municadler schrieb:Die FDP verkörpert aber ein Staatsverständnis, indem sich der Staat extrem weit aus dem Wirtschaftsprozess raushalten soll und weniger als bei allen andren Parteien eingreifen soll. Nicht nur dass er weniger soziale Wohltaten vollbringen soll, nein es soll auf ganzer Lineie weniger Staat geben.
Soweit richtig. Aber auch die FDP ist eine deutsche Partei, die sich an das deutsche Grundgesetz (Sozialstaatsgebung) halten muss und an deutsche Auffassungen des Wirtschaftens hält. Sie steht für mehr Eigenverantwortlichkeit und will dieses beim Bürger belohnen.
municadler schrieb:Ein bisschen eben das amerikanisch/ britische Reagan-Tchatcher Modell..
Ein Zurückfahren des Staates zeigt sich auch darin, dass der Staat seine Einnahmen durch Steuersenkungen immer weiter zurückfährt. ( Reagan-Bush Doktrin)oder auch dass der Bürger sich selbst überlassenb wird durch Abschaffung oder Nichteinführung elementarster Sozialversicherungen. ( Tea Party)
Also das liest sich ein bisschen so, als würde ich die SPD und Union als extremst sozialistisch und planwirtschaftlich beschreiben, nur weil sie für direkte Subventionen z.B. bei der Energiewende stehen.
Die Demokratische Partei der USA entspricht ziemlich genau der FDP, welche wiederrum relativ weit von der GOP entfernt ist.
Die FDP darf gemäß dem Grundgesetz weder die Abschaffung sämtlicher Sozialversicherungen fordern, noch andere Parteien andere Leute rausschmeissen, noch denen Hartz4 streichen.
Die Frage "Wer darf über mein erarbeitetes Geld verfügen." beantwortet die FDP am ehesten damit, dass dies nicht der Staat, sondern Unternehmer/Privatperson ist.
So pauschal mit deutschem Hochmut zu sagen, dass das deutsche Renten/Sozialsystem die Ultima Ratio ist, halte ich für gewagt. Wenn man sich über Sozialsysteme unterhält fällt darunter zählt eben nicht nur das gesetzliche, sondern extrem wichtige berufliche und private. "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" - lieber nicht. Die amerikanischen/britischen/schweizerischen Rentner (auch die ärmeren) sind noch nicht an Hungersnot gestorben, noch haben sie wegen angeblicher Unfairnis im System rebelliert.
municadler schrieb:Die FDP ist nicht die Tea Party, aber sie ist diejenige, die deren Ansinnen am nächsten kommt.
Die Tea-Party ist eine Bewegung des erz-erzkonservativen Flügels der GOP, der mit Liberalismus erstmal praktisch gar nichts zu tun hat. Sie ist selbst innerhalb der Partei (außer vielleicht Ron Paul) dem ganz rechten Flügel angehörig und hat selbst mit einem George Bush (der auch Feindbild ist) noch gemäßigten Republikanern wenig gemein.
municadler schrieb:Im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 zeigte sich sich dann die hässliche Fratze des Kapitalismus. das Finanzsystem stand vor dem Kollaps - Bush versuchte zunächst alles laufen zu lassen ( und den Staat raus zu halten), als aber klar wurde, dass damit das komplette System vor dem Ruin stand, war der Staat doch wieder recht und musste für Banken geradestehen.
Das Beschriebene hat strenggenommen viel mit sozialromantischen "American Dreams" zu tun, wonach sich jeder eine Hütte leisten sollte. Das amerikanische Kreditgebegeschäft und die Bilanzierungstricks wurden dahingehend umgebaut und verwandt, genauso wie in einigen Südeuropäischen Ländern.
Nachdem diese Blase geplatzt ist, in die viele Pensionsfonds/Banken investiert hatten und man Lehman nicht gerettet hat, weil die Auswirkungen noch nicht klar waren, war man gezwungen, die Wirtschaft und insbesondere die Banken (weltweit) zu stützen, da ansonsten sich ein Dominoeffekt ausgebreitet hätte.
Amerika hat allerdings schon seit den 80ern das Problem des Handelsdefizits und der privaten Sparquote - die Probleme schlechthin der USA, weswegen die Finanzierung der kürzeren Vergangenheit fraglich ist.
municadler schrieb:Das Ergebnis sehen wir jetzt : ganze Volkswirtschaften kommen ins Wanken - du kannst mit Recht anmerken, dass die Defizite speziell Griechenlands und mit Abstrichen auch Italiens aufgrund zu hoher Spendierfreudigkeit des Staates hervorgerufen wurden. Genausogut kann man aber nachweisen dass in beiden Ländern die Steuermoral am Boden liegt und auch das ein gewichtiger Grund ist für marode Staatsfinanzen.
Exakt. Wer sich ein großzügigen Sozialstaat leistet, muss ihn mittels Wachstum & Steuereinnahmen finanzieren können. Deutschland kann das in einem gesunden Niveau, Griechenland/Italien dagegen nicht. Die USA sind auf einem wirtschaftlichen Abstieg und erhöhen jetzt die gesetzlichen Sozialausgaben, obwohl deren System anders aufgebaut ist. Erhöhen aber gleichzeitig nicht die notwendigen Steuern, wo die GOP sich dagegen stellt, um das alte Sozialsystem zu halten.
municadler schrieb:IN den USA und Grossbritanien wirst du sicher nicht zu hohe Sozialleistungen bemmängeln und dennoch sind beide Staaten bei Licht betrachtet auch nahe am Staatsbankrott. In beiden Ländern wurde der Staat immer weiter zurückgedrängt und ausgeplündert durch Steuersenkungorgien.
Nein. Also die USA sind selbstverständlich nicht pleite, genauso wenig Großbrittanien. Nach implizierten Gesamtschulden steht Deutschland aber selbstverständlich besser da, da die notwendigen Ausgaben, um zusätzliches Geld in den Kreislauf zu bringen, der deutsche Staat macht und die private Hand praktisch Schuldenfrei ist, sowie "genügsam" + Handelsüberschüss lebt. Daher haben wir 300% Staatsverschuldung, die aber durch die Demographieproblematik zunimmt, während USA und England auf 400% kommen. Verdanken haben wir das unserer Wirtschaft und der Wirtschaftspolitik, wogegen das meiste subventionierte Geld für immer verloren ist.
Steuersenkungen gehen solange nicht, solange man die Ausgabenseite sinnlos nach oben schraubt. Was dort eingespart wird, wird an anderer Seite wieder eingespart und kann dann wiederrum mehr ausgegeben werden.
municadler schrieb:Deutschland mit all seiner Sozialgesetzgebung steht besser da. Ich sage nicht, dass dies der Hauptgrund ist aber ein etwas stärkerer Staat der seinen Bürgern ein Mindestmass an Sicherheit, Bildung und Infrastruktur zur Verfügung stellen kann, scheint zumindest nicht hinderlich zu sein.
Wenn wir aber in Deutschland immer noch im Vergleich zu andren Ländernb einen relativ starken und handlungsfähigen Staat haben, dann ist dass der Verdienst aller möglichen gesellschaftlichen Gruppierungen - aber einer zuletzt :
der FDP
Nein, das steht so im Grundgesetz. Und die Frage ist ja, welche (Wirtschafts)Politik dafür verantwortlich ist, dass es Deutschland im Verhältnis so gut geht bzw. ob es mit anderen Entscheidungen nicht besser gelaufen wäre.
Das Deutschland noch halbwegs gut dasteht, ist prima. Genauso, dass man sich soviel Soziales leisten kann. Aber die Frage ist halt, ob man das an irgendetwas fest machen möchte, was dafür nicht in Frage kommt. In den anderen Ländern ist es auch nicht so, dass der jeweilige Staat keinerlei öffentliche Einrichtung mehr bieten kann.
Die FDP fordert kein angelsächsisches soziales Abfederungssystem, sondern steht dem heutigem deutschen im Hinblick auf die Zukunft höchstens skeptisch gegenüber und schaut, wie man das finanzieren kann.