Miso schrieb:Kartoffelklöße halbundhalb. Beim Nudelteig kann ich fühlen, ob er richtig ist. Gilt das auch für Kartoffelkloßteig? Denn zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich trotz aller Techniken (sogar mal einen kräftigen Freund zum Auspressen der rohen Kartoffeln angestellt) noch keine perfekten Klöße hinbekommen habe. Und die Thüringer Oma, deren Erbe ich ja weitertragen müsste, starb zu früh.
Habt Ihr Tipps?
Thüringische Kartoffelklöß, liebe Carola (die besten gibt es übrigens paradoxerweise in Coburg), sind eine äußerst diffizile Angelegenheit, und eine göttliche Speise. Reines Manna. Noch vor Äppler und Rippsche bin ich damit aufgezogen worden. Es gibt rohe und gemengte Klöß. Du meinst die rohen , d.h. halbe-halbe.
Meine Mutter kann sie noch, ich trau mich nicht dran. Daran erinnere ich mich: es bedarf einer bestimmten Kartoffelart (aus der Bamberger Gegend). Weiß nicht das genaue Verhältnis, aber die Kartoffelmenge wird in zwei Gruppen geteilt, etwa 1/3 zu 2/3. Die eine wird geschält und dann roh in einer elektrischen, zentrifugal wirkenden Reibe gerieben und entsaftet. Die trockene, zerkleinerte Kartoffelmaterie, hauptsächlich Stärke, wird in eine Schüssel gegeben. Mittlerweile hat man den anderen Teil der Kartoffeln mit etwas Salz quasi zu Brei zerkocht, der weder zu dick noch zu wässrig sein darf. Diesen gibt man portionsweise in die Schüssel zu den geriebenen rohen Kartoffeln dazu und verknetet die beiden Anteile mit einem großen, hölzernen Quirl.
Das Bearbeiten des Teigs dauert so lange, bis er sich von der Wand der Schüssel löst. Man kann durch Hinzugeben heißen Wassers in Richtung Geschmeidigkeit des Teiges nachkorrigieren. Inzwischen hat man in einem großen Topf Wasser gerade so zum Kochen gebracht, idealerweise soll es "simmern", d.h. kurz unterhalb von Kochen. Des weiteren wurden in Würfel geschnittene Semmeln in Butter und mit etwas Salz zu "Bröckele" geröstet.
Nun werden Handportionen von Teig aus der Schüssel genommen, flach geformt, paar Bröckele eingelegt und das Ganze zur Kugel gerundet und ins siedende Wasser gegeben. Die Klöße ziehen ein paar Minuten darin, dann sind sie fertig.
Ich möchte Dich keinesfalls entmutigen. Aber es bedarf, für eine Beilage, eines ziemlich großen Aufwandes und vor allem großer Erfahrung, was die Mengen, Relationen, Konsistenzen etc. anbelangt.
Aber: die Klöß schmecken göttlich. Zu Rinder- und Sauerbraten, Ente und Gans. Ich habe Sie für mich blutenden Herzens durch Gnocchi ersetzt - sehr gut, aber eben nicht göttlich.