Ja super, einfach sensationell! Erstmal Dank an propain, nach dessen umfassender Eröffnung ich dachte, es sei schon praktisch alles erwähnt! Und dann kommt miep und greift dermaßen tief in die Annalen, stellt Bilder hier rein, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, dass es mir die Sprache verschlägt. Besser geht’s nicht.
Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich eher selten
im G war. Da flogen mir zu viele Gegenstände (überwiegend Bierbecher) und es war stets brechend voll. Meist stand ich im benachbarten H, weil man ja dann doch die Stimmung so hautnah wie möglich miterleben wollte. Und schwappte dann mal der eine oder andere Schlachtruf über, dann war H der erste Block, der einstimmte. Außerdem konnte man da im Sommer auf den Stufen in der Sonne sitzen, da das Waldstadion i.d.R. nur einmal im Jahr ausverkauft war. Preisfrage: Gegen wen wohl? Der Blockzwang im G kam schon relativ früh, so dass man mit anderen Karten dort nicht reingelassen wurde. Aber zu der Zeit war vieles noch halbherzig: Wer unbedingt wollte, ist dann eben mit einer x-beliebigen Karte in H und über den Zaun geklettert oder durch das meist offenstehende Tor zu G unten an der Laufbahn.
Apropos halbherzige Kontrollen: Dass mich mein Papa gelegentlich mit meiner 3-Mark-Kinder-, später 5-Mark-Jugendkarte auf die Sitzplätze geschleust hat, steht zwar schon in anderen Fanhistorien-Freds, sei der Vollständigkeit halber hier aber nochmal erwähnt. Von der Tribüne aus, auf der zwar immer viel geschimpft, aber grundsätzlich zucht- und ordentlich gesessen wurde („Setz Disch widder hie unn geb Ruh, Du Nachtkapp!“), blickte ich dann aber neidvoll auf das Getobe im G-Block.
Weiß eigentlich noch jemand, dass bei vollem Haus, die Fans hinter unserer Kurve in den Bäumen saßen und niemand den Versuch unternahm, sie dort runter zu holen? Und wer außer mir hat sich noch geärgert, dass bei Spielen gegen Kellermannschaften ganze Blöcke einfach gesperrt wurden, darunter zeitweise sogar H, nur damit man sie danach nicht sauber machen musste?
Die „inoffiziellen“ Rituale vor dem Spiel im Anstoßkreis hat propain ja schon erwähnt. Ich erinnere mich aber auch noch an ettliche Wimpeltauschaktionen mit gegnerischen Fanclubs an der selben Stelle. Damals waren tatsächlich noch einige „Fanfreundschaften“ aktuell und keiner in der Kurve hätte jemals den Frevel begangen, Duisburger, 60er, Hamburger, Nürnberger oder gar Schalker als „Arschlöcher“ zu besingen.
Auch mein erster Schal war selbst gestrickt (schwarz-weiß, wie sich das gehört) und natürlich blieb es nicht bei dem einen: Es gab ja noch zwei Handgelenke... Die alten Schals hat heute mein Junior (8) und knotet sie sich genauso sinnlos um alle möglichen Extremitäten, wie damals der Papa. Und natürlich nerv ich wieder nur, wenn ich darauf hinweise, dass die Dinger zu lang sind und er sie durch den Matsch schleift. Alles kehrt wieder...
Und zum Thema „An die Wand gesungen“ fällt mir auch noch einiges ein. Zuallererst das Europacupsieger-Spiel 1982 gegen Tottenham. Als deren Fanbusse durch die Stadt fuhren, hatten wir noch das große Maul und haben gepöpelt, was das Zeug hielt. Wie dann aber die Engländer nach dem 2:1-Anschlusstor diese akustisch grauenvolle Riesenschüssel zum Vibrieren gebracht haben... unbeschreiblich! „You’ll neeeeeever waaalk aaaalooooone!“, Dauergesänge voller Inbrunst und Leidenschaft – sowas kannten wir damals noch gar nicht. Mir läuft’s immer noch eiskalt den Rücken runter.
Weniger durch die Harmonie der Gesänge als durch die ohrenbetäubende Lautstärke und Pyroshow auf der fest in Feindeshand befindlichen Gegengeraden ist mir das UEFA-Pokalspiel 1992 gegen Galatasaray in Erinnerung geblieben. Mit welcher Kompromisslosigkeit und Aggression türkische Fans ihre Mannschaft nach vorne peitschen, konnten wir schon damals erleben. Da war einfach nichts entgegen zu setzen.
Die Konfetti- und Schnipselorgie haben propain und miep hinreichend beschrieben. Ich möchte darüber hinaus auch noch an den allseits beliebten Bierdeckelweitwurf erinnern: Die Aschenbahn vor dem Block war danach übersät. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie man danach ein solch matschiges Stadion immer wieder sauber bekommen hat.
Und wenn man sich mal generell an die Gewaltbereitschaft in den 70er und 80er Jahre zurückerinnert, dann erscheinen die durch unzählige Stadionverbote drangsalierten Ultras von heute in einem ganz anderen Licht. Es war zum Beispiel gang und gäbe, dass man sich nach einem (gewonnenen) Spiel vor gegnerischen Trophäenjägern in acht nehmen musste. Diese tauchten mangels Polizeisperre auch nicht selten direkt an den Blockausgängen unserer Kurve auf. Sogar in den Blöcken selbst kamen sie von hinten und zogen einem die Mützen ab. Später sorgten Eintracht-Fans auf Auswärtfahrten für zweifelhaften Ruhm, als sie ganze Waggons anzündeten. Und zur „Adler-Front“ muss ich nicht viel sagen. Dagegegen wirken die Rangeleien von heute lächerlich.
Bei mieps vorletztem Stadionfoto musste ich zweimal hinschauen, um mir bewusst zu werden, was da eigentlich zu sehen ist: Das Waldstadion im Umbau! Ein Bild, welches mir so vertraut ist, weil wir alle erst vor kurzem regelmäßig diesen Anblick verinnerlichen durften: Brechend volle Kurve vor leerer, neu erbauter Tribüne. Nur ein kleiner Unterschied besteht: Mieps Bild ist über 30 Jahre älter! Kaum zu glauben: Dass, was da gerade neu für eine WM erbaut wird, existiert schon gar nicht mehr.