Die Fussballfamilie trauert um Robert.
Ich habe es gestern Abend um ziemlich exakt 22.01 h erfahren. Gerade stellte ich meinen Radiowecker und da meldeten die 22-Uhr-Nachrichten ziemlich am Anfang: "Robert Enke machte 8 Länderspiele für Deutschland...", da wusste ich, dass etwas sehr, sehr ernstes passiert sein musste. Kurze Zeit später wusste ich, was passiert ist.
Ich hoffe, dass seine Frau jetzt und auch später mal sein kleines Töchterchen - wenn es mal größer ist - erfahren, dass in solch tiefschwarzen Tagen und Stunden die Menschen zusammenstehen und wir mit unserer Trauer nicht alleine sind.
Ich habe gerade Teile der Gedenkandacht aus der Stadtkirche von Hannover gesehen - wir halten alle für einen kurzen Moment in unseren täglichen Aktivitäten inne.
Für alle, die die TV-Bilder nicht sehen konnten: Am Ende der Andacht zündeten die Teilnehmer ein Licht für Robert an. Und da kamen sie nach und nach: Seine Witwe, dann Michael Ballack, Joachim Löw, Präsident Kind, Präsident Zwanziger, 96-Legende und Torwarttrainer Jörg Sievers, Oliver Bierhoff ... bei jedem bekanntem Gesicht, das ich entdeckte, kamen mir die Tränen neu.
Ich bin mir sicher, dass es der Sport, und der Fussball insbesondere, mit seiner Kraft schaffen wird, der Familie von Robert Hilfe zu sein! Später, wenn das Töchterchen mal größer ist, werden 96-Fanclubs es z. B. einladen und dann wird Fussball gespielt im Gedenken an Robert und man wird zusammensitzen und an ihn zurückdenken und sie werden dem Töchterchen erzählen, was ihr Papa den Menschen gegeben hat und wie viel er für uns alle bedeutet hat.
Jetzt, wo er nicht mehr da ist, wissen wir es, deshalb reagieren wir so, wie wir es tun, mit großer Bestürzung: Wir haben einen großen Sportsmann und Menschen verloren!
Im Freundeskreis habe ich vor ca. 25 Jahren ein ähnlich trauriges Ereignis erfahren müssen:
Der Bruder eines Schulkameraden hatte eine liebe Frau und einen kleinen Sohn, er hatte eine gute und interessante Arbeit und war wirtschaftlich ohne Sorgen. Eines Samstags gingen diese drei zu den Eltern meines Schulkameraden zum Frühstück, alle waren gut gelaunt und der Bruder wollte nur für 5 Minuten in einem Geschäft der nahegelegenen Fussgängerzone noch etwas besorgen - er stand vom Frühstückstisch auf, fuhr in einem Haus mit dem Aufzug in den etwa 10. Stock und stürzte sich in die Tiefe... unfassbar...
Die Gründe für solche Taten werden wir nie erfahren, die Menschen verbergen ihrer Umwelt bis zuletzt ihren wahren Plan. So wie es jetzt wieder Robert getan hat.
Liebe Frau von Robert und liebes Töchterchen: Die Fussballfamilie trauert mit Euch!
Und vielleicht hat Robert ja auch Angst gehabt, vor uns, die wir in den Stadien auf den Tribünen stehen und vielleicht etwas runterrufen, wenn da ein Sportler mit einer offen zugegebenen Depression in seinem Tor vor unserem Zaun steht... vielleicht hat er auch deshalb sich nicht geoutet und musste für das Verbergen seiner Krankheit ungeheure Kräfte aufbringen, die ihm jetzt zum Schluss gefehlt haben... Bei diesem Gedanken würde ich mich rein vorsorglich schämen und hätte Schuldgefühle. Vielleicht war Roberts Tod doch nicht ganz umsonst, wenn er uns Denkanstöße gegeben hat, wie wir menschlicher miteinander umgehen könnten.