Unter dem Gesichtspunkt des sportlichen Wettbewerbs betrachtet sind die gesamten Ligenreformen der letzten Jahre ein kompletter Witz.
Wer steigt denn noch sportlich ab und wer steigt auf?
Im Norden z.B. haben die meisten Clubs wegen wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit keine Lizenz beantragt – zumal das Lizenzverfahren selbst ja ebenfalls teueres Geld kostet. Teilweise steigt erst der Dritte oder schlechter Platzierte in die Regionalliga auf.
Gerade Düsseldorf ist ein ganz schlechtes Beispiel. Fortuna wurde zweimal über die Lizenzierungsbedingungen "nicht abgestiegen" (weil angeblich Dokumente des unmittelbaren Abstiegs-Konkurrenten Sekunden zu spät beim DFB eingingen) und "aufgestiegen" (weil Velbert, der Erstplatzierte, keine Lizenz beantragt hat - wegen wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit).
Die Stadt Düsseldorf (OB Erwin) hat die Fortuna massiv unterstützt, am Rande jeglicher Legalität - bis hin zur Regierungskrise.
Während des Stadtionbaus wurden teilweise keine Steuererklärungen abgegeben, einer der skurrilen Höhepunkte: die (alte) Betreibergesellschaft und der neue Gesellschafter haben sich mit Hilfe von angeheuerten Security-Mannschaften gegenseitig den Zutritt zum Stadion/Büros verwehrt.
Was die letzten zehn bis fünfzehn Jahre in Düsseldorf im Zusammenhang mit der Fortuna stattgefunden ist, war alles andere als seriös und vielleicht gerade deshalb sind sie jetzt dort, wo sie jetzt sind.
Die Düsseldorfer-Begebenheiten sind geradezu exemplarisch, wie mit zweierlei Maß seitens DFB/DFL gemessen wird und wie seriöse und unseriöse Arbeit bewertet wird. Stichworte: Kaiserslautern, Schalke, Dortmund und aber auch Frankfurt „die launische Diva“ – die Liste ist doch praktisch beliebig lang.
Die „neue“ Ligareform ist kaum realisiert, schon werden Fernsehgelder für die unteren Ligen wieder gekürzt, zumal die Vereine keine eigenen Fernsehbilder produzieren/selbst vermarkten können – der DFB/DFL ist der alleinige Rechteinhaber.
Wie sollen den Vereine mit vielleicht 90.000 Euro Fernsehgelder und einer Handvoll Zuschauer wirtschaftlich arbeiten können?
Gleichzeitig werden weitere (strengere) Auflagen für die unteren Ligen bestimmt: Flutlicht (mit bestimmter LUX-Anforderung für die fünfte Liga, sofern abends gespielt werden soll), Rasenheizung, Umbauten für größere Kapazitäten/Sicherheitsbestimmungen, TV“Flash“-Zonen, Presse-Arbeitsplätze, nicht zu vergessen: eine Anzahl an reservierten Ehrengäste-Kontingenten für den DFB/DFL, etc.
Wie sollen die Vereine, gerade in den unteren Ligen, überhaupt wirtschaftlich planen können, wenn die Regeln ständig kurzfristig geändert werden. Ebenso kurzfristig mal eben das zusätzlich benötigte Geld beschaffen?
Diese (Lizenzierungs-) Maßnahmen der letzten Ligenreform sollen ja einer vom DFB/DFL ausdrücklich gewünschten „Professionalität“ ab der Dritten Liga dienen – was auch immer das sein soll.
Wieso bestraft man Verfahrensfehler in der Lizenzierung noch zusätzlich mit Geldstrafen, wieso erlässt man keine Lizenz mit Bedingungen oder unter Beobachtung und unterstützt Vereine, die sich gerade Konsolidieren, mit sicherlich vorhandenem Know-How seitens des DFB/DFL?
Einzig die sportliche Durchlässigkeit leidet an den bisherigen Reformen (wieso gibt es z.B. keine Relegation in den Regionalligen) und so ist es wohl abzusehen, dass die üblichen Verdächtigen innerhalb der aktuellen Strukturen und Anforderungen nun mehr für alle Zeit unter sich bleiben, oder wie es einer meiner Vorschreiber geschrieben hat: wer im fahrenden Zug fährt bleibt dabei.
Alles andere ist nur Zufall und kein attraktiver, sportlicher Wettbewerb mehr. Schade.