FOCUS
Aus der Printausgabe des FOCUS vom 20.08.07:
"Rätselhafter Todestrieb"
Artikel von Marco Wisniewski/Thomas Zorn
*Eintracht Frankfurts Manager Heribert Bruchhagen kämpft gegen zu hohe Erwartungen beim hessischen Bundesligisten*
>>Rudi Köhler hat alle „Höhen und Tiefen“ durchschritten. Die vergangenen zehn Jahre, in denen die Frankfurter Eintracht nur um Abstieg und Aufstieg kickte und zwischenzeitlich vor dem Lizenzentzug stand, haben den Fanbetreuer demütig gemacht. Dennoch erwartet der 56-jährige jetzt den entscheidenden Schritt nach vorn. Die „launische Diva vom Main“ soll in dieser Bundesligasaison „von Beginn an einen ganz langweiligen Platz im Mittelfeld belegen und ein paar Heimsiege mehr“ erreichen.
Die Vorbereitungsspiele mit einer ganzen Niederlagenserie ließen glühende Anhänger wie Franco Volo zwar wieder in Depression verfallen. „Wir sind grauer als die graueste Maus“ entsetzte er sich nach einem Freundschaftsdebakel beim Oberligisten SV Meppen. Doch nach hauptstädtischer Hilfe, dem Weiterkommen im Pokal gegen das drittklassige Union Berlin und dem Bundesliga-Auftakterfolg gegen Hertha BSC, keimen wieder große Hoffnungen. Die nährt auch Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Die Neuerwerbungen mit Mehdi Mahdavikia aus dem Iran und Junichi Inamoto aus Japan hätten das „kreative Potenzial im Mittelfeld gestärkt“. Den ablösefrei verpflichteten Mexikaner Aaron Galindo hält die Politikerin für eine „gute Alternative“ in der Innenverteidigung.
Die Gremien des Vereins, der traditionell Zwietracht statt Eintracht pflegt, träumen schon vom alten Glanz. Versteckt kritisieren sie die vorsichtige Konsolidierungspolitik von Manager und Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Der finanziellen Gesundung müsse „spätestens in zwei oder drei Jahren ein einstelliger Tabellenplatz“ entsprechen, fordert Vereinspräsident Peter Fischer. Noch misst er die die Truppe von Trainer Friedhelm Funkel an Mannschaften wie dem aktuellen deutschen Pokalsieger 1. FC Nürnberg und den diesmal stark eingeschätzten Niedersachsen von Hannover 96. Doch selbst an „dicken Fischen“ könne die Eintracht vielleicht schon bald vorbeischwimmen, sagte der stets sonnengebräunte Werbefachmann dem FOCUS. Aufsichtsratschef Herbert Becker mahnt: „Wir dürfen die Region nicht enttäuschen.“
Den ostwestfälischen Desillusionskünstler Bruchhagen quält die Sehnsucht nach Glamour und das Schielen nach den Großen im nationalen und internationalen Fußball. „Wir wollen uns verbessern“, meint der erste Mann der Eintracht lakonisch. Das wäre dann wohl schon Platz 13, nachdem die Frankfurter im vorigen Jahr lediglich zwei Plätze vom Abgrund entfernt waren.
Im aufgeregten Mainhattan fühlt sich Heribert Bruchhagen bisweilen wie ein Greenpeace-Aktivist. Die Eintracht vergleicht der ehemalige Sport- und Geografielehrer mit einem Wal. „Meine integrative Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass das Tier nicht an Land schwimmt, sondern zurück auf hohe See“, philosophiert der 58-jährige abgeklärt. Biologen bezeichnen das gefährliche Abdriften der Riesensäuger auch als rätselhaften Todestrieb.<<
Marco Wisniewski/Thomas Zorn
Hier der Originalartikel als .bmp:
ZoLo, ich hoffe, das ist kein Problem. Leider nicht verlinkt....