1996 – die Geburt
Irgendwann im März: Die Eintracht kämpfte um den Klassenerhalt, da wurden in Frankfurt die ersten Ideen zum Bau eines neuen Stadions publik. Bei der Stadt war damals Sylvia Schenk (SPD) für den Sport zuständig. Gegen den Widerstand der zu dieser Zeit noch nicht fusionierten Leichtathletik-Clubs LG und Eintracht Frankfurt vertrat die ehemalige 800-Meter-Läuferin Schenk den Bau eines reinen Fußball-Stadions.
1998 – Skydome, Maindome oder nichts?
Stattdessen begannen alsbald die Träumereien über die wunderbare neue Stadionwelt. Von einem "Skydome" war die Rede, den ein privater Investor bauen wollte. Gemeint war ein 450 Millionen Mark teures Stadion mit verschließbarem Dach und einer ausfahrbaren Rasenfläche. Das alte Waldstadion soll erhalten bleiben als Leichtathletikstadion.
25.04.98/FR: Schenk überraschte in dem Gespräch mit der Mitteilung, dass die Arena nicht mehr wie der geplante ,,Skydome"" des gescheiterten ersten Konsortiums neben das alte Waldstadion gebaut werden solle.
Nachdem der Maindome gescheitert ist, legt auch die Eintracht eigene Konzepte für ein
reines Fussballstadion auf dem Areal der alten Radrennbahn vor, auch die Initiative reines Waldstadion (siehe Nachtrag) unterstützt dies.
1999 –Skydome, Maindome, Messestadt
Börse und Banken boomen. Deutsche-Bank-Chef Breuer legt das Konzept für eine 6,5 Milliarden teure
Messestadt vor. Mit Stadion auf dem Gelände des Güterbahnhofsgeländes. Auch Schenk ist begeistert
begeistert, doch der Traum platzt wie die Internetblase.
Präsident Heller plant unterdessen weiter ein <a
eigenes Stadion, die Stadt will aber Eigentümerin bleiben und
bastelt selbst an Träumen.
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) plädiert unterdessen dafür, in Frankfurt doch noch eine multifunktionale Arena nach dem Konzept des gescheiterten ""Skydome"" zu bauen. An einer solchen Arena werde sich das Land beteiligen, nicht aber am Umbau des Waldstadions zu einem reinen Sportstadion (
FNP vom 26.8.99 Das findet jedoch auch politisch keine Mehrheit. Schnapsidee, ist einer der freundlichsten
Kommentare.
2000 – Verhandlungen ohne Ende um das neue Stadion
“Wir brauchen das neue Stadion nicht um jeden Preis, wir wollen das Ganze ja nicht machen, um einen Vermarkter reich zu machen. Trittbrettfahrer wollen wir nicht in einem der bald modernsten Vereine Europas.“ Sagte Rainer Leben im Februar 2000. Da lief die Investorensuche bei der Eintracht auf Hochtouren, IMG, Kinowelt und Octagon waren die gehandelten Namen. IMG der Favorit der Stadt, der Vertrag zwischen der Stadt, IMG und der Eintracht unterschriftsreif. Doch kurz vor Beginn sagt Rainer Leben das Treffen ab, um nicht einmal bei der Pressekonferenz im Römer zu erscheinen.
“Das ist ein ganz miserabler Stil“, ärgert sich der Vorsitzende des Sportausschusses Busch gegenüber dem “kicker“.
Die Pressemiteilung der Eintracht Ende März ist nur kurz:
“Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat am Freitag den Neubau des Waldstadions beschlossen. Vorgesehen ist ein reines Fußball-Stadion mit 52.000 Sitzplätzen. Das Stadion soll 212 Mio. DM kosten und 2005 fertig sein. Die Pläne stehen unter dem Vorbehalt, dass Eintracht Frankfurt die Bundesliga-Lizenz behält und Deutschland den Zuschlag für die WM 2006 erhält. Das Stadtparlament muss der Vorlage noch zustimmen.“
Nach der kurzfristigen Absage von Schatzmeister Leben, an den Verhandlungen über den Stadionneubau mit der IMG mitzuwirken, herrscht Eiszeit. Die Konditionen für die Nutzung – nämlich 25% der Einnahmen - werden der Eintracht nun vorgegeben, sagt Sportdezernentin Schenk:
“Es gibt darüber keine Verhandlungen mit der Eintracht. Das bringt nichts, wir legen die Rahmenbedingungen fest und lassen uns nicht ausbremsen."
(alles aus Spielberichten zur Saison 99/00, zum Teil noch nicht online, in Franks
http://www.eintracht-archiv.de/)
2002 – Neuer Realismus
„Ein 80 Jahre altes Stadion, das vor 30 Jahren zuletzt erneuert worden war - damit wäre eine WM-Bewerbung chancenlos gewesen. So kam es zu jener Entscheidung, die in der städtischen Finanzkrise Mitte der 90er Jahre undenkbar gewesen wäre: Das Stadion wird mit öffentlichen Mitteln, sprich Steuergeld, finanziert. Die Stadt gründete die Waldstadion Frankfurt Gesellschaft für Projektentwicklung (WFGP). Die Baukosten wurden mit 125 Millionen Euro kalkuliert, plus Nebenkosten wie einer Brücke über die B 44, Straßen und Parkplätzen ging man von 156 Millionen Euro aus. Das Land erklärte sich bereit, 20 Millionen Euro beizusteuern, den Rest musste die Stadt übernehmen.“
Baubeginn ist der 17. Juni 2002 12:00 Uhr
„Zum "1. Bagger-Biss", wie das Ereignis von der Regie tituliert wurde, versammelten sich um zwölf Uhr mittags mehrere hundert Gäste auf dem Kamm der östlichen Stehkurve. Am Fuße des Erdwalls stand ein Zelt, in das die Stadion-Besitzgesellschaft und die Baufirma Max Bögl nach der offiziellen Zeremonie zum Festschmaus baten. Eigentlich kamen all die Politiker, Bauleute, Sportrepräsentanten und die vielen Medienschaffenden ein paar Tage zu spät, denn man hat nachträglich inszeniert, was schon vergangene Woche begonnen worden war. Der Großangriff eines überdimensionalen Raupenbaggers ließ bis Montagmittag von der Stehterrasse - gegenüber dem Marathontor - nicht mehr viel übrig...
FR 18.06.02
26.02.2003 – Sprengung der alten Gegentribüne
„Um 13.30 Uhr wird es heute im Waldstadion mächtig knallen. Denn das für den Neubau der Arena zuständige Bauunternehmen Max Bögl hat sich kurzfristig dazu entschlossen, den Rest der Gegentribüne noch vor dem Zweitliga-Heimspiel der Eintracht am kommenden Freitag (19 Uhr) gegen den Karlsruher SC komplett zu sprengen.“ (FR sowie:
FNP v. 26.02.03
Im Juni 2005 ist das neue Stadion fertig und wird der FIFA für die Generalprobe ConFed Cup übergeben (
FNP vom 4.06.05). Und dann regnete es beim Endspiel...
Stern v. 1.07.05).
(Lesenswert, über die Baugschichte:
http://www.eintracht.de/aktuell/pressespiegel/15653/)
Die Stadionverträge: Daten und Fakten
Im Juni 2004 hat die Stadt Frankfurt einen Vertrag mit der Stadion Frankfurt Management GmbH (
SFM) abgeschlossen. Diese Gesellschaft ist ein Joint Venture der HSG (Bilfiger & Berger Konzern) und SportFive zu gleichen Teilen (Quelle: ebundesanzeiger, Jahresabschluss 07 der SFM). Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren (
von Juni 2005 bis Juni 2020). Demnach wird Sportfive das Stadion samt Logen, "Business-Seats", Gastronomie sowie Namensrecht vermarkten und HSG die Anlagen (Rasen, Tribünen, Außengelände) in Schuss halten. (
FR vom 12.06.04).
SFM zahlt jährlich eine Pacht an die Stadt Frankfurt als Eigentümerin. In 2007 betrug diese 7,7 Mio. Euro (Jahresabschluss SFM GmbH 2007), mit der die Annuität (Zinsen und Tilgung) der Stadiondarlehen (ca. 90 Mio., siehe unten) bedient werden.
Im November 2004 hat die Eintracht den Stadionmietvertrag mit SFM unterschrieben, mit einer
Laufzeit bis 2020, Darüber hinaus unterzeichnet wurden Vermarktungsverträge (HB: 9 Monate haben daran die Anwälte getüftelt) mit SFM über Logen und Businessbereich (
FR vom 2.12.04).
Bruchhagen spricht von 9,3 Mio pro Jahr für Stadionmiete (
FNP 3.1.2010. Dies sind die Beträge für die SFM (2,2 und 6,3 Mio) und den RMV (0,8 Mio). Hier die Details (Jahresabschluss EFAG 2008):
„Die Stadionmiete/-nutzung setzt sich aus der Grundmiete an die Stadion Management GmbH (SFM), einem Nutzungsentgelt (SFM 2) und einer Vermarktungsprovision (Sportfive) zusammen. 18% der Ticketerlöse (2,2 Mio.) gehen an SFM. Zusätzlich 30% der Stadiongebundenen Vermarktungserträge (6,3 Mio) an Sportfive für das Stadion. Die Vermarktungsprovision für vereins- und stadiongebundene Rechte beträgt 16,5% der stadiongebundenen und 18% der vereinsgebundenen Rechte, in 2008 4,4 Mio.
Das sind 12,8 Mio Mietausgaben bei 14,3 Mio Erlösen für Eintrittskarten plus grob geschätzt 8-10 Mio. für die 82 Logen/2.500 Business-Sitze. Und es kommt noch dicker:
EUR (Mio.)………...........2008………..2007………..2006………..2005 SFM…..........................2,2...........2,0...........2,6….....… n.n.
SFM 2..... ………..…...…….6,3…………..6,2……...….5,7…….…….n.n.
Sportfive 2……………...…..4,4…………..4,1……….….3,9……..…..n.n.
Nahverkehr (RMV)……...0,8…..….....0,7...........0,8...........n.n.
Sicherheitsdienst…….....0,9............0,9...........1,3.......... n.n.
Summe Stadion....…….14,6.....…...13,9.…......14,3.….…... n.n.
(
http://www.eintracht.de/meine_eintracht/forum/1/11169417/)
Zur Finanzierung der neuen Arena muss die Stadt knapp die Hälfte der Gesamtkosten - 93 Millionen Euro - über Kredite finanzieren. Für Zins und Tilgung müssen im Jahr etwa sechs Millionen Euro aufgebracht werden. (
Stand 12.06.04/FR).
In 2005 war dann von Gesamtkosten von 188 Mio die Rede (FR vom 4.3.5 zum
Vertrag über den Namen CB-Arena. Angeblich zahlt die Commerzbank 10 Jahre lang (also bis 2015) jährlich 2 Mio für die Namensrechte an Sportfive (siehe Quelle unten).
Bei Übergabe an die FIFA für den ConFedCup hieß es: “Inklusive der Erschließungskosten im Umfeld der Arena hat der vor drei Jahren begonnene Stadionumbau
knapp 230 Millionen Euro gekostet. 20 Millionen gab das Land Hessen dazu.“ (
FR v. 4.6.2005) In 2003 war es noch so: “Die Baukosten wurden mit 125 Millionen Euro kalkuliert, plus Nebenkosten wie einer Brücke über die B 44, Straßen und Parkplätzen ging man von 156 Millionen Euro aus.“
Hier noch ein kurzer Artikel über die Logenvermarktung und Preise (FR 19.03.05):
http://www.eintracht.de/aktuell/pressespiegel/14948/
Nachtrag auf Anregung von @schwarzer geier - Die Initiative reines Waldstadion
1998 wird die Initiative reines Waldstadion (IRF) gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss aller Fangremien der Eintracht und repräsentierte 1998 die über 7000 organisierten Fans. Unter anderem wurde ein Stadion ohne Laufbahn, ausreichende Stehplatzkapazität, sozialverträgliche Preise, Fanräume und ein Eintracht Museum gefordert (
http://www.eintracht.de/fans/neues/8852/ ).
Hierzu schreibt die FuFa (anlässlich des 5jährigen Bestehens 2005): “Im April 2004 forderte die Fanabteilung, in einem Brief an den Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG noch einmal die Erhöhung der Stehplatzkapazität sowie Räumlichkeiten für Fans und für ein Museum. Mit dem Umbau der Blöcke 42a und 42b in der Westkurve von Sitz in Stehplätze wurde der Forderung nachgekommen. Mittlerweile gibt es auch ein Fahnenlager und in den Räumlichkeiten des zukünftigen Eintracht-Museums hat sogar schon eine Präsentation für das Museumskonzept stattgefunden. Die Arbeit der AG Stadion und der IRF war im Endeffekt also sehr erfolgreich...“
(
Text FuFa.
Bilder von der Museumseröffnung am 27.11.07:
Museum Aktuelles v. 29.11.07. Über das Museum schreibt Beve im November 07 viel besser, als ich es je könnte:
http://beverungen.blogspot.com/2007_11_01_archive.html
(Wie immer habe ich die Bilder aus Franks tollem: http://www.eintracht-archiv.de )
Edit bzw. Nachträge vom 15.1. (IRS) und 19.1. (1999 Messestadt)