja angekündigt). Das Spiel lief weiter, die Abwehr der Lauterer war etwas verwirrt und Willi Neuberger hielt direkt aus 25 Metern drauf. Der Ball flog wie ein Strich ins Tor. Lautern war geschockt und die nun großartig aufspielende Eintracht nutze dies gnadenlos aus. Ein lange Pass aus dem Mittelfeld und Ronald Borchers geht auf die Reise, ist mit Ball schneller als zwei Abwehrspieler und vollendet aus 16. Meter mit links in den rechten Winkel. Ein Traumtor 5. Minuten vor der Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel kontrollierte die Eintracht das Spiel, Kaiserslautern hatte keine Chance und bäumte sich auch nicht mehr großartig auf. Das 3:0 in der 64. Minute war die logische Konsequenz einem schönen Solo von Holz(?) auf halbrechts folgte eine punktgenaue Flanke auf Cha-Bum der aus 10. Meter völlig frei mit dem Kopf vollstreckte.
Das Spiel war entschieden, nun ging es nur noch darum, Bernd Hölzenbein zum Abschied noch ein Törchen aufzulegen. Das wollte aber leider nicht mehr gelingen. Der Gegentreffer durch Geye in der 90. Minute ging in den Jubelgesängen der Eintracht Fans unter. Ein Jahr nach dem Uefa-Cup Sieg gelang der nächste Triumph, überzeugend und völlig verdient.
Nach spielende wurde Holz von seinen Mitspielern auf der Schulter mit dem Pokal durch die Kurve getragen. Für Ihn sicher ein würdiger Abschied und für mich ein tolles erstes Auswärtsspiel. Viele besser geht es wohl kaum.
Nun wäre ich sehr gerne mit meinem Sohn im nächsten Jahr nach Berlin zu seinem ersten Auswärtsspiel gefahren, wurde ja leider nix. Also wird es wohl doch Bundesliga werden.
Egal, die Eintracht ist immer eine Reise wert. Vielleicht wurde der ein oder andere ja durch mich an sein erstes Auswärtsspiel erinnert und fühlt sich animiert einen ähnlichen Bericht zu schreiben? Das wäre doch toll in dieser fußballarmen Zeit.
Hier noch ein Link zum klasse Eintracht Archiv
http://www.eintracht-archiv.de/1980/1981-05-02st.html