1.2.
Zum Rückrundenauftakt hat die Eintracht 2:1 in Berlin verloren. Seit kurzem weiß ich, dass sich im SchülerVZ eine Gruppe mit dem Namen „Ich hasse Marco Pantelic“ zusammengefunden hat. Sie hat immerhin 15 Mitglieder. Weiter so.
Im Forum finden es die meisten egal, dass wir eigentlich ganz gut gespielt haben. Ich finde das nicht, nehme mir eine Forumspause und mache einen langen Spaziergang durch die Äcker. Es ist kahl und kalt, der Himmel milchiggrau. Die Raben

krächzen. Ich bin allein und froh.
Heute hat Michael Fink Geburtstag und wird 27 Jahre alt.
2.2.
Lasse mir ein Eintracht T-Shirt mit eigenem Text machen. Aufdruck:
alexmeierfancaioindiemannschaftwünscherkeinfunkeljüngerundtrotzdemprofunkel
Abends im Heimspiel sind Friedhelm Funkel und Wolfgang Frank zu Gast. Außerdem wird über die Rückkehr von Suad Türker nach Oxxenbach berichtet. Während des Interviews steht Türker vor einem Schaufenster, von dessen Aufschrift nur die Buchstaben „uck“ zu sehen sind. Ich rätsele ernsthaft, um was für eine Art von Geschäft es sich wohl handeln mag. Schmuck muss es wohl heißen. Schm uck. **stirnpatsch** Das ich da nicht gleich drauf gekommen bin.
3.2.
Im Forum werden PN verschickt, die dazu auffordern einen Funkel-Raus-Brief an Bruchhagen und Becker zu schicken, um eine Vertragsverlängerung mit Friedhelm Funkel noch zu verhindern. Mein Mit-Adler lehnt grinsend im Türrahmen und schockt mich mit folgender Vision: „Hast du schon gehört? Am Samstag soll es schneien. Da fällt bestimmt unser Spiel gegen Köln aus. Nächste Woche gegen Wolfsburg verlieren wir, danach dann auch das Auswärtsspiel in Karlsruhe. Bielefeld gewinnt nächste Woche gegen…“ Ich schnappe einen vor mir auf dem Schreibtisch liegenden Kugelschreiber und werfe ihn in Richtung Tür. Klong.
Heute vor 50 Jahren ist das Flugzeug, in dem Buddy Holly saß, über Iowa abgestürzt. The day the music died. Oder doch: Hey hey, my my Rock’n Roll will never die? Plädiere mit Joe Strummer für letzteres: “And somewhere in my soul – there’s always Rock and Roll.”
5.2.
Die Link-Sammlung im SAW-Thread gefällt mir heute besonders gut. Die Frankfurter Rundschau berichtet darüber, dass es jetzt in Frankfurt möglich ist, sich als
Eintrachtler bestatten zu lassen. Axel Kruse meckert in der Blöd-Zeitung über die Zusammensetzung unseres Kaders und bekundet
Mitleid mit Friedhelm Funkel. Und die
Junge Welt prangert an, dass Sponsorengelder statt in Fußball besser in sinnvollere soziale Projekte fließen sollten. Ich stelle mir vor: Der Adler auf dem Sarg, die Trauergemeinde sitzt in Eintrachtrikots aus den Kirchenbänken und die Orgel intoniert „Adler auf der Brust“. Die Junge Linke schwenkt dazu die rote Fahne und warnt vor falsch gesetzten Prioritäten, während Axel Kruse in einer Trauerrede verkündet, dass Fußball ohne Geld sowieso keine Zukunft hat. Was für ein Idyll.
6.2.
Der Aufsichtsrat der Eintracht hat heute der Vertragsverlängerung mit Friedhelm Funkel einstimmig zugestimmt. In einem Rundschau-Bericht wird FF als
Cowboy mit Schrammen beschrieben. Als Western-Fan überlege ich, welche Rolle zu ihm passen könnte: Gary Cooper in „Zwölf Uhr Mittags“, der lernt, dass er sich auf niemanden, außer auf sich selbst und seine Frau verlassen kann? Lee Marvin als Monte Walsh, der vom Viehtreiber zum Bankräuber wird, weil er sich von niemandem helfen lassen will? John Wayne in Red River, der am Ende doch einsehen muss, dass es im Leben nicht verkehrt ist, sich auch mal einen Ratschlag geben zu lassen? Oder doch Robert Mitchum in El Dorado - als Sheriff, der schon am Ende scheint, aber sich dann zu ungeahnter Größe aufschwingt und alle Lästerer zum Schweigen bringt?
7.2.
Heute spielt die Eintracht gegen die
Ich werde wach vom Platschen des Regens an den Rolladen. Der Tag bleibt nass, es regnet den lieben langen Tag. Die Welt ums Waldstadion versinkt in Wasser und Schlamm. Wir gedenken Alfred Pfaff, ein Fan stürzt vom Zaun und hat Glück im Unglück. Wir wollen drei Punkte, holen aber nur einen und Chris fliegt vom Platz.
Die Bundesligaberichterstattung in den Tagesthemen vermeldet, dass „Hoffenheim auf seinen verletzten Torhüter Hildebrand verzichten muss.“ Ich rätsele, ob es möglich ist, auf etwas zu verzichten, dass man bislang noch gar nicht besessen hat? Jörg Kachelmann verkündet im Wetter eine von Westen heranziehend „Conclusion“. Am Dienstag, da wird sich etwas entladen, da geht es hoch her. „Wenn Sie etwas mit Wind vorhaben, besser verschieben.“ Ich nehme mir vor, diesen Rat zu beherzigen.
Heute wird Dieter Schlindwein 48 Jahre alt. Er spielte von 1987 bis 1989 bei der Eintracht und wurde 1988 mit der Mannschaft Pokalsieger. Er fiel insbesondere durch derbe Spielweise und nicht immer sonderlich intelligente Sprüche auf.
8.2.
Michael Phelps

wird für 3 Monate gesperrt, weil er sich beim Rauchen einer Wasserpfeife hat fotografieren lassen. Dabei hat er doch bestimmt nicht mal inhaliert.
9.2.
In der Rundschau lese ich, dass Peter Fischer vorhat
“einen Gomez zu machen“ und frage mich, ob er möglicherweise den Gebabbel-Fred „Vögeln für drei Punkte“ zu wörtlich genommen hat.
dpa meldet, dass in Augsburg
vier Zebras 
unterwegs sind. Ich vermute, dass es sich um eine Vorhut des Spiels am Sonntag handelt. Frage mich, ob die Duisburger inzwischen schon so wenig Fans haben, dass ihr Auftauchen irgendwo in der Republik eine dpa-Meldung wert ist?
10.2.
Tatsächlich. Herr Kachelmann hat recht gehabt. Heute stürmt es und der Wind tobt ums Haus. In einem Interview im Vorfeld des Länderspiels gegen Norwegen erinnert sich Jan-Age Fjortöft an seine Zeit in Frankfurt Er erzählt, dass er und Magath
“immer viel Spaß hatten“. Frage mich, ob das für uns am Samstag auch gelten wird.
11.2
Heute hat einer meiner absoluten Lieblingseintrachtler Geburstag: Ralf Falkenmayer, den wir früher immer nur E.T. nannten, wird - kaum zu glauben – heute 46 Jahre alt. Nein, der Spitzname war nicht böse, sondern ausschließlich liebevoll gemeint – er war so schmal, der Wuschelkopf, die auffallenden Ohren. Er wirkte immer ein klein wenig wie aus dem Nest gefallen. Dabei war er zäh, bissig, wendig, technisch stark, immer bescheiden. Der Wechsel nach Leverkusen damals war nix anderes als ein Irrtum. Dann nach der Rückkehr in bestechender Form, auf dem Sprung in die Nationalmannschaft – und dann die schwere Verletzung. Beim Abschiedsspiel für Schui und Zico war Falke auch dabei – keine Wuschelhaare mehr und auch – zumindest ein bisschen – kräftiger als damals. Aber trotzdem konnte man ihn schon von weit weg erkennen – an den Ohren

)
Die deutsche Fußballnationalmannschaft verliert in Düsseldorf mit 0:1 gegen Norwegen. Kein Wunder – ohne
Ümit trainiert wieder mit, Maddin hat die Grippe und Caio ist zwar noch nicht in unserer Mannschaft, dafür aber immerhin schon in der Fassenacht angekommen. Eine hessische Büttenrednerin in der Rolle von
Frau Rauscher textet „Der Fettmops, des tut dem zwar stinke, der muss, dass er schlank wird, jetzt Ebbelwei trinken.“ Selten so gelacht.
12.2.
Christoph Daum regt den Ausschluss der Fans vom Training aller Teams an. So könne man konzentrierter trainieren. Überlege, ob es für diese Initiative nicht einen anderen Grund geben könnte. Man stelle sich vor: Die Ankunft von Prinz Poldi im Stadion findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wird aber – gegen Eintritt – auf einer Großbildleinwand im Kölner Dom übertragen.
14.2.09
Strahlender Sonnenschein. Auf der Fahrt ins Waldstadion zum Spiel gegen Wolfsburg diskutieren wir, ob das wunderbare Wetter ein gutes oder ein schlechtes Omen ist. Bei schönem Wetter haben wir noch nie schlecht gespielt, sagt einer meiner Mit-Adler. Ich behaupte: Gerade bei schönem Wetter spielen wir überdurchschnittlich oft schlecht, während wir bei schlechtem Wetter häufig gut spielen. Die Eintracht verliert 0:2 und spielt grottenschlecht. Auf der Heimfahrt haben wir uns zumindest so weit wieder berappelt, dass wir einen Slogan entwickeln können: „Eintracht Frankfurt. Wir verlieren bei jedem Wetter.“
15.2.09
Fürs Forum hatte ich einen Vorbericht zum Wolfsburg-Spiel verfasst und einen Sieg versprochen. Bei einer trotzdem-Niederlage sollte ich geteert und gefedert werden. Bin froh, dass dieser Kelch an mir vorüber gegangen ist, gehe aber trotzdem in Sack und Asche. Prompt stolpere ich und falle – ohne Einwirkung meines Mit-Adlers – längelang hin. Der Pfiff bleibt aus. Ich stehe auf und schreibe weiter.
Nachmittags ruft ein lieber Freund an und berichtet, dass in seinem Unternehmen Stellen abgebaut werden und auch er davon betroffen ist. Das Grau der Niederlage von gestern mischt sich mit der glasklaren Realität. Merkwürdige, unwirkliche Tage.
16.2.
Der gestrige Nachmittag mit Thomas Berthold im Eintracht-Museum war ein so großer Erfolg, dass gleich zwei Eintracht-Bloggern erst einmal die Lust am Bloggen vergangen ist.
Abends sehen wir in einer Mainzer-Studiobühne eine witzig-chaotische Theater-Film-SciFi-Schnipsel-Collage zum Thema Familie. Wir lernen: Zank und Streit, Liebe, die zu Hass wird, Frust, Angst, Feindseligkeit, Traurigkeit sind immer noch besser als – nichts. Das probieren wir gleich aus und trinken zum Ausklang des Abends noch zwei, drei Biere in einer 05er-Kneipe gleich um die Ecke.
17.2.
„Manches deutet darauf hin, dass in dieser Spielzeit nicht spektakuläre Offensivleistungen und große Momente belohnt werden, wie sie vor allem Hoffenheim oder Leverkusen liefern, erst recht nicht überholte Erfolgsrezepte à la Bremen, Schalke oder Stuttgart. Weit eher ist bei aller Torrausch-Euphorie, die in der Bundesliga Einzug gehalten hat, disziplinierter Ergebnisfußball mit Schwerpunkt auf Defensive das Rezept der Stunde.“ Nein, es sind nicht Friedhelm Funkel oder Heribert Bruchhagen, die solches über die Eintracht sagen, sondern der der Vernichtung des Fußballs gänzlich unverdächtige Autor und Journalist
Matti Lieske über die Berliner Hertha. Mmh.
Der Mainzer Lokalpresse entnehme ich, dass in dieser Fassnachts-Kampagne ein Büttenredner als Calli Callmund auftreten wollte, dieses Vorhaben neben seinen Aufgaben als Sitzungspräsident aber nicht durchführen konnte, weil das Aufsetzen der eigens angefertigten Glatzenperücke ca. eine Stunde in Anspruch genommen hätte. Narhallamarsch.
18.2.
Lance Armstrong startet sein Comeback auf einer Kalifornienrundfahrt. Der Rennstall für den er fährt wird von einem Epo-Hersteller gesponsert. Und das ist
kein Witz.
19.2.
Es ist klirrend kalt und die Sonne strahlt vom Himmel. Wir fahren nachmittags zum Training ins Waldstadion, sehen einem kleinen Trupp von Eintracht-Spielern beim Fußball-Tennis zu, freuen uns über das Zusammenspiel von Caio und Vasi, reden kurz mit Patrick Ochs und basteln uns im Museum Funkel- und Fenin-Buttons. Für einen Moment steht die Welt still, alles ist ruhig und gut. Geht doch.
20.2.
Fassnachtsfreitag. Traditioneller Termin für die TV-Übertragung der Kappesitzung aus Meenz. Der Sitzungspräsident erzählt einen Witz: "Ich hab geträumt es ist Mai und M1 05 und der FCK sind zusammen in die erste Bundesliga aufgestiegen." Tosender Applaus. „Aber der Traum ging noch viel schöner weiter: Die Eintracht aus Frankfurt ist abgestiegen.“ Um unseren Ex-Außenminister zu zitieren: „Mit Verlaub
Herr Präsident – Sie sind ein
******.“
21.2.
Heute ist der Tag, an dem die Eintracht beim KSC durch ein Tor von Caio mit 1:0 gewinnt.
22.2.
In Hollywood sind heute nacht die Oscars vergeben worden. Mickey Rourke geht leer aus. Er hat genug Niederlagen erlebt, um auch diese zu verkraften. Mal sehen, ob das Jürgen Klinsmann auch gelingt.
23.2.
Rosenmontag. Ich muss arbeiten und bin eigentlich ganz froh darüber. Abber zumindest Kreppelkaffee muss sein – ich entwerfe eine Büttenrede:
Als Eintracht-Fan, ich erzähl’s euch ihr Lieben,
da wird man ganz schön aufgerieben,
den Adler, den habbe mer all uff de Brust,
trotzdem schiebt jeder sein eischene Frust.
Statt Eintracht gibt’s Zwietracht
Die Diskussione die flutsche -
„Stillstand ist Rückschritt“ -
„Immer noch besser als abzurutsche.“
Wenn mer gewinne, wars Zufall,
wenn mer verlieren – wars doch klar,
da wird sich nix ändern
solang „der“ noch is da.
Wer spielt hinne, wer vorne?
Solle mer sparn oder prasse?
Steische mer ab nur weil „der“ „den“ net will mitspiele lasse?
Ist FF noch der rechte?
Mir wollte doch eigentlich nach vorn.
Des wird abber nix wern
Denn mer schieße ka Doorn.
Die Saison die bleibt schwierisch
Da helfe kaa Tricks
Drum lasst uns net jammern
Des ändert doch nix.
Mir sehn uns im Stadion,
in rot schwarz und weiß
und egal wer aufläuft
unser Herz das brennt heiß
Und am End, wenn wir siegen,
dann sind wir Fans froh,
abber auch de Funkel, de Meier - und auch de Ca-io.
Helau!