DPA 09.05.2010
So eine Nacht hatte Frankfurt noch nie erlebt. Ein schwarz-weiß-rotes Farbenmeer schwappte durch die Fußgängerzonen der Innenstadt. Hunderttausende tanzten auf den Straßen, Fremde lagen sich in den Armen und machten die Nacht zum Tag. In Sachsenhausen drohte zum ersten Mal nach Ende des zweiten Weltkrieges ein Versorgungsengpass mit Apfelwein.
Nachdem sich dann am heutigen Tag die Meistermannschaft in das goldene Buch der Stadt Frankfurt eintragen durfte und die ersten Spieler den Rathausbalkon betraten, drohte der Römerberg zu bersten.
Schon oft wurden hier erfolgreiche Mannschaften gefeiert aber selbst der Empfang nach der gewonnen Weltmeisterschaft 1990 wurde bei weitem übertroffen.
Eine unglaubliche Stimmung. Immer wieder wurde von den Fans die Meisterschale gefordert. Kaum ein Spieler verfügte noch über funktionierende Stimmbänder und die Fans stimmten immer wieder Lieder der Glückseligkeit wie “Deutscher Meister ist nur die SGE“ oder “Siehst du Hoeneß, so wird das gemacht!“ an.
Trotz der ausgelassenen Stimmung bei den Fans und vor allem auch bei den völlig enthemmten Spielern kam es nur zu einigen kleineren Zwischenfällen.
Nachdem sich Patrick Ochs, so wie man es nur von Punkrock-Konzerten kennt, von den Fans auf deren Händen mehrmals um den Römerbrunnen hat tragen lassen konnte ein völlig ausgelassener Maik Franz nur mit Mühe von den eigenen Mannschaftskameraden an einem “Stage-Diving“ vom Rathausbalkon gehindert werden. Mehrere Spieler klagten über starke Übelkeit und dann wurden noch Petra Roth und Heribert Bruchhagen vermisst. Über deren Verbleib schwieg sich ein, den ganzen Tag über wissend und verschmitzt dreinblickender, Michael Skibbe vehement aus.
Emotional wurde es dann noch, als ein auf der großen Videowand aus New York hinzu geschalteter Oka Nikolov seine Tränen nicht zurückhalten konnte, nachdem minutenlang sein Name von den Fans skandiert wurde.