Bigbamboo schrieb:YZ schrieb:Mal so zwischendurch: Interessant, wie Du immer wieder die Fehlleistungen der derzeitigen Regierungsparteien mit jenen der Vorgänger zu relativieren versuchst. Bei gefühlt jedem Beitrag Deinerseits zur Politik kommt das durch: Die anderen sind doch genauso schlimm. ...
Ich habe doch recht deutlich geschrieben 'Ändert aber nichts an Tubes Ausführungen, die ich absolut teile'.
Um jedoch beurteilen zu können, ob es sich hier um individuelle Fehlleistungen einer Partei oder um in unserem politischen System verankerte Missstände handelt, halte ich den Blick auf die Vorgängerregierungen und die Opposition für geboten.
YZ schrieb:...
Vor der Bundestagswahl hast Du gerne darauf hingewiesen, welche bösen Parteien die Hartz-IV-Gesetze verbrochen haben - garniert mit dem Hinweis, dass die FDP ja mittlerweile gar nicht mehr so unsozial sei (Übrigens stets ohne auf die Hintergründe dieser Gesetzgebung einzugehen). Du bist einer von vielen, die dem Gesäusel von Westerwelle & Co. auf den Leim gegangen sind. Das kann man nachsehen. ...
Großzügig von Dir, dass Du mir das nachsiehst. 
Auf Betreiben der FDP wurde übrigens aktuell das Schönvermögen von Hartz-IV-Beziehern für die Altersversorgung verdreifacht.
Ich habe ferner immer gesagt, dass ich die FDP trotzt und nicht wegen Westerwelle wählen werde.
YZ schrieb:...
Wer sich ernsthaft mit Sozialpolitik beschäftigt, musste aber davon ausgehen, dass die FDP qua Selbstverständnis nie die Partei des sozialen Ausgleichs sein kann. Sie verlöre dadurch die Unterstützung jener gesellschaftlichen Gruppen, die sie finanzieren. ...
Wer sich ernsthaft mit der FDP beschäftigt, müsste wissen, dass dies polemischer Blödsinn ist.
YZ schrieb:... Dass Du mittlerweile hier Deine Fehleinschätzung zumindest in Teilen eingestehst, nehme ich übrigens mit Respekt zur Kenntnis.
Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit, die leider hier selten zu finden ist: Caio gut - Caio schlecht, Funkel gut - Funkel schlecht, etc.
Die Diskussionen würde um einiges mehr Spaß machen, wenn nicht jeder immer als 'Gewinner' aus einer Diskussion heraus gehen wollte.
Okay, dann schreib doch noch ein paar Worte über meine Sicht der Dinge hier rein, obwohl ich davon überzeugt bin, dass es eigentlich nix bringt (anderes Thema).
Zu allererst zum Vorwurf, ich würde hier „polemischen Blödsinn“ verbreiten: Ich hatte Dich schon vor einiger Zeit, lieber BBB, per PM darum gebeten, meine Beiträge bitte nicht als „Blödsinn“ o.ä. zu disqualifizieren, da ich grundsätzlich auch Deine Beiträge nicht als „blödsinnig“ bezeichnen würde, es sei denn, Du erklärtest Jermaine Jones zum größten Eintracht-Spieler aller Zeiten oder Oxxenbach zu Deiner Lieblingsstadt.
Ich vermeide – außer im Gebabbel – möglichst jedwede Polemik – es sei denn, der Gaul geht wirklich mit mir durch, was selten vorkommt. Selbst beim Lesen der Beiträge von Gregor06 beherrsche ich mich. Und das will was heißen.
Anlass Deiner Bemerkung war meine Aussage: „Wer sich ernsthaft mit Sozialpolitik beschäftigt, musste aber davon ausgehen, dass die FDP qua Selbstverständnis nie die Partei des sozialen Ausgleichs sein kann. Sie verlöre dadurch die Unterstützung jener gesellschaftlichen Gruppen, die sie finanzieren.“ Daraufhin kam der Vorwurf, ich würde mich blödsinnigerweise nicht ernsthaft mit der FDP beschäftigen.
Berufsbedingt hatte ich mit einigen FDP-Politikern zu tun: Rainer Brüderle, Walter Döring, Werner Hoyer. Als Beobachter des Mannheimer FDP-Parteitages 2002 durfte ich verfolgen, wie Guido Westerwelle zum Kanzlerkandidaten (!) gekürt wurde und führte ein sehr, sehr nettes Gespräch mit Burkhard Hirsch, den ich als „echten“ Liberalen kennenlernte. Ein Liberaler, der als einer der letzten Bürgerrechtler gegen die wirtschaftsliberalen Westerwelle-Windmühlen ankämpfte. Ich traf Junge Liberale, die weiche Drogen legaliseren wollten, und mit ihrem Antrag zum x-ten scheiterten. Egal, sie haben es versucht, immer wieder.
Skurril seinerzeit der Auftritt Möllemanns, der sich eigentlich krank gemeldet hatte, dann aber doch kam, um beim Erscheinen sämtliche Scheinwerfer auf sich zu ziehen: 18 Prozent. Das war das Ziel und vor dem Rosengarten stand das kunterbunte Guido-Mobil als Ausgeburt der selbsterklärten Spaßpartei. „Ja, ich habe Spaß“, rief Westerwelle in den Saal. Die Delegierten applaudierten. Nur Burkhard Hirsch und ein paar andere rieben sich die Augen: „Ist das Euer Ernst?“
Möllemann fiel vom Himmel, Westerwelle führte jetzt uneingeschränkt die „Liberalen“ und trimmte sie uneingeschränkt auf Wirtschaftskurs. Er schoss sich auf die Gewerkschaften („die wahre Plage in unserem Land“) ein, pries den Markt und seine Segnungen, flirtete mit Angie, scheiterte aber dann doch am Wähler. Selbst als Gerhard Schröder aus Verdruss über fehlende Zustimmung aus dem Volke Neuwahlen riskierte, unterlag Westerwelle.
Soweit zu Deinem Vorwurf, ich beschäftigte mich nicht ernsthaft mit der FDP. Er trifft nicht zu. Ich vermisse die FDP als Partei der Bürgerrechte, als Partei, die jetzt Licht in das Dunkel der skandalösen Polizeipraxis in Bayern bringt. Immerhin regiert die FDP dort mittlerweile mit. Warum sorgt die Bayern-FDP nicht dafür, dass die berühmt-berüchtigten USK-Schläger zur Verantwortung gezogen werden?
Noch ein paar Worte zum Punkt „Sozialpolitik“ der FDP und Parteienfinanzierung. Lassen wir mal die jüngsten Spenden der Hotel- und Gaststättenlobbyisten beiseite, die unmittelbar einen Steuervorteil einbrachten – obwohl mich das wirklich ärgert. Die FDP profitiert traditionell mehr als andere Parteien von „privaten Spenden“. Wenn wunderts, dass die Spender eine Gegenleistung einfordern.
Äußerst interessant finde ich Deine Aussage über „in unserem politischen System verankerte Missstände“, wegen derer Du den „Blick auf die Vorgängerregierungen und die Opposition für geboten“ hältst.
Auch in meinen Augen wird das real existierende politische System den gesellschaftspolitischen Anforderungen nicht gerecht. Das Wahlrecht begünstigt Lobbyismus, Kumpanei, Korruption.
Ausweg: Mehrheitswahlrecht. Im Wahlkreis wirbt der Kandidat persönlich um die Gunst der Wähler. Keine Listen, kein Proporz. Echter Wettbewerb.
Ob die FDP überleben würde?