Die einigermaßen systematische Vorberichterstattung hier im Forum geht (zumindest soweit ich das mit verfolgt habe) jetzt ins dritte Jahr, was dazu führt, dass zu so ziemlich jedem Verein schon so ziemlich alles gesagt worden ist und man sich bei neuen Vorberichten ganz wunderbar auf bereits
vorhandene Vorberichte beziehen kann. Der Kreis schließt sich. Alles schon mal dagewesen. Langweilig. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Oder? Wollen mir doch mal sehen….
Immer aktuell: Erfolgreiche Nachwuchsarbeit

Sowohl bei Gladbach wie bei uns haben in der zurückliegenden Woche zwei Nachwuchskräfte für Schlagzeilen gesorgt:
Diogo Dante (51 cm, 3865 Gramm) und
Cahel Caio (Größe und Gewicht noch unbekannt), die am 5. Bzw. 6. September zur Welt kamen und deren Namen jeweils als Tattoo auf dem Arm des Vaters verewigt werden wird bzw.
bereits ist. Jawohl, beide Vornamen sind richtig geschrieben und sprechen für die lautmalerischen Vorlieben der jeweiligen Eltern. Cahel Dante und Diogo Caio? Mal ehrlich – das ginge ja gar nicht.
Die Borussia aus M-Gladbach
Sportreporter sprechen bei TV-Übertragungen auch heute noch hartnäckig von „Münchengladbach“ - was zumindest historisch einige Berechtigung hat, denn – schlag nach bei Wikipedia und
bei gereizt – München-Gladbach war ehedem ein eigenes Städtchen, das heute Teil der Stadt Mönchengladbach ist. Vielleicht hat dieser bayerische Verfremdungseffekt dazu beitragen, dass Gladbach früher für mich immer so etwas wie ein mythischer Ort war. Die meisten Fußballvereine kommen aus Städten, zu denen man einen wie auch immer gearteten Wirklichkeitsbezug hat: Hamburg, München, Bremen, Leverkusen, Köln, Nürnberg, Bochum – sogar Bielefeld. Bei Gladbach bin ich gar nicht auf den Gedanken gekommen, dass es sich um eine reale Stadt mit realen Menschen handeln könnte. Gladbach ist einfach ein Verein. Dort gibt es:
Da ich noch nie bei einem Auswärtsspiel in Mönchengladbach war, bin ich bis heute ungefähr bei dieser ortlosen Vorstellung der Stadt stehengeblieben, obwohl das natürlich ungerecht ist, denn:
Mönchengladbach ist über 1000 Jahre alt, liegt am Niederrhein zwischen Rhein und Maas, bezeichnet sich selbst als grüne Großstadt, braut Altbier und bietet tolle Einkaufsmöglichkeiten, bei denen man die Seele baumeln lassen kann. Oder zumindest so ähnlich. In der Stadt gibt es viele Kirchen (Evangelische Hauptkirche, Klosterkirche) Schlösser (Rheydt, Wickrath), Türme (Dicker, Wasser) und ein Abtei. Es gibt Ritterfeste und Altstadt-Touren mit Mönchen (von wegen Kuttenträger) und wer mag, kann sich auf die Spuren des „offenen Gladbachs“ (den gibt es wirklich) begeben.
Ganz kurzer Schwenk in die Vergangenheit
Gladbach zählt – wie wir – zu den Mannschaften, deren
Vergangenheit deutlich glorreicher ist als die Gegenwart. Von 1970 bis 1977 holte die Borussia fünfmal den Deutschen Meister-Titel und zwei Mal den UEFA-Cup – 1975 und 1979. 1980 holten sie ihn nicht
(das ist gut so) und der letzte richtig große Erfolg liegt jetzt auch bereits 15 Jahre zurück: Ein 3:0 im Pokal-Endspiel gegen Wolfsburg. 1999 stieg die Borussia erstmals ab, zum hundertsten Geburtstag wieder auf, im Jahr 2004 vom Bökelberg in den Borussia-Park um und am Ende der Saison 2006/07 wieder dorthin ab, wo die Kölner sich bereits befanden. Im Folgejahr stiegen die Gladbacher als überlegener Zweitligameister (zusammen mit dem FC) wieder auf. Am 1. August dieses Jahres feierten sie ihr 110-jähriges Vereinsjubiläum.
Traditionell mag ich sie irgendwie, die Gladbacher – trotzdem sind meine Kategorien in jüngster Zeit ins Wanken geraten. Einer meiner jungen Mit-Adler hat nämlich (aus mir schwer nachvollziehbaren Gründen) eine tiefe und dauerhafte Zuneigung zum FC aus Köln entwickelt – und so haben sich mir inzwischen aus dem EffEff(enberg) sämtliche Köln – Gladbacher-Beschimpfungsrituale nachhaltig eingeprägt.
Zweiter Abstieg in der Saison 2006/2007, überragende Zweitligasaison und sofortiger Wiederaufstieg (zusammen mit dem benachbarten FC) in der Saison 2007/08, noch knapper als wir dem Abstieg entkommen in der Saison 2008/09, nicht wirklich in Abstiegsnot und ein sicherer zwölfter Platz in der Abschlusstabelle der Saison 2009/10 – das ist die ganz ordentliche, wenn auch nicht gerade berauschende Bilanz der letzten drei Borussenjahre. Im vergangenen Jahr nannte Ex-Spieler-Jetzt-zum-zweiten-Mal-Borussia-Trainer Michael Frontzeck die Eintracht als Vorbild – von wegen stabil in der Liga halten – trotzdem gelten die Gladbacher heute nicht wenigen als einer der ersten Anwärter auf den Anschluss ans vordere Mittelfeld und als einer der Vereine, die schon bald in der Tabelle nicht mehr zur Eintracht hinauf, sondern zu uns herunterschauen könnten (was sie ja im Moment leider bereits tun).
So wundert es wenig, dass im Borussen-Forum ähnliche Diskussionen geführt werden wir hier bei uns.
„Was unterscheidet uns eigentlich von erfolgreichen Klubs?“ lautet der Titel eines Freds, der im September 2007 eröffnet wurde. Die Antworten haben sich im Laufe der Jahre und Monate geändert:
September 2007: „
Wir haben uns im Angriff nicht genug verstärkt.“
September 2008: „
Fehlende Selbstkritik.“
Januar 2009: „Wir haben genug Zuschauer, das Merchandising funktioniert , die Konsumenten sind zufrieden – wir sind der Vorreiter für eine ganz neue Art eines erfolgreichen Vereins. Haha.“
Februar 2010: „Die Konstanz.“ „Die Kaltschnäuzigkeit.“
Mai 2010: „Die Chancenauswertung.“
3. September 2010: „Immer weniger!“
Die Gladbacher vor dem Spiel gegen die Eintracht
“Nahezu perfekt.“ „Atmenberaubend“ „Sturmwirbel.“ Nach dem Sieg der Gladbacher in Leverkusen gab es pressemäßig kein Halten mehr. Alle schwärmen und loben in höchsten Tönen und – seufz – sie haben recht. Fohlen reloaded. Die Abwehr um
Kapitän Filip Daems und
Afro-Dante steht sicher, im Mittelfeld wirbelt der U21-Nationalspieler
Patrick Hermann , vorne der Marin-Klon Marco Reus und Mohammed Idrissou – richtig, das ist der, der letzes Jahr keine Lust mehr auf die Kollegen in Freiburg hatte
(„Absteiger“ ) und stattdessen Championsleague spielen wollte – gibt den Altvorderen und freut sich, wenn junge Leute wie Reus „einen Rat von mir“ haben wollen. Der 4-Millionen-Stareinkauf Igor de Camargo (belgischer
Brasilianer, logisch), der es eigentlich richten sollte, konnte (weil verletzt) bisher noch nicht in Erscheinung treten, musste er auch nicht. Sind in Gladbach die Talente talentierter? Haben die Gladbacher das bessere Konzept? War der Saisonauftakt, war das Spiel in Leverkusen eine Eintagsfliege? Oder gar - ähem - richtungsweisend? Abwarten.
Die Eintracht vor dem Spiel in Gladbach
In Gladbach alles Friede Freude Eierkuchen. Bei uns? Mmh. Wissen wir noch nicht so richtig. Wir können noch zulegen. War/ist das 50-Punkte Ziel (noch) realistisch? Maaaaan - nervt mich jetzt bloß nicht - am Ende der Hinrunde könnt ihr gerne wieder nachfragen. Jedenfalls haben wir diskussionstechnisch schon mal alle Register gezogen und in den vergangenen beiden Wochen im Schnelldurchlauf all die Themen diskutiert, für die wir sonst eine ganze Saison brauchen. Kein Diskussionsverweigerer nirgends: Das System (Zu systematisch?). Der Sturm (Zu wenig stürmisch?) Der Vorstandsvorsitzende (Warum ist er so wie er ist?) Der Trainer. (Ist er oder tut er nur so?) Der Zement (Steht oder fällt?). Die Talente (können nicht oder dürfen nicht?) Die Einkaufspolitik (falsch). Die Chancenverwertung (schlecht). Die Finanzlage (elend – huch!). Was fehlt noch? Richtig: Die Verletztenliste und die mangelnde medizinische Kompetenz. Doch, doch – das Thema haben wir auch im Angebot: Knorpelschaden und OP bei Sebastian Rode, Ümit mit Fieber im Krankenhaus. Amas Knie ist dick (bitte, lass die dunklen Ahnungen nicht wahr werden). Vasoski hat Kniebeschwerden (bitte, bitte, hier auch nicht). Aber Chris ist wieder fit. Nein, doch nicht. Hilfe – Rücken? Knie? Nur Grippe. Immerhin.
Countdown
Die beiden Spiele gegen Gladbach im vergangenen Jahr. Mmh – nicht wirklich erfreulich. Wir erinnern uns – Hinrunde: Das elende, peinliche 0:4 in
0:4 in Vizekusen mit anschließendem Skibbe-Rundumschlag – und die darauffolgende nicht weniger deprimierende
1:2-Heimniederlage gegen Gladbach. In der Rückrunde der
gloriose Heimsieg gegen Bayer (Caaaaaaaaaio) und dann in Gladbach
das Ende der zart aufgekeimten Eurobbabogaal-Hoffnungen.
Null Punkte. Gegen Gladbach. Also – das geht ja nunmal gar nicht und deswegen – klare Sache: Dieses Mal fangen wir mit so einem Scheiß gar nicht erst an. Ich schlage deshalb folgendes vor: Wir stoppen sofort jede Diskussion, jedes Schwarz-Orakeln, jedes aufkeimende ungute Gefühl. Die Mannschaft, also der einsatzfähige Teil derselben, steigt in ihr Adlermobil, wir satteln Autos, Züge, Busse und/oder einfach unsere Herzen – und dann fahren wir in die Stadt, die es offensichtlich ja doch gibt, krempeln den Kopf und die Ärmel hoch, spielen – egal ob mit System, ohne System, schön oder nicht schön – kämpfen und: Siegen!
„Fünf Teams sind noch punktlos,
wo steht auch am Sonntag noch die Null?“ lautet die aktuelle Umfrage auf der Gladbach-Page. Dreimal dürft ihr raten, welche Mannschaft klar in Führung liegt. Im Spiel-Fred kommt es sogar noch dicker
71 % (Stand heute) glauben: Ja, wir schicken Frankfurt ohne Punkt nach Hause.
Tja, liebe Gladbacher: Denkste!
Auswärtssieg!