Das hier wird kein einfacher Thread, weil es nicht um "Caio rein oder raus" geht, sondern um die Zukunft von Eintracht Frankfurt. Auch das Verfassen ist nicht einfach, weil ich einerseits über keine tiefen Insider-Kenntnisse verfüge, aber in einem - bisher nicht öffentlich ausgetragenen - Konflikt andererseits durchaus eine eigene Meinung besitze. Aber ich versuche jetzt einfach mal, die Fakten zusammenzuschreiben. Und ich bitte alle, sich ausschließlich konstruktiv an der Diskussion zu beteiligen, da es hier um die Zukunft von Eintracht Frankfurt geht.
Der Auslöser
Am 05. Juli erschien in der FAZ ein Artikel zur Situation der U23, der ein Gespräch mit Klaus Lötzbeier wiedergibt. Falls es jemand nicht weiß: Klaus Lötzbeier ist als zuständiger Vizepräsident beim Verein und gleichzeitig neues Vorstandsmitglied bei der Fußball AG
der starke Mann in Sachen Fußball, insbesondere Amateurfußball.
In diesem Gespräch revidiert Lötzbeier kursierende Etatzahlen der U23 für die kommende Regionalligasaison, 800.000 Euro seien nicht zutreffend (intern wird wohl mit 600.000 Euro kalkuliert, die an anderer Stelle auch schon in der Presse genannt wurden). Mit dem zu erwartenden Etat bildet die Eintracht wahrscheinlich das Schlusslicht der Liga, ein Klassenverbleib ist sehr unwahrscheinlich.
Dubios allerdings wird es, wenn für diesen Etat ein kalkulierter Zuschauerschnitt von 3000 angesetzt wird. Selbst bei wohlwollender Betrachtung wären selbst 1000 Zuschauer zu hoch gegriffen. D.h., es ist heute schon eine Finanzlücke von
mindestens 270.000 Euro (17 Heimspiele, 8 Euro Eintritt) vorhersehbar, das sind rund 45 % des Etats (Basis 600.000 Euro).
http://www.eintracht.de/meine_eintracht/...8136/?page=1
http://www.eintracht.de/meine_eintracht/forum/4/11148235/
Die Finanzsituation des Vereines
Warum der Verein mit einer solch utopischen Zuschauerzahl kalkuliert, dürfte darin begründet liegen, dass er aktuell keine anderen Mittel hat, einen ausgeglichenen Etat für die U23 zu erstellen. Die Frage nach der Finanzierung durch die Fußball AG beantwortet ein Blick in deren Jahresabschluss zum 31. Dezember 2006:
"Darüber hinaus hatte die Eintracht Frankfurt Fußball AG einen Lizenzvertrag mit ihrem Gesellschafter Eintracht Frankfurt e. V. geschlossen. Demnach stehen Eintracht Frankfurt e. V. 5% der Umsatzerlöse während einer Spielzeit (01. Juli bis 30. Juni) mit einer Minimalvergütung von 600 Tausend EURO und einer Maximalvergütung von 1,2 Mio. EURO zu""
Diese "Maximalvergütung" von 1,2 Mio Euro ist erreicht, eigentlich optimal für den Verein. Über dieses Geld kann der Verein frei verfügen, es beliebig für seine verschiedenen Abteilungen verwenden. Für den Fußball bzw. das Leistungszentrum gibt es noch was extra:
"Die Eintracht Frankfurt Fußball AG ist gem. der Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga GmbH verpflichtet den sportlichen Unterbau der Lizenzfußballmannschaft, den Amateur- und Jugendfußball zu unterhalten. Mit Vertrag vom 19. Dezember 2001 wurde mit dem Verein und Mehrheitsgesellschafter Eintracht Frankfurt e. V., der die Durchführung des Amateur- und Jugendfußballs übernimmt, eine Vereinbarung getroffen, der diese Unterstützung auf 7% des Etats der Lizenzfußballmannschaft begrenzt. Darüber hinaus wurde eine Minimalgrenze von 1 Million EURO und eine Maximalgrenze von 2 Millionen EURO festgelegt."
2006 betrug die Zahlung hierfür 1.741.000 Euro, so dass angenommen werden kann, dass aktuell auch hier die Höchstgrenze von 2 Mio. Euro erreicht wird. Da der Verein somit seine maximalen Zuschüsse bekommt, sollte es ihm eigentlich finanziell gut gehen.
Problembereiche
Jedoch zeigt sich, dass der Verein in wichtigen Bereichen scheinbar keine freien Mittel zur Verfügung hat. Auffälligstes Beispiel war der Weggang von Top-Talent Marko Marin, der finanzielle Gründe hatte (gemutmaßt wird hier über einen fehlenden Betrag von 3000 Euro monatlich). Der entstandene Schaden kann heute mit 3-7 Mio. Euro angesetzt werden. Aber auch Eintrachtlegende Uwe Bindewald wird mit seiner Erfahrung dem Verein nicht mehr als Betreuer zur Verfügung stehen, da man ihm nur deutlich weniger als 1000 Euro Gehalt anbieten konnte. In der neuen Saison wird es im Jugendbereich eine Neuordnung der physiologischen Betreuung geben, da auch hier keine ausreichenden Mittel vorhanden sind.
Und dann ist da natürlich aktuell der Kader der U23, der bisher weitgehend nur durch Spieler der eigenen U19 "verstärkt" werden konnte, während einer der wichtigsten Spieler der abgelaufen Saison, Danny Galm, den Verein verlassen hat. Trainer Leicht hofft noch auf Unterstützung durch abgestellte Profis.
Neubau Leistungszentrum am Riederwald
Die Gelder für den Neubau am Riederwald sind von Seiten der Fußball AG zur Verfügung gestellt worden (ca. 12 Mio.Euro. Geschehen ist seither nichts, die Verzögerung des Baubeginnes beträgt mindestens 1 Jahr, eher 1,5 Jahre.
Fußballschule
Mit der Fußballschule entsteht innerhalb der Fußball AG ein eigener Jugendbereich. Laut Bilanz von 2006 wirft die Fußballschule Gewinn ab. Eine Integration in den Verein ist laut BILD gescheitert. (
http://www.eintracht.de/meine_eintracht/forum/4/11148086/)
Die Frage aller Fragen
Die entscheidende Frage wurde in der Öffentlichkeit noch nicht gestellt, scheint aber derzeit jeden Fortschritt der Entwicklung von Eintracht Frankfurt zu lähmen:
Wer soll die Verantwortung für Fußball bei Eintracht Frankfurt tragen?
Für andere Vereine hat das User untouchable schon beantwortet (
http://www.eintracht.de/meine_eintracht/...=2#f11689851)
Bei der Eintracht ist das Gerangel in vollem Gange: Der Verein versucht, seine Interessen in der AG dadurch zu wahren, dass Klaus Lötzbeier im Vorstand etabliert wurde. Er kommt als Nachfolger von Heiko Beeck, obwohl ursprünglich für diesen gar kein Nachfolger vorgesehen war. Die Unabhängigkeit des Vereines - insbesondere beim Jugendfußball - soll gewahrt bleiben.
Die Fußball AG hingegen möchte Einfluss auf das Leistungszentrum bekommen, um Gelder gezielt einsetzen zu können (siehe Marin), statt sie einfach nur dem Verein zur Verfügung zu stellen.
Zu erwarten ist, dass letztendlich eine Partei sich durchsetzt - und die handelnden Personen der unterlegenen Partei ihren Hut nehmen werden.